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Kunsthandwerk - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 29. Jänner 2014
Update am 7. Februar 2014
Experte
amarone1977
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75
30
4Speisen
5Ambiente
4Service
10 Fotos1 Check-In

Ein perfekter Sonntag mit der Familie. Klassik-Matinee zum Appetitanregen, dann ein ausgedehntes Mahl in urig-schöner Atmosphäre.
Ein zweiter Besuch folgte bald - in charmanter Begleitung.

Und das geht so:
Feldkirchen in Kärnten ist als Bezirkshauptstadt für seine Gastronomie zumindest bei mir noch nicht wirklich vorstellig geworden – um’s mal so zu sagen.
Auf ungefähr halber Strecke zwischen Feldkirchen und St. Veit, der nächsten Bezirkshauptstadt, liegt die kleine Gemeinde Liebenfels.

Im Streudorf Radelsdorf steht teils hinter riesigen Fichten versteckt das „Wirtshaus Kunsthandwerk“.
Schon vor einigen Jahren, als der Restauranttester noch gar nicht existierte, war ich schon mal dank einer Einladung eines Wiener Kollegen (!) hier zum Essen eingeladen. Ich würde das altehrwürdige Haus wohl noch immer nicht kennen.

Der Bau ist wirklich stattlich: das alte Forsthaus der Grafen Goess, ein Adelsgeschlecht, bekannt unter anderem für seine Besitzungen in Klagenfurt, Graz oder Südtirol, ist innen durch die besondere Gewölbe gekennzeichnet und wirklich ein architektonisches Juwel.

Die alte Baustruktur, außen z.T. mit Efeu verwachsen, innen in mehrere Stuben aufgeteilt, trennt Raucher wie Nichtraucher sehr effektiv, was ja in der Gastronomie nirgends einfach ist – hier gelingt es gerade durch die sehr alte Raumaufteilung fast spielend.

Die Betreiber des Restaurants, das Ehepaar Magnet, wohnt auch im Haus. Er schupft die Küche, sie zusammen mit einer weiteren Dame den Service.
Mit Kindern geht man geschickt und rücksichtsvoll um, nur mit Pommes und Ketchup kann man hier Gott sei Dank nicht dienen. Die kleinen Frösche nehmen’s zur Kenntnis und bestellen zum Schnitzerl eben Reis.

Die Altfrösche wiederum wählen aus einer übersichtlichen Karte, die vor allem mit wirklich regionalen Zutaten protzen kann: Gänseleber aus der Region, ohne Zwangsernährung, Hühnereier vom nahegelegenen Bio-Bauernhof, Kärntner Kasnudeln aus demeter-zertifiziertem Dinkelmehl, Einsatz von Blüten und Kräutern aus dem eigenen Garten.
Serviert werden die Speisen in anscheinend selbst getöpferten Schüsseln und Tellern.

Die Bio-Bemühungen setzen sich auch in der Weinkarte fort, Kärntner Wein wird dank der Klimaerwärmung auch hier angeboten, die Namen sind durch die Bank eher unbekannt, nur Gernot Heinrichs Zweigelt ist nach seinem Umstieg auf Biodynamik einer der wenigen „Stargäste“ im Weinkeller.

Der Tisch ist hübsch eingedeckt, die Gedeck-Schüsserln sind wie das Reserviert!-Schild besagte Handwerkskunst, nur die Papierservietten könnte man durch stoffige ersetzen.

Kleine Holzschüsserln sind voll mit Wasabi-Erdnüssen (eher „überregional“) und gesalzenen Hirsebällchen.

Es gibt, unter anderem: einen Kernölaufstrich (brav), Hirschwurst (mmm) und einer feinen Auswahl an selbstgemachtem Brot (duftig und dementsprechend sehr gut) als Gedeck.
Beim zweiten Besuch gesellt sich ein butterzarter Kärntner Lardo (hier nennt man ihn weißen Speck) dazu, samt Rosmarinblättchen.

Sodann: eine absolut feine Gänseleberpastete ohne schlechtem Gewissen und sich zuschnürende Hälse. Dazu zweierlei Marmeladen (Marille und Preiselbeer) und ein fein abgeschmecktes Zwetschenkompott sowie gut marinierter Salatgarnitur.

Außerdem: eine wohlschmeckende, nicht mit Mehl oder Schlagobers verfälschte Brokkoli-Cremesuppe, die nur mit etwas zu fett gebähtem Schwarzbrot garniert wird.

Beim zweiten Besuch gab's ebenso eine mehl- und obersfreie Kohlrabisuppe, ebenfalls sehr gut mit schön knackigen Kohlrabistückchen drin.

Hauptgang: eine durchaus zarte, vielleicht nicht ganz rosa gebratene Barberie-Entenbrust mit exzellenten Topfen-Nockerln, die mich ein wenig an die alpin-italienischen Gnocchi di malga erinnern.
Das feine, duftige Thymiansafterl passt natürlich wunderbar dazu, ebenso das intensive Rotkraut, dezent knackig.

Beim zweiten Besuch gab's ein sensationelles Lamm. Mit Biss und trotzdem zart, "blökt" nicht in der Nase, der dazu gereichte cremige Polenta passt ideal dazu, das Fleischerl wird auf perfekt gegarte Gemüsesorten gebettet: Tomaten, Melanzani, Ingwer, Sprossen, Porree, Kreuzkümmel, Kurkuma & Co. dürfen abschmecken.
Besser geht's kaum, ein sensationeller Gang!

Nachspeise beim ersten Besuch noch nicht, den Kindern wird’s schon zu fad, alle Malbücher sind bereits bemalt, alle zu lesenden Mitbringsel ausgelesen.
Aber dann darf ein Nougatino nicht fehlen - cremiges Nougateis übergossen mit wirklich intensivem Espresso, nicht zu knapp.

Fazit: wunderschöne Location mit viel Liebe zum Detail bis hin zu den perfekt gepflegten Toiletten – die Dekoration obliegt sicher der Chefin des Hauses, das erlaube ich mir mal zu sagen.
Feine, sehr bemühte, auf Bio und Natur ausgelegte Küche, die preislich alles andere als abgehoben ist.
Hoffentlich bald wieder, schon der erste, lang zurückliegende Besuch war sehr zufriedenstellend.

PS: das namensgebende Kunsthandwerk, das auch in den Räumlichen herumhängt und herumsteht kann man auch käuflich erwerben!

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Kommentare (1)

am 30. Jänner 2014 um 13:22

Da scheint, die Welt noch in Ordnung zu sein! Schon gespeichert auf unserer Zutun-Liste.

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Experte
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17
Kunsthandwerk
Radelsdorf 1
9556 Liebenfels
Kärnten
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