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Scheucher - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 24. November 2013
Experte
hautschi
107
33
24
3Speisen
3Ambiente
2Service
3 Fotos1 Check-In

Für Freitag Abend hatten wir im Restaurant Scheucher in Graz reserviert. Das Lokal liegt in Gehweite unseres Hotels (Hotel Augarten übrigens sehr sehr zu empfehlen!), die Karte auf der HP des Restaurants klingt vielversprechend, die Kritiken auf ReTe sind auch ganz gut.
Leider war dieser Besuch – wie man so schön sagt – für die Fisch. Aber alles der Reihe nach:

Eine Mailanfrage vorab bringt zu Tage, dass das Scheucher auch einen Raucherbereich bietet. Super, die anschließende Reservierung per Mail wird freundlich beantwortet und bestätigt.

Gegen 18 Uhr erreichen wir bei strömenden Regen das Lokal. Das Eintreten war gar nicht so leicht: Eine große Damenrunde belagert den Eingangsbereich und leert eine Sektflasche nach der anderen – der Geräuschpegel knapp an der Gesundheitsgefährdung.
Wir werden vom Kellner dann doch als neue Gäste erkannt, die Reservierung ist bekannt und wir werden zum sehr schön eingedeckten Tisch gebracht.
Tja und jetzt beginnt das Superservice des Abends: Der Herr Oberkellner, seines Zeichens gut mit halb raushängendem weißem Hemd gestylt, sehr von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt und immer auf sehr vornehm unterwegs, meint: „Da vorn habt’s die Garderobe, vielleicht findet´s auch noch einen Platz – grins“. Bei mir ist die Meldung nicht so lustig angekommen, ich habe ihm die Jacken in die Hand gedrückt, soll er damit machen was er auch immer will. In einem Lokal dieser Preisklasse, kann es wohl nicht Aufgabe des Gastes sein, sich um einen Platz an der Garderobenstange zu streiten, zudem diese auch nur nach Überwindung der Damenhorde überhaupt erreichbar gewesen wäre.

Das Lokal ist sehr gediegen und schön eingerichtet, ansprechende Hintergrundmusik kommt in idealer Lautstärke aus dem Lautsprecher (war dann zu genießen, als die sekttrinkende Meute in den hinteren Raum gewichen ist). Der Tisch wunderschön mit feinem Tischtuch vorbereitet, Besteck, Wein- und Wassergläser stehen bereit, es ist eine Freude an diesem Tisch Platz nehmen zu dürfen.
Die WC-Anlagen befinden sich außerhalb des Lokales, wir haben sie nicht benützt und können daher über deren Zustand keine Wertung abgeben.
Die Raucher-Nichtrauchertrennung ist keine Trennung. Im ersten Raum, in dem sich die Bar befindet, darf geraucht werden. Danach geht´s ohne jegliche Trennung in den Nichtraucherbereich weiter. Für das ganze Ambiente würde ich ohne zu zögern 4 Punkte vergeben. Die Nichteinhaltung des Nichtraucherschutzgesetzes und die Tatsache, dass man für einen Toilettenbesuch das Restaurant verlassen muss ergeben dann doch nur schwache 3 von 5 Punkten.

Service: Der schon angesprochene Serviceleiter sowie zwei junge Burschen (ich nehme an, beides Lehrlinge) sind für die Gäste zuständig. Man ist zwar wirklich freundlich, es wird nachgefragt ob alles passt, der Aschenbecher wird ausreichend oft gewechselt – trotz allem (was meine weitere Schilderung hoffentlich auch nachvollziehbar macht) kann ich das Service in Summe nur mit mäßig dh 2 von 5 Punkten bewerten.
Der Serviceleiter berät uns bei der Speisenbestellung, zählt Gerichte auf, die nicht auf der Karte stehen und lässt uns dann noch Zeit für die Auswahl. Eine Minute später kommt der Inhaber und Küchenchef Herr Scheucher und hält den gleichen, scheinbar einstudierten Vortrag ein weiteres Mal. Vielleicht wäre es gut, sich abzusprechen?
Aufgefallen ist, dass der Küchenchef überhaupt sehr viel Zeit im Gastraum verbracht hat (trotz berstend vollem Lokal). Hier werden Stammgäste begrüßt (von denen scheint es recht viele zu geben), ein Busserl da, ein Busserl dort, ein Glaserl Sekt mit den einen, ein Glaserl Wein bei den anderen. Leider verlassen aber gleichzeitig Gerichte die Küche – die so nicht sein sollen (dazu kommen wir noch). Meines Erachtens fehlt hier die prüfende Hand und der kontrollierende Blick des Küchenchefs.

Gedeck (2,80): Wortlos wird vom Lehrbuben das Gedeck eingestellt und die Rätselrallye beginnt: Im Brotkorb eine Sorte aufgeschnittenes Baguette, that´s it.
Drei verschiedenen Aufstriche, nur welche wissen wir bis heute nicht so genau. Wahrscheinlich einmal Thunfisch, ein Aufstrich bei dem auch Räucherlachs dabei war und eine Pastete im Einweckglas (nur war´s Schwein, Rind, Affenherz – keiner weiß es so genau). Geschmeckt haben die Aufstriche recht gut nur die Vorgangsweise ist meiner Meinung nach ein absolutes Nogo. 1 von 5 Punkten.

Parmesanschaumsuppe (6,50): Geschmacklich recht gut, für den Preis aber nicht wirklich weltbewegend. 3 von 5 Punkten.

Tagliatelle mit frischer Herbstrüffel (14,50): Eine wirklich kleine Portion, die Nudeln nur mit Fett versehen, darüber ganz feine Scheiben der wirklich sehr guten Trüffel. Als alles aufgegessen war, steht im Teller noch ca. 1 cm das flüssige Fett – auch nicht notwendig oder? Wegen der sehr guten Trüffel 3 von 5 Punkten.

Rib-Eye 300g (25,--): Geordert medium well, geliefert medium. Die Fleischqualität in Ordnung. Nachdem ich sehr gerne und oft Rib-Eye esse, habe ich gewisse Vergleichswerte. In diesem Vergleich zählt das Fleisch leider auch nicht zu den besten.
Im Preis ist nichts inkludiert. Kartoffelgratin (3,--) recht gut, Kräuterbutter (2,--) geschmacklos und rötlich(?) gefärbt, Rotweinjus (2,--) intensiv und gut. 3 von 5 Punkten.

Filetsteak 160g (18,--) ebenso ohne Beilagen: Die liebste Frau ordert das Steak medium. Je weiter ins Fleisch hineingeschnitten wird, umso mehr stellt sich heraus, dass der Garungsgrad rare ist. Da bei der liebsten Frau bei zu rohem Steak Ekel aufkommt, haben wir nicht sofort reklamiert, es wurden die Beilagen und die äußeren Bereiche des Steaks gegessen. Beim Abservieren machten wir dann sehr wohl auf den falschen Garungsgrad aufmerksam und erhielten die Antwort, dass wenn wir gleich etwas gesagt hätten, das Fleisch ja noch 2 Minuten in der Küche nachziehen hätte können(?). Ich denke, hätten wir gleich urgiert, hätte da nichts nachziehen müssen, sondern, wenn die Küche nicht in der Lage ist, den Garungsgrad zu treffen, hätte diese wohl das Gericht neu zubereiten müssen (was wir aber wie gesagt nicht wollten, da meiner Frau bereits geekelt hat).
Das Gericht wurde zur Gänze verrechnet, was in diesem Fall für mich auch grundsätzlich OK ist. Es gab aber auch keinen, wie auch immer gearteten Versuch der Wiedergutmachung. 2 von 5 Punkten.

Schoko-Soufflé mit weichem Kern (7,50): Sehr gut zubereitet, der Kern wunderbar flüssig, dazu selbstgemachtes Eis, einige Beeren und einen Kleks Himbeersauce. 4 von 5 Punkten.

Das Seidel Puntigamer (2,60) gut gekühlt und gezapft, der Cuvee Q2 (4,80 fürs Achterl) qualitativ recht gut aber leider viel zu kalt serviert.
Leitungswasser wurde gekühlt in der Karaffe ohne Berechnung eingestellt und immer wieder erneuert, der große Braune im guten Mittelfeld einzureihen.

Fazit: Für die Gesamtspeisenbewertung hätte ich gerne die 2,5 zur Verfügung. Die Speisen in Summe mit mäßig zu bewerten erscheint mir doch zu hart, das gut, das ich geben werde, ist aber mit Vorschusslorbeeren versehen.
Die Gesamtrechnung betrug € 130,-- für 2 Personen. Dieser Betrag ist für die gebotene Speisenqualität und das mäßige Service unserer Meinung nach zu hoch gegriffen.
Nachdem wir uns nicht so oft in Graz aufhalten und es ja hier auch noch kulinarisch viel zu entdecken gibt, ist ein neuerlicher Besuch des Scheucher für uns auszuschließen, empfehlen kann ich das Lokal mit reinem Gewissen leider auch nicht.

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Kommentare (11)

am 6. Dezember 2013 um 11:05

hautschi: "... Damenhorde..." "...sekttrinkende Meute...." *LOL*
Wohl in Fionas Klassentreffen reingeplatzt? :-P

Gefällt mir2
Experte
315
75
am 6. Dezember 2013 um 11:03

mariechen: ich misch mich mit einem Vergleich ein:
wenn ich in ein Lokal mit einem gewissen Anspruch samt dementsprechender Preisgestaltung gehe, ist es wie beim Autokauf.
Wähle ich den Audi und nicht den Lada, erwarte ich mir, dass der Neuwagen nicht nach 1 Woche wieder in die Werkstatt muss zum Nachbessern ;-)

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315
75
am 25. November 2013 um 09:51

mariechen1, ich kann Deine Argumentation schon verstehen, aaaber:

Auch wenn ich zum ersten Mal in ein Lokal gehe, erschöpft sich meine Steakbestellung mit "Medium rare, bitte". Entweder der Koch kriegt das hin oder nicht, ich denke, es sollte und wird keinen Unterschied machen, wenn ich dem Kellner vorab erkläre, dass es ganz, ganz wichtig ist, weil mir z.B. bei "well done" oder "Medium well" ekelt.

Wenn die Servicekraft die Aufstriche wortlos einstellt, werde ich sicherlich nachfragen, was ich da denn jetzt vor mir habe, - als Mangel in der Bemerkung wird es sich trotzdem niederschlagen.

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Experte
80
48
am 25. November 2013 um 08:54

Wie soll ich das gut formulieren ... Mhm. Ich sags einfach nochmal: ich finde die Bewertung gut und informativ und alles. Und auch die Punktevergabe gerechtfertigt - keine Frage.

Ich habe nur irgendwie den Eindruck, dass man - vielleicht auch aufgrund der Herangehensweise einen objektiven Bericht im Anschluss darüber zu schreiben, sich es sich selbst vielleicht schwer macht. Ich versteh's einfach nicht: wenn mir der Lehrling nicht sagt, was er mir für Aufstriche bringt und es interessiert mich, dann frag' ich hald einfach. Wenn ich schon weiß, dass mir eine falsche Zubereitungsart des Steaks unwiederbringlich den Appetit mit Ekel verdirbt, dann bestell ich mir das vielleicht nicht unbedingt in einem Lokal, mit dem ich noch keine Erfahrungen gemacht habe, oder ich Weise extra daraufhin. Und das nicht dem Service oder der Bewertung zuliebe, sondern mir bzw. der lieben Frau und des gemeinsamen schönen Abends willen. Die Bewertung kann ja genau gleich ausfallen. Ich denk mir hald, dass man es sich vielleicht manchmal selbst ein bisschen schwierig macht - der Objektivität wegen. Ich mein das alles wirklich nicht bös - ich bin eben auf der Frauenseite und stell mir das einfach bildlich vor, wie die Dame angewiedert vor Ihrem Steak sitzt und denke mir, dass das doch vielleicht mit einem Hinweis (weil ja noch nie in diesem Lokal gegessen) zu verhindern gewesen wäre, anstatt darauf zu warten, dass vielleicht so ein Fehler passiert, nicht gleich zu reklamieren und dann nur von den Beilagen halbherzig zu essen. Ist doch schade, oder? "Bringschuld" vom Lokal hin oder her.

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9
1
am 24. November 2013 um 20:20

mariechen1, ein sehr nett gemeinter Ansatz, durch Gespräch die Fehler von Küche und Service ad hoc auszubügeln. IMHO, - beside the point.

Von einem Lokal, das mir als Gast guten Service verspricht, das mir gute Steaks verspricht, (und dafür ja auch den veranschlagten Preis von mir bezahlt wissen will) kann ich doch im Gegenzug verlangen, dass es die Grundzüge von Service und Küche verstanden hat. Um mit hautschi zu sprechen: " ... die Bewertung ist die Beschreibung des IST - Zustands" - und das ist auch legitim so.

Es ist keine Raketenwissenschaft, sein Service-Personal dazu zu bringen, Speisen NICHT wort- oder erklärungslos auf den Tisch zu stellen, und es ist auch keine Raketenwissenschaft, den Garpunkt eines Steaks zu treffen. (oder wenn, darf ich keine Steaks auf der Karte haben).

Wenn etwas (oder mehrere Dinge) daneben gehen, versuche ich schon, am Ende meines Besuchs den Wirten/Besitzer/RL/GF über die Fehler, die passiert sind, aufzuklären, die Beschreibung in einer Review ändert dies jedenfalls nicht.

Genau das ist es doch, was eine fundierte, informative Bewertung ausmacht: eine authentische, nicht zu emotionalisierte, sachliche Wiedergabe der Abläufe, so wie sie eben passiert (oder nicht passiert) sind.

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Experte
80
48
am 24. November 2013 um 19:59

Mariechen: Ich bin grundsätzlich ganz deiner Meinung und gehöre sicher nicht zu denen, die den Mund nicht aufbringen und im Nachhinein querulieren, aber:

Diese Seite ist dazu da, den Istzustand und die Leistung eines Lokales zu bewerten. Diese Leistung war bei den angesprochenen Kritikpunkten einfach nicht gut.

Ich sehe es nicht als meine Aufgabe als Gast, den Ausbildungsstand des Lehrlings zu verbessern (du musst sagen, was du servierst, der Gast kann das ja nicht wissen) bzw.. der Küche eindeutig definierte Garungspunkte zu erklären (wenn medium bestellt wird, darf das Steak aber nicht komplett roh serviert werden...).

Hätte ich ein Lokal, würde ich solche Bewertungsplattformen studieren und versuchen daraus meine Lehren zu ziehen (vielleicht brauche ich doch eine zweite ausgelernte Kraft, vielleicht sollte ich als Küchenchef doch mehr Zeit in der Küche verbringen) :-)

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107
33
am 24. November 2013 um 19:33

Ich weiß nicht so ganz - die Bewertung ist gut geschrieben und ich kann mir so richtig vorstellen, wie ihr beiden am Tisch sitzt. Was ich mich immer nur frage ist, warum wird denn nicht einfach geredet? Bei der Garderobe wart ihr ja auch nicht so mundfaul. Kann man denn nicht nachfragen: "Entschuldigung, ich hätte gern gewusst, was bringen Sie uns denn da für leckere Aufstriche?", wenn man sieht, dass das noch ein in Ausbildung stehender Lehrling ist. "Bitte sein sie so nett - meiner Frau ist es ein Anliegen, dass ihr Steak auf keinen Fall rare ist." könnte man doch auch anmerken, wenn man schon weiß, dass ihr sonst womöglich der ganze Appetit vergeht (allein Ihr zuliebe würd ich das hald machen). Klar ist perfektes Service, wenn einem die Kellner die Wünsche von den Augen ablesen, aber ich denke mir immer, dass das doch irgendwie seltsam ist, wenn man stumm vor unbekannten Aufstrichen sitzt und "angfressen" ein Steak überlässt, anstatt gleich nach einer Lösung zu fragen und auf sich aufmerksam zu machen. Ich kenn den Kellner nicht, ich kenne das Lokal nicht, aber ich glaube, dass auch der Gast seinen Abend mitbeeinflussen kann. Oft wirkt ein "bitte" oder "wären Sie so nett und bringen uns ..." auch Wunder.

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9
1
am 24. November 2013 um 19:30

bluesky73: Vielleicht wurde an diesem Tag die Einteilung geändert, der komplette hintere Bereich war der Damentruppe vorbehalten.

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Experte
107
33
am 24. November 2013 um 18:51

Schade, dass der Besuch für dich nicht so positiv verlaufen ist.
Interessant, wie sich manche unserer Erlebnisse decken (die beiden Service-Lehrlinge) aber auch unterscheiden (der Nichtraucherbereich). Wir hatten einen Tisch im hinteren Bereich des Lokales (sollte lt. deiner Info NR sein) und da wurde fleissig gepofelt. Die Einteilung scheint nicht ganz so strikt gesehen zu werden...

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Experte
258
31
am 24. November 2013 um 18:26

magic: Danke für die Blumen! Nachdem wir in Graz zu einem Konzert gingen, musste der Wackeldackel zu Hause bleiben ;-)

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Experte
107
33
am 24. November 2013 um 18:03

Für mich persönlich die beste Bewertung von dir die ich je gelesen habe!
PS: Wo war der Wackeldackel?

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63
50
Scheucher
Schönaugasse 6
8010 Graz
Steiermark
Speisen
Ambiente
Service
36
34
31
9 Bewertungen
Scheucher - Karte
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