RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Kloster am Spitz - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 13. April 2014
Experte
bubafant
283
71
29
5Speisen
5Ambiente
5Service
53 Fotos3 Check-Ins

Kloster am Spitz, an den Hängen des Leithagebirges mit Blick auf den Neusiedlersee. Schon lange auf meiner to-do-Liste, und nach der Winterpause ist es an einem Freitag endlich so weit. Unter Historisches auf der Homepage erfährt man, dass die ältesten Mauern des Komplexes bereits aus dem 12. Jahrhundert stammen, dem Wachturm für die 'Feste Scharfeneck', danach beherbergten sie Pauliner-Mönche, daher der Name. Vor knapp hundert Jahren, seit der 'Waldrestauration am Spitz', ist die Kulinarik eingezogen. Der Spitze meines Nachbarn, dass man auch einen Fußmarsch über das Leithagebirge wagen sollte, kann ich nichts abgewinnen, deswegen nächtigen wir im angeschlossenen Hotelbetrieb, neben dem Weingut in Familienbesitz.

Neben dem a la carte-Angebot mit regionalen Positionen, wie z.B. Neusiedler See-Fische, Grammeln, Backhendl, Schnitzel, Gerichte vom Bio-Rind, Erdäpfelteigtascherl, Kaninchen, Mühlviertler Bio-Schwein und –Lamm werden auch Menüs angeboten: 6 Gänge EUR 62,00, 5 Gänge EUR 57,00, sechsgängige Weinbegleitung EUR 27,50. Bei der Reservierung im Vorfeld wird zugesagt, dass man bei Nichtgefallen des Vorschlages auch Gerichte aus der Standardkarte einstreuen kann, man ist flexibel.

Das Ensemble ist bereits von außen sehr sehenswert, neben den alten Mauern gibt es vorgelagert einen großen Gastgarten, mit viel Liebe zum Detail gestaltet, alte Handwerksgeräte geschickt platziert, Ende März zwar noch im Dornröschenschlaf, aber man kann sich schon vorstellen, wie lauschig es hier im Sommer sein muss, mitten in den Weinhängen.
Nach dem Eingangsbereich führt ein kleiner Gang am Empfangstischerl und der Küche vorbei. Ein Holzgitter vor dem großen Fenster in die Küche erlaubt für die Dauer unseres Aufenthaltes immer wieder leichte Einblicke in das Werken der Köche und Kellner. Sehr gut gelöst.
Die Mauern sind weiß getüncht, sehr viel Holz in Maßarbeit und Naturmaterialien, wie Weinstöcke und –wurzeln als Deko. Sehr viel Lichtquellen, Appliken an den Wänden, sowie moderne LED-Spots.

Wir werden mit Handschlag vom Kellner begrüßt und in weiterer Folge zu unserem reservierten Tisch gebracht. Ein lauschiges Plätzchen hinter den Mauerbögen des alten Gemäuers, ein großer runder Tisch, an und für sich für sechs Personen gedacht, weiße Tischdecke, Stoffservietten, dezente Deko.
Außer uns nur wenige andere Gäste, und diese auch geschickt auf die anderen Tische aufgeteilt, dass keine beengende Situation herrscht.
Wir bekommen nochmals die Speisekarte samt Menüfolge, denn auch das Menü kann man jederzeit ohne Vorbestellung genießen. Die Nachfrage, ob wir etwas ändern wollen, verneinen wir und begeben uns auch bei der Weinbegleitung in die Hände der Crew. Die fehlenden Besteckteile werden nachgedeckt. Wir mögen das, wenn man mehrere Gänge serviert bekommt, ohne über die Auswahl nachdenken zu müssen.

Eine Karaffe mit Leitungswasser wird gebracht und nach dem ersten Einschenken – obwohl ausreichend Platz am Tisch – am Sideboard nebenan abgestellt.
Und es kommt das Gedeck (EUR 2,90)
Drei Sorten Brot im Körbchen nett geschlichtet, frisch und fast noch warm, die dunklen Sorten sehr geschmackvoll, vor allem das Nuss Brot. Und auf einer Glasplatte mit Vertiefungen - Frischkäse mit Kürbiskernöl, typische grüne Farbe, leichter Geschmack nach dem Öl; gesalzene Butter, in Ordnung; und das Highlight – ein Liptauer Aufstrich. Einen solchen brauche ich normalerweise nicht, dieser hier ist so etwas von frisch, mit Zwiebelwürfelchen, einfach ein Genuss.

Geräucherter Neusiedler See Aal & Praline von der Gänseleber auf marinierten Roten Rüben (EUR 12,40)
2011 Muschelkalk Reserve (Chardonnay)
Großer Teller mit ebensolcher Vertiefung. Dünn geschnittenen Rüben-Scheiben im Rund aufgelegt, sehr dezent mariniert, die perfekte Abfederung für die mächtige Leberpraline, gewälzt in Nusssplittern. Ich mag Leber und schwelge das erste Mal. Rübe und Leber sind hier eine perfektes Paar. Aal gehört jetzt nicht so zu meinen Leibspeisen, dieses Stück allerdings ist gut geräuchert, kaum fett und der zweite perfekte Partner für die Rübe. Dekoriert ist das Ganze mit einer knusprigen dünnen Scheibe des Nuss Brotes und zwei 'Radeln' von der schwarzen Nuss.
Der Weißwein im großen, bauchigen Rotweinglas eine sehr gute Wahl.

Gebratenes Filet vom Neusiedler See Wels mit Bärlauchspinat und hausgemachten Bandnudeln (EUR 12,40)
2013 Sauvignon Blanc
Die Änderung der Küche von Seesaibling auf Wels wird uns beim Servieren bekannt gegeben. Ich habe Wels sowieso lieber. Das Stück Fisch ist sehr gut knusprig gebraten mit einem leichten Schäumchen obenauf. Der Spinat ist so dezent und erschlägt zu keiner Zeit mit seinem Bärlauch die Partner am Teller. Nudeln sind Nudeln und sehr in Ordnung.
Der Vorgängerwein hätte mir auch zu diesem Gang gut geschmeckt, der Sauvignon Blanc ist nicht ganz nach meinem Geschmack.

Birnen-Rosmarin-Sorbet (EUR 2,90)
Kleines Tassen-Schälchen mit dem Sorbet. Der Kellner fragt nach, ob es uns für in Ordnung ist, wenn er es mit Prosecco aufgießt. Hatten wir noch nie, deswegen gerne. Und was für ein Erlebnis auf Zunge und Gaumen. Das Sorbet wird vom Prosecco ‚angenagt‘ und irgendwie molliger gemacht, gleichzeitig prickelt es, starker Geschmack nach Birne, ganz wenig nach den Kräutern. Perfekt.

Gebratenes Filet & in Rotwein geschmorte Keule vom Hirsch mit Blätterteig-Sellerieschnitte und Apfel-Moosbeeren (EUR 24,90)
2009 Syrah
Das geschmorte Stück ist das nächste Highlight und ich schwelge zum zweiten Mal. Ich glaube nicht, dass das besser geht. Das kurz Gebratene naturgemäß etwas kompakter aber nicht weniger gut. Das Safterl sehr mollig und geschmacklich top. Bei der Blätterteigschnitte gibt es - wie immer – ein splitterndes Handling, das gut akzentuierte Selleriepüree alleine hätte genauso gut seine Dienste getan. Das I-Tüpfelchen sind die Moosbeeren und die extrem hochprozentig marinierten Birnenstücke.
Der Syrah passte gut zum Wild, eigentlich die Linie, die ich sonst auch gerne trinke.

Österreichischer Käseteller von der Biohofkäserei Deutschmann (EUR 8,90)
Diesen Gang haben wir uns vorab offen gelassen, da wie die Portionen und überhaupt das kulinarisch Dargebotene noch nicht abschätzen konnten. Aber mit einer kleinen Pause gehen wir dann gemeinsam mit einem frischen Körbchen voll Brot in die fünfte Runde.
Ich habe mir die Sorten leider nicht alle gemerkt, aber sogar der Blauschimmelkäse war für mich in Ordnung. Garniert mit dünn geschnittenen Apfelspalten, Kürbiskernen und Weintrauben.
Ich glaube, wir hatten – in Abänderung zum Vorschlag – einen 1997 Müller Thurgau. Das cognacfarbene Tröpfchen kratzt am Dessertwein. Hätten wir nie so bestellt, passt hervorragend.

Mozartknöderln in Butterbröseln mit marinierten Weichseln (EUR 8,90)
Vindemia No.8 Port-Methode vom Blaufränkisch
Zwei zart-flaumige Knöderln, gefüllt mit Nougat und Marzipan. Bei den Bröseln schmeckt man die Butter heraus und obwohl ich das normalerweise nicht mag, passt es hervorragend. Das süß-säuerliche Obstragout ist der perfekte Partner dazu. Der Rotwein ist ein Erlebnis, vor allem eine neue Erfahrung.

Leider ist das Menü schon vorbei. Nicht, dass wir nicht satt gewesen wären, aber mit solchen spannenden Kreationen hätte es noch stundenlang weiter gehen können. Jeden Sonntag ab 16:00 Uhr gibt es "G'essen wird, wos am Tisch kummt !" – Ein 3-Gänge-Überraschungsmenü EUR 25,00, ein Restlessen, da es nicht goutiert wird, Lebensmittel, die vollkommen in Ordnung sind, entsorgen zu müssen, da zumindest Montag und Dienstag (im Winter auch mittwochs) geschlossen ist.

Fazit: Der Kellner erbrachte eine Höchstleistung, erahnend, wann er Wasser nachschenken sollte, war er auch schon da, jeder Gang wurde erklärt, und auch die Nachfrage, worin die Birnenstückchen aufgekocht wurden, konnte er aus dem Stegreif bis auf den Jahrgang bestimmen und erklären, wie es gemacht wurde. So soll perfekter Service sein. Was genau nach Port-Methode ist, habe ich nachgegoogelt, und dabei wurde immer das Weingut Schwarz ziemlich prominent genannt. Ich weiß nicht, ob das noch viele andere machen, hier hat man zumindest die Gelegenheit, es kennenzulernen. Die Küche präsentierte sich ebenfalls in Höchstform, ähnlich nur beim Goldenen Bründl erlebt, erfreulicherweise ist uns Purbach vom Flair und der Entfernung näher. Glas- und Geschirrkultur vom feinsten, keinerlei Abplatzungen.
Behindertengerecht naturgemäß nur bedingt, mit einigem Aufwand aber machbar.
Die Angebote ändern sich laufend. Wiederholung garantiert. Große Empfehlung.

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja11Gefällt mir9Lesenswert9

Kommentare (2)

am 13. April 2014 um 16:51

Doppeltes HGL!

Gefällt mir1
Experte
301
58
am 13. April 2014 um 13:33
Experte
152
83
Kloster am Spitz
Waldsiedlung 2
7083 PURBACH
Burgenland
Speisen
Ambiente
Service
44
46
35
5 Bewertungen
Kloster am Spitz - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK