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Zum Renner - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 9. Februar 2014
FloV
10
40
9
2Speisen
3Ambiente
3Service
1 Foto1 Check-In

Tempus fugit- leider auch beim Renner. Wo sind die gutenZeiten hin, als die Steaks noch perfekt zubereitet, die Portionen riesig und das Preis-Leistungsverhältnis ausgezeichnet waren?

Mein Freundeskreis, der sich gleichermaßen aus Gut- und Vielessern zusammensetzt, fühlte sich seit nunmehr 15 Jahren beim "Renner" immer gut aufgehoben.

Wir wissen nicht, ob es am Tod des Besitzers liegt, oder ob es einen anderen Grund gibt - seit letztem Jahr (3 Besuche) müssen wir feststellen, dass die Qualität nachgelassen hat, die Portionen geschrumpft, die Preise hingegen gestiegen sind. Da es sich leider nicht um einen vereinzelten Ausrutscher -wie wir uns so sehr gewünscht hätten- gehandelt hat, sondern die Qualitätskurve eindeutig nach unten stürzt, fühlen wir uns beim Renner - schweren Herzens müssen wir es uns eingestehen - kulinarisch nicht mehr zu Hause.

En Detail - einige "Highlights" aus der gastronomischen Talfahrt unseres einstigen Lieblingslokals: Wir bestellten 3 Rostbratensteaks (medium). Davon war eines bezüglich Größe und Garung in Ordnung, die anderen beiden waren viel zu dünn geschnitten und zur Schuhsohle durchgebraten - daher zäh und trocken. Offensichtlich entschied man sich, aus einem Steak deren zwei zu machen, und fand es dann nicht der Mühe wert, diese aufgrund ihrer geringeren Dicke kürzer in der Pfanne zu lassen. Da ein Rostbratensteak -im Gegensatz zum T-Bone-Steak - nicht nach Gewicht, sondern zum Fixpreis von 26 Euro gehandelt wird, heisst's heutzutage "Daumen drücken", dass man ein ganzes, wohlgebratenes, und kein halbes, vertrocknetes Exemplar von einem Steak erwischt.

Womit wir beim T-Bone wären: Einst der heilige Gral fleischgewordener orgasmischer Herrlichkeit, schlicht die alles erfüllende Befriedigung eines jeden Fleischfetischisten.

Wo sind die Zeiten, als man den Renner mehr rollend denn gehend, aufgrund der Gier und Maßlosigkeit vollgepampft bis obenhin, verließ, da man zu schwach war, dem Genuss von rund eineinhalb Kilo totem perfekt zubereitetem Tier zu widerstehen?

Damals waren 55 Euro für ein gastronomisches one-way-Ticket gen Himmel vollkommen gerechtfertigt, um nicht zu sagen: preiswert.

Was bekommen wir heute? Aus irgendeinem Grund schafft es der Renner nicht mehr, Steaks, die medium bestellt werden, auch medium zu servieren. Das T-Bone Steak wies zwar innerlich (noch) eine rote Färbung auf, war aber so trocken, dass es beim Verzehr etwa 2 cm über meinem Frust, im Hals stecken blieb.

Das schlimmste jedoch war die matschbraune Industriesauce, die zu allen Steaks gereicht wird. Maggi? Knorr? Chemischer Großhandel? Wir wollen es gar nicht so genau wissen.

Jedenfalls konnte man vor zwei Jahren in der (guten alten) Sauce noch genau Rosmarinstücke und andere Gewürze optisch sowie geschmacklich ausmachen. Das einzige was sich in der Sauce unserer letzten Besuche ausmachen ließ, war der penetrant aufdringliche Geschmack von Glutamat, wie ich ihn sonst nur vom all-you-can-eat-Chinesen ums Eck gewohnt bin, wo er allerdings souveräner zum Einsatz gebracht wird, und aufgrund der jahrelangen Erfahrung mit dieser Substanz authentischer wirkt.

Für 60 Euro erwarten wir uns jedenfalls mehr als einen vertrockneten Fleischklumpen mit Industriesauce.

Die Beilage: Wenigstens der Mayonnaisesalat, der beste Wiens, geschmacklich DER erfrischende Begleiter aller Steaks, präsentiert sich in gewohnter Qualität, geschmacklich hervorragend. Er erinnert nach wie vor an die alten Zeiten, was das Herbeisehnen jener und die Depression darüber letztendlich leider nur steigert.

Einer unserer Runde versuchte sich über die Enttäuschung mit Hilfe der legendären Marillenknödel hinweg zu trösten. Die Marillenknödel waren auch gut, keine Frage, nur waren es nicht mehr zwei, sondern nur noch einer- zum selben Preis, versteht sich.

Schweren Herzens haben wir diesen Bericht geschrieben, ja schreiben müssen, in der Hoffnung, dass sich unser einstmals geliebter Renner wieder seiner alten, großen Zeiten besinnt und wie Phönix aus der Asche seiner totgebratenen T-Bones aufersteht.

Bis dahin wird er uns nicht mehr sehen. Auf Wiedersehen!

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Kommentare (2)

am 3. Mai 2014 um 23:24

Die Tragik dieses Erlebnisses ist voll nachvollziehbar. HGL!

Gefällt mir2
Experte
152
83
am 3. Mai 2014 um 22:33

Sehr wortgewandt!

Gefällt mir1
Experte
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