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Heuriger Am Belvedere - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 18. März 2014
RMB
8
1
2
3Speisen
3Ambiente
3Service

„Wow, ist das Bier hier günstig“ … werden sich norwegische Touristen denken. Allerdings nur jene, die noch nie zuvor im Ausland waren.

Aber der Reihe nach: Wir wollten abends gemütlich essen gehen und da wir an dem Tag keine Lust auf ein exklusives & feines Restaurant hatten, fiel die Wahl auf den Heurigen am Belvedere, der unweit meiner Arbeit liegt. „Heuriger“ verbindet man (zumindest ich) mit Urigkeit, Gemütlichkeit und eher „einfacher“ Küche zu moderaten Preisen.

Vorab: Bei diesem „Heurigen“ handelt es sich um eine Mischung aus einem Stadtheurigen und einem Restaurant, das in einem Hotel untergebracht ist. Eine eher ungewöhnliche Kombination, aber soll so sein.

Beim Eintreffen wurden wir gleich vom Kellner begrüßt, der nichtstuend in der Tür stand. Bitte das jetzt nicht falsch zu verstehen: Das war nicht abwertend gemeint, der Kellner hatte einfach wirklich nichts zu tun. Denn als er uns zum Tisch führte, staunte ich nicht schlecht, dass in dem gesamten Restaurant gerade mal 1 weiterer Tisch besetzt war, sonst gähnende Leere. Es war 19 Uhr, also keine untypische Zeit, aber vielleicht sollte sich der Heurige ja später noch füllen (tat er aber nicht, soviel sei verraten).

Der Kellner nahm gleich unsere Getränkebestellung auf, ich bestellte ein großes Bier. Seine Nachfrage, ob es ein Pils sein soll, bejahte ich, da ich gerne Pils trinke. Im Weggehen meinte er dann noch: „In Ordnung, ein Budweiser für den Herrn“. Da war ich kurz baff. Budweiser? Das ist doch kein Pils. Oder gibt es von Budweiser vielleicht auch ein Pils, von dem ich nichts weiß? Um mich zu vergewissern, blätterte ich also in der Karte zu den Getränken und siehe da: Nein, ein ganz normales Budvar Budweiser.

OK, prinzipiell kein Problem, denn ich trinke auch gerne Budweiser. Aber als mein Blick die rechte Spalte mit den Preisen streifte (und jetzt komme ich zurück zum Einleitungssatz), musste ich kurz schlucken. In der Wiener Innenstadt sind wir ja mittlerweile schon Bierpreise von 4 Euro und mehr (für ein Krügerl) gewohnt, aber die Zahl, die dort stand, hatte ich so noch nie gesehen. Selbst in einem Hauben-Restaurant noch nicht. Und schon gar nicht bei einem Heurigen. Gut, ich will die Leserschaft nicht weiter auf die Folter spannen: Stolze 5,70 (!) Euro verlangen die dort für ein großes Bier. Das mag in Norwegen ja noch günstig sein, aber für einen „Heurigen“ im 3.Bezirk nenne ich das einfach nur Wucher.

Jetzt war ich auch noch misstrauisch: War die (falsche) Pils-Auskunft vom Kellner nur ein faux-pas oder wollte er mir einfach nur das wesentlich teurere Budweiser verkaufen? Nicht, dass die 4,50 Euro, die für ein Ottakringer verlangt werden, ein Schnäppchen wären, aber das Budweiser ist nochmals deutlich teurer.

Kommen wir zum Essen: Ich bestellte „Krone vom Spanferkel“, diese war qualitativ wirklich gut und sowohl die Sauce als auch das Kraut waren gut abgeschmeckt, aber die Portionsgröße war extrem klein (siehe Foto), insbesondere, wenn man es in Verhältnis zum Preis (ca. 14 Euro, wenn ich mich nicht irre) setzt. Sorry, aber um den Betrag will ich einigermaßen satt werden. Eine so eine kleine Portion passt auch gar nicht zu einem Heurigen, aber dazu später beim Fazit am Ende.

Somit bestellte ich noch eine Nachspeise, was ich sonst selten tue. Ich entschied mich für die Palatschinken, wobei das „n“ am Ende von Palatschinken eigentlich falsch ist, denn ich erhielt genau 1 klitzekleine Palatschinke (siehe Foto). Auch hier das Fazit: Geschmacklich fein, schön angerichtet, aber viel zu klein und es stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis einfach vorne und hinten nicht und die Präsentation der Gerichte passt nicht zu einem Heurigen.

Fazit: Das Lokal erinnert optisch an ein Wirtshaus, was ich aber durchaus positiv meine. Den Service würde ich als OK beschreiben, viel hatte der Herr aber nicht zu tun. Die Speisen waren geschmacklich und optisch gut, aber einfach viel zu klein und teuer und eigentlich auch nicht passend für einen selbsternannten Heurigen. Deswegen gibt es auch nur 3 Punkte für die Speisen, rein vom Geschmack her würde ich aber 4 Punkte geben. Über die Bierpreise brauche ich nichts mehr sagen, diese sind einfach eine Frechheit und überhaupt nicht angemessen.

Das Hauptproblem ist aber bestimmt, dass hier einfach das Konzept nicht zusammen passt: Einerseits nennt man sich „Heuriger“ und das Ambiente ist auch auf Heuriger/Wirtshaus ausgelegt, andererseits sind die Speisen viel zu klein, zu teuer und von der Aufmachung/Präsentation passt es nicht zu einem Heurigen.

Ein letzter Punkt noch, der mir aufgefallen ist: Dass man beim Erdäpfel-Vogerlsalat mit Hühnerstreifen (um 11,50 Euro) das Öl extra um 1,50 Euro dazubestellen muss, habe ich auch noch nirgendwo anders gesehen.

P.S.: Wer trotzdem neugierig ist und das Lokal ausprobieren möchte: Einfach über DELINSKI buchen, dann bekommt man 30% auf die gesamte Rechnung.

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Kommentare (1)

am 19. März 2014 um 14:25

5,70 für ein Krügerl sind für Wiener Verhältnisse tatsächlich heftig und wohl mit ein Grund für das leere Lokal. Wir sind hier preislich einstweilen immer noch auf einer Insel der Seligen. Meinen persönlichen Bierpreisrekord habe ich im Herbst im Cafe de la Paix in Paris erlebt. € 16,- für ein Krügerl sind wirklich nicht ohne. Und wer an meinem Erinnerungsvermögen zweifelt, kann sich die Bierpreise online anschauen. Einfach auf der Carte des terrasses nach dem Bier suchen: Link

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Experte
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Heuriger Am Belvedere
Rennweg 12
1030 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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