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Artner auf der Wieden - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 14. April 2014
Update am 27. April 2014
Experte
dieBrotvernichter
67
17
18
3Speisen
4Ambiente
3Service

Den Artner wollten wir ja aufgrund unseres Weintraumas am Franziskanerplatz künftig meiden. Aber wir sind halt neugierig, weil Francois aus dem 14. in den 4. übersiedelt ist und wir bislang in Österreich noch kein besseres Steak von dem unschlagbaren Josper-Grill gegessen haben. Und der Josper kann ja nix dafür.

Also Ausnahme: Artner auf der Wieden ist ja was anderes. Somit gerechtfertigt, der im 1. sieht uns so schnell nicht mehr. Tja, jetzt auch der im 4. nicht mehr. Josper bleibt unschuldig.

Gut gelaunt (es war Happy Hour im Santos) kommen wir ins Lokal. Ein bekanntes Gesicht empfängt uns. (Herr Francois hat einen Teil seiner Belegschaft aus dem 14. mitübersiedelt). Reservierung wird in der Liste gesucht - dann doch noch gefunden. Der Herr Ober führt uns zu einem schönen Tisch für uns zu zweit. Speisenkarte kommt gleich mit.

Zu zweit wartet auch schon die Butter. Einmal grün und einmal weiß in Brotkörberlbegleitung, die sich aber noch bedeckt unter der weißen Serviette hält. Keine Erklärung sondern gleich die Frage nach den Getränken - für eine Bestellung brauchen wir aber vorab die Getränke- bzw. Weinkarte bitte.


Da bringt er sie uns schnell der Herr Ober. Wir werden sicher Steak essen, das ist fix. Wie so oft ein Weißer zuerst. Einwand vom Herrn Ober, ob wir nicht einmal einen Weißen zum Steak probieren möchten. Gute Idee aber nein es gibt einen Syrah (and ever - ein Heimspiel vom Artner selber) € 7,90 und der soll's zum Steak werden. Auch schon fix. Zur Vorspeise Sauvignon Blanc Reserve und Gelber Muskateller. Bestellung aufgenommen - ohne große Worte zum Gedeck, das immerhin € 2,90 pro Person wert sein soll.

Wir nehmen an es ist essbar - also los. Grüne Butter ist mit Kernöl aufgeschlagen, weiße pur. Dazu steht großflockiges Salz am Tisch (vielleicht Maldon Sea Salt?). Wir ziehen dem Brot die weiße Decke weg. Schlichtes Landbrot. Viel Kruste. Es bleibt nicht lang nackt. Mit Buttervarianten in den Mund. Das Brot ist alt und zäh. Mit Sicherheit nicht vom aktuellen Tag und noch dazu schon länger sehr unschön ungleichmäßig aufgeschnitten und angetrocknet. Die dicke Kruste gar nicht knusprig, macht das Kauen schwer. Wir sind hungrig. Wein steht am Tisch - wir sind erst mal beschäftigt mit Brotzerkleinerung und Weinverkostung. Der Wein legt einen guten Einstieg hin, beide schmecken uns gut. Buttersorten unspektakulär - fast fad. Das Brot war dermaßen mies, dass wir sogar einen dicken Brocken vom "Scherzerl" übrig gelassen haben - das hat Seltenheitswert. So ein Brot serviert man keinem Gast - nur einem Häftling. Eigentlich frech.

Dazu hätten wir Wasser gebraucht, zum Runterspülen. Auch wegen dem Wein, wär's gewesen... aber kein Angebot vom Herrn Ober. Irgendwann war's uns dann schon sehr trocken im Mund. Und wir bitten darum. Wird dann nachgereicht und nur dem Herrn ins Glas geschenkt. Diskriminierung?

Im Lokal an sich fühlen wir uns viel wohler als im ersten Bezirk. Raffinierter gestaltetes Interieur, private Tischatmosphäre - nur die Gittersessel sind uns unanagenehm. Ein Polsterl hätt' uns gut getan.

Vorspeisen wurden aufgenommen und flott serviert. Das gefällt uns. Eine Leberknödelsuppe kommt zum Herrn und für die Dame warn's die Winterblätter. Leberknödel mit Gemüseeinlage im Teller, Suppe wird mit Kännchen aufgegossen. Eh nett, aber für uns unnötiger Aufwand. Suppe ungewürzt. Geschmacklich zwar gut eingekocht, leider ohne Salz - aber es steht ja ein ganzes Glas davon am Tisch - also salzt man wirklich ordentlich nach, obwohl der Gesundheitsbewusste ja kein Salzfan ist, da war's wirklich nötig.

Die Winterblätter sind 3 Chicoreeblätter und 4 Radicchioblätter - wie ein Carpaccio trapiert, leicht rauchig süßlich am Josper angeschmort entfalten die ihren schön nussigen Geschmack - dazu noch frittierte Röstzwiebel oben drauf - mit ihrer Eigensüße, das kann ja nur schmecken. Wirklich gelungen.

Portionen waren klein aber in Ordnung wir haben ja sowieso das Cote de Boeuf (600g für € 58,00 ohne Beilagen) für zwei bestellt und dazu volles Programm mit 4 Beilagen: Pecorino-Risotto (€ 4,50), Empfehlung vom Herrn Ober: 4 grüne Spargelstangerl gegrillt (stolze € 4,90), Pommes Frittes, glaciertes Gemüse (je € 3,90) und hausgemachtes Ketchup versteht sich.

Syrah wird serviert, da war man mit dem Weißen noch nicht einmal ganz durch. Aber ok, kein Problem - wir finden Platz für die Gläser. Wir mögen's ja zügig. Aber jetzt wird's eng...

Beilagen kommen flott und werden am Tisch gut platziert. 2 Teller mit Sauce Bearnaise im winzigen Schüsserl eingestellt. Wir wundern uns über das flüssige Risotto und die standhafte Sauce Bernaise, die Reiskörner schwimmen und die Sauce ähnelt mehr einem Püree mit Kräuterflankerln. Aber erst kosten. Das Steak wird mit Knochen und zerschnitten in der Pfanne serviert, der Herr Ober legt uns Streifen davon auf unsere Teller.

Naja, wir sind sehr skeptisch. Schaut nicht gut aus. Wirklich extrem fett, das Stück. Expertise haben wir uns schon angeeignet: wir kennen das Cote de Boeuf vom Franziskanerplatz ganz anders. Schon 2x dort gegessen und es war einfach top.

Wir teilen uns die Beilagen einmal auf, kosten den Spargel, Gemüse und Pommes. Der Rest - da trauen wir uns irgendwie nicht ganz drüber. Aber gut. Test: das Fleisch ist zäh, zwar medium gebraten aber dermaßen fett und flachsig, dass es nicht nur unessbar sondern auch unkaubar ist. Der große Knochen, das viele Fett, der stolze Preis zum Essen/Genießen bleibt da nicht viel über. Sorry, das wollen wir uns nicht antun. Wir machen den jungen Herrn vom Service, der bei uns in der Nähe ist, darauf aufmerksam. Er wirft einen Blick darauf. Sagt, er versteht uns selbstverständlich. Er räumt alles ab. "Aber ist doch schade um die Beilagen...". "Kein Problem, Sie bekommen natürlich alles noch einmal frisch serviert."

Sehr angenehm, sehr souverän - keine unnötige Diskussion, der junge Mann nimmt alles mit und entschuldigt sich. Ca. 20 Minuten später wird alles noch einmal serviert. Das Risotto ist optisch jetzt auch von guter Konsistenz. Das Fleisch sieht schon etwas besser aus, aber nicht so wie wir es vom Artner im 1. gewohnt sind (obwohl gleicher Preis). Irgendwie war das eine sehr komische Art von Risottoreis. Eher länglich fasrig, nicht so schön rund und kompakt, wie sich das für uns gehört. Fleisch ist ein Naturprodukt. Cote de Boeuf ziemlich durchzogen und umrandet, das wissen wir - aber das war einfach nur das geringere Übel. Da haben wir die falsche Kalbin erwischt. Viel Fleisch blieb zum Essen auch nicht übrig, aber ok - der Herr Ober, sein junger Kollege sowie die Küchenmannschaft haben wirklich gut reagiert. Fraglich ist, ob man dem Gast wirklich den ganzen Knochen und den dicken Fettrand zumuten will. Eine schönere Vorbereitung wär' auf so einem Niveau schon angebracht. Nicht einfach auf Biegen und Brechen Gewichtschummeln. Das kommt nicht gut an und geht auf Kosten der Zufriedenheit des Gastes.

Das Risotto schmeckt auch nicht so gut, wie im 1. und die Sauce Bernaise ebenfalls nicht. Das ist keine Sauce und geschmacklich auch irgendwie nicht, wie wir's kennen. Gemüse, Spargel und Pommes sind gut und schmecken uns tatsächlich auch. Spargel sehr mager zubereitet - dafür gut angeröstet, schmeckt toll. Pommes natürlich hausgemacht schön dick. Wurzelgemüse im leicht buttrigen Kräutersud. Nicht knackig sondern genau richtig gegart. Ketchup leider eine herbe Enttäuschung. Anscheinend besonders kreativ mit dunkler Schokolade verfeinert. Aber zu heftiger Kakaogeschmack passt gar nicht zu den Pommes. Auch das Fleisch kann da nicht mithalten. Zu viel ist zu viel.

Der junge Mann hat uns aufmerksam Syrah nachgeschenkt.

Der Herr Ober, der sicher schon viel Berufserfahrung hat, von der wir aber leider nicht viel gemerkt haben - fragt ob jetzt alles in Ordnung war - naja, jetzt war's besser, danke. Er meint: Normalerweise weist er ja die Gäste auch im Vorhinein schon drauf hin, dass das so fett ist. (Warum denn uns heute nicht?) Aber das wär' sogar ihm zu fett gewesen. (Aha, danke, das lass' ma jetzt so stehen.)

Zum Abschluss noch eine Entschuldigung und Einladung auf die letzten beiden Syrah Achterl. Herr Francois zeigt sich noch - wirkt sehr sympathisch. Vielen lieben Dank - aber zufrieden gegessen haben wir trotzdem nicht. Zufrieden waren wir einmal, früher am Franziskanerplatz unter Österreicher-Regie. Liegt's am Koch?

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Kommentare (3)

am 26. April 2014 um 12:03
Experte
152
83
am 26. April 2014 um 11:28

Danke vielmals für die Bewertung! (Béarnaise, übrigens.)

Gefällt mir1
Experte
48
22
am 26. April 2014 um 11:13

An dieser Stelle muss ich einmal sagen: Ich liebe die Brotkommentare der Brotvernichter! Viel zu oft leidet in Lokalen die Qualität des gereichten Brotes! Umso besser, dass ihr eurem Namen alle Ehre macht und das Brot verkostet und uns am Geschmackserlebnis teilhaben lasst:-) kreatives Profilbild noch dazu:-)

Gefällt mir1
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4
Artner auf der Wieden
Floragasse 6
1040 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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36
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