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Lichtenegger Reart - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 10. Dezember 2013
Experte
amarone1977
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2Speisen
4Ambiente
2Service
3 Fotos1 Check-In

Geburtstage gehören gefeiert! Nicht immer aber erwischt man das perfekte Lokal dafür.

Ein weinendes Auge schon zu Beginn: man fährt auf dem Weg zum „Lichtenegger Reart“ von Norden kommend direkt an unserem ehemaligen Stammlokal „Alter Schacht“ vorbei.
Ehemalig deswegen, weil das Duo Martinz und Brudermann in die sicher wohlverdiente Pension gegangen sind. Gut für Martinz und Brudermann, schlecht für uns.

Klingt unfair, aber das ist der gastronomische Tag 1 nach unserem also jetzt für immer geschlossenen, zweiten Wohnzimmer.
Ein schweres Erbe.

Begann doch am Gewerbepark, gerade mal einen Steinwurf entfernt, vor ein paar Jahren die Geschichte der ganz neuen Idee: Hotel, Restaurant, Seminar, Event, Kino, Hamam, und und und.
Zu Beginn war „des holbe Tol“ neugierig auf das, was ganz anders sein wollte als Mostbuschenschank und Gasthaus.
Wir fürchteten anfangs sogar, dass unser geschätzter „Schacht“ am neuen Genusstempel zerbrechen könnte.
Das hatte die „Lovntola Wölt“ schließlich noch nie gesehen.
Konnte das funktionieren?

Es kam anders. Die erste Pleite habe ich dann medial total verschlafen, bin ich doch auch nicht jeden Tag „im Tol“ zugegen.

Meine lieben Leute waren aber schon informiert: „Da Huaf“, ein bekannter Gasthof nahe der Autobahnauffahrt St. Andrä, hatte das in Konkurs gegangene Reart vor ca. einem Jahr übernommen. Klingt so, als würde aus dem Hotel-Restaurant-Kino-Event-Hamam-Tempel also doch wieder ein einfaches Gasthaus werden?

Nicht ganz. Also lassen wir uns also mal überraschen, was die neue feudale Zweigstelle zu Tisch bringt.

Da gibt’s einige Menüs mit Schweinfilets, Beiried, überbacken mit Käse und einer Tomatenscheibe (aha ?), links neben mir eines mit Lamm, Kartoffeln und/oder buntes Gemüse als Beilage.

Eine Frittatensuppe wird serviert. Nicht schlecht, wirkt aber leicht verdünnt, die Frittaten sind in Ordnung, meine nordälplerischen Freunde machen das aber doch um einiges besser.

Die Enkerln stürzen sich nicht stereotyp über „Schnitzel mit Pommes!“, sondern freuen sich über Gnocchi mit Tomatensauce und ein zufrieden bis auf die Knochen verputztes Backhendl, das die 5jährige Expertin mit eifrigem Kopfnicken für gut befindet.

amarone heute mal das Extrawürschtl: wollen wir doch schauen, wie wir die CO2-Bilanz am Mittagstisch ruinieren - nur kurze Zeit auf der Karte: Krokodilfilets mit exotisch duftendem Reis, Ingwer ist auch dabei. Dazu ein wirklich appetitlich abgeschmecktes Wurzelgemüse.
A Krokodül im Tol, jo Olta!

Das war auch übrigens der generelle Tenor am Tisch: das beigestellte Gemüse war ausnahmslos in Ordnung, ja wirklich sehr gut – was nicht jedes Lokal von sich sagen darf.

Nun aber zum Aber: die Frage, ob es sich lohnt, Krokodile von Südafrika bis zu uns zu schippern, ist schnell beantwortet: Nein! Das gilt übrigens auch für den nach Ananas und Grapefruit duftenden Sauvignon, wohl vom Südhang der Krokodilfarm.
Warum? Der Geschmack der modernen Urzeitechsen erinnert ein wenig an Hühnerfleisch, nur um einige Grade „fester“. Das „Filet“ wird der zukünftigen Krokotasche vom Schwanz entnommen.
Fragt sich jetzt, ob Krokodilschwanzfilet immer so fest ist – oder ob der Koch vergessen hat, die Eieruhr zu stellen.

Leider verhält es sich auch so mit den anderen „Fleischen“ am Festtagstisch: sicher hätte man auch sagen können, „bitte medium!“ oder „schön zart!“, doch mit Ausnahme des für gut befundenen Lamms sind Schweinfilets wie Beiriedschnitten allesamt durchgebraten.
Abgesehen davon erinnert mich als Sitznachbar die Kombination Rindfleisch mit Tomatenscheibe und Käse überbacken an Folge 352 der Serie „Kronenzeitung – mein Lieblingsrezept“.
Ja Sie wissen schon, Generation Pizza Hawaii und so.

Zum Schluss: ein "Menü-Dessert" wird verweigert - und an mich weitergegeben.
"Bist no' jung, iss!"
Ein kleiner, nicht schlechter Pfirsichkuchen. Bissi trocken, aber ok.

Dazu kommt, dass das Service beim Servieren fast immer nachfragt, „Frittatensuppn?“, "s'Zwarer-Menü!?", aber beim Abservieren nicht einen Ton hervorbringt. Vielleicht will es auch niemand wissen, wie’s geschmeckt hat?
Dabei kann sicher nicht die Rede sein, dass man uns unfreundlich begegnete, aber für ein Haus mit diesem Anspruch erwartet man sich dann doch einen um Welten professionelleren Gesamtauftritt.
Für ein Vierstern-Seminar-Hotel ist dieser Ton à la „Landgasthaus anno 1987“ dann doch nicht auf der Höhe der Zeit.

Dabei wäre das Haus ein wahres Schmuckstück mit jeder Menge Platz und Freiraum. Allein der Barbereich im Eingangs- und Rezeptionsbereich ist für die „Lovntola“ ein Meilenstein in puncto Innenarchitektur.

Schade also – „der Huaf“ sollte bei seinen Hufen bzw. seinen Leisten bleiben, denn preislich bewegt man sich hier im Bereich des "Alten Schachts", erreicht aber küchen- wie servicetechnisch bei weitem nicht sein Niveau.
Will man also hier nicht bei seinen Leisten bleiben, gibt’s hier noch viel zu tun.

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Kommentare (2)

am 10. Dezember 2013 um 16:55

laurent: amarange? ;)
aldebaran: Papperlapapp! Der alte Wein fließt immer noch in den selben Schläuchen - also meiner Kehle ;-)

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Experte
315
75
am 10. Dezember 2013 um 16:50

Zu aldebaran: Amarone= Orange wine

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Lichtenegger Reart
Am Gewerbepark 8
9431 St. Stefan
Kärnten
Speisen
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