RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Federico ll - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 5. November 2013
Update am 27. August 2014
Experte
amarone1977
315
75
30
4Speisen
3Ambiente
4Service
7 Fotos1 Check-In

[Bericht vom 5.11.13, Update vom 27.8.14 unter der Sternderllinie]

Pinky has the brain! Vielen Dank unserer Userin mit dem rosa Profilköpfchen (der lesenswerte Bericht gleich darunter) – denn sonst hätte ich mich wohl nie in die totenstille Gasse im 3. Bezirk verirrt.

Ich hetze von Italiener zu Italiener, auf der Suche nach authentisch zubereiteter „cucina casalinga“ und frage mich schon, wie man da in Wien nicht fündig werden kann.

Ich komme viel zu spät in die Krieglergasse, der 3. Bezirk zwischen Löwengasse und Weißgerbergrätzel ist ohne Bankomat, „Federico II“ hat 2013 noch keine Kartenzahlung, beim zweiten Besuch im August 2014 allerdings sehr wohl, auch Maestro.

Aber am ersten Tag nach dem Ruhetag sind im Nichtraucherbereich (der vordere samt Schank und Pizzaofen) ohnehin gerade mal drei Tische besetzt, mehrere Kleintische mit beinahe Hautkontakt zum Nachbartisch sind noch frei.
Wer also bei voller Hütte mehr Privatspähre wünscht, dem sind die größeren Tische ans Herz gelegt, Reservieren schadet also nicht.

Pugliesi.
Also wieder Ragazzi vom Stiefelabsatz Italiens. Bari, Lecce, Foggia, Troia (nein, das ist eine Stadt!!), i Trulli, il Salento, Gallipoli - eingemachtes Pferdefleisch – und Primitivo, einer meistangebauten Rotweinsorten Italiens.

Federico II ist übrigens keine Filiale von Federico I, der Name geht auf Stauferkaiser Friedrich II. zurück, römisch-deutscher König im 13. Jahrhundert, der sich im Süden Italiens mit jeder Menge prächtiger Bauten verewigte, das wohl berühmteste steht südlich von Foggia, das Castello di Monte.
Wer's nicht kennt, einfach mal eine italienische 1-Cent-Münze umdrehen.

Was gibt’s noch in Apulien? Lustige Leute, ich erinnere mich bestens an ein Fressgelage im Weinkeller des Bürgermeisters von Troia, samt Gitarren-Schrummschrumm und „Oh, sole mio!“

Hier geht’s ein wenig ruhiger zu, aber der Kellner kommt beim Kapitel „La Passione“ dem originale pugliese verdammt nahe: er ist nicht nur irgendein Kellner, sondern der Sohn des Hauses, und darauf ist er stolz, unübersehbar stolz: perfekt gekleidet, perfekt frisiert, Augenbrauen gezupft (ma sì, lascialo stare!).

Doch der Ragazzo ist authentisch – denn seine Begeisterung für seine Identità und seine Familie ist nicht gespielt – und was er dann auf den Tisch stellt, hat Hand und Fuß.

Spaghetti Carbonara – Pinky hat sie mir empfohlen – jetzt will ich sie auch haben. Ohne Schlagobers natürlich. Für Federico selbstverständlich.
Sie kommt, wie sie kommen muss. Die Speckwürfel könnten zwar nach meinem Geschmack noch kleiner sein, doch das Grundprodukt passt absolut. Die Ei-Parmesansauce wurde im richtigen Moment mit der frischen Pasta al dente vermischt, ohne das Ei krümelig ausstocken zu lassen. Die Sauce ist so homogen, dass mir im ersten Moment Zweifel aufkommen, ob überhaupt Parmesan dabei ist. Man kann aber auch, wenn man schnell ist, ein wenig Parmesan hinzugeben. Das tue ich auch, denn ein bisschen mehr kann nie schaden.

Filetto vom Grill, grüner Salat.
Schöne Fleischqualität, puristisch italienisch umgesetzt. Leider vergesse ich auf das „medium-rare, bitte!“, was aber nicht der große Beinbruch ist, das Fleisch ist trotzdem erstaunlich zart und nicht trocken.

Dolce.
Die Qual der Wahl, das Tiramisu wird mir empfohlen, doch Mamma tritt auf die Bühne. „Buona sera!“
„Das ist meine Mamma. – Mamma, hai ancora ‘na torta?“
Die Torta Caprese (also eigentlich von Capri, andere Seite des Stiefels) ist eine Besonderheit unter den Schokoladentorten, deren Freund ich ja eigentlich nicht so bin.

„Dai, provane un pezzo!“
Der Ragazzo insistiert, erinnert an die Tatsache, dass die echte Torta Caprese ohne Mehl, dafür aber mit Mandelmehl (farina di mandorla) hergestellt wird. Das sind also nicht bloß geriebene Mandeln, sondern extrem fein gemahlene Mandeln, die schon das Prädikat Mehl (farina) tragen dürfen.
„Oggi è veramente bbona!“ - Frau Mamma kommt auch zum Tisch und wir einigen uns auf ein kleines Stück Torta und ein kleines Stück Tiramisu.

Das Tiramisu, eigentlich eine Trevigianer Spezialität, wird auch hier feinst umgesetzt, die Crema ist zwar sparsam eingesetzt, aber ideal, die Schnittfeste perfekt.
Die Torta ist zart, das Mandelmehl hat den Vorteil, dass die sonst so typisch „kompakte“ Schokotorte mit der Gabel butterweich zerteilt werden kann, ganz nebenbei kommt die nussige Komponente der Mandeln hinzu. Natürlich ohne Schlag bestellen!

Caffè: kräftig, intensiv. Crema.
Grappa artigianale: ein Ungetüm mit 50%, brennt dezent, und trotzdem ist er mild, hat aber endlich diese lästige Süße nicht.

Fazit: ich bin überzeugt. Der Ragazzo verabschiedet die Gäste mit Händedruck, bei der nächsten Riunione wird dann der Pizzaofen inspiziert.
Grazie Ragazzo, grazie Mamma, grazie Pinky! Ci vediamo.

***********************************************

Update: neuerlicher Besuch im August 2014.

Zu zweit werden verspeist: ein etwas grobkörniges, aber ordentliches Vitello tonnato, mit Kapern und -beeren wird nicht gegeizt, mit Salz könnte man sparsamer sein.

Lasagna: puristisch, aromatisch. Fruchtige Tomaten, schöner Basilkumeinsatz, nicht bergeweise Béchamelgatsch. Heiß!!

Tagliatelle con salsiccia, tartufo nero.
Beste hausgemachte Ware, die auch nach gemütlichem Essen immer noch in Form bleibt, die Salsiccia würzig, gehaltvoll, perfekt, tartufo dezent präsent, nicht zuviel Parmigiano. Ganz eigen gewürzt, neben frischer Petersilie war da noch ein anderes Kraut mit von der Partie, ich vergaß zu fragen.
Exzellente Pasta, die kriegt einen würdigen "ReTe-5er".

Nachspeisenvariation.
Drei Sorten, vier?
"Du kannste auck sieben Sorte 'aben!"
Gut, wir entscheiden uns für vier.

Tipp: allein die Nachspeisen sind es hier wert, nur dafür einzukehren. Incredibile....
Alles hausgemacht, kein Convenience-Surgelato-Schmarren, tutto fatto in casa, porca zozza!!

Da wären: die eher cremigen Profiteroles, also nicht mit Schlagobers gefüllt. Mir persönlich zu schokolastig, aber das liegt in der Natur der Sache. Da bleibt was übrig.

Weiters: Mille foglie - perfekter Blätterteig mit der typischen crema pasticcera, der Beerenspiegel ergänzt sehr gut, auch wenn ich auf Ribiseln verzichten könnte.

Außerdem: Semifreddo di noci - mit Karamellsauce. Ich mag eigentlich keine Karamellsauce, aber die war eben nicht aus der umfunktionierten Ketschupflasche.
Semifreddo auch wirklich SEMIfreddo. Also kein eisiger Steinklotz, der eine halbe Stunde am Teller liegen muss, um außen zu zerfließen und innen immer noch hart zu sein.
Wenig süß, also volles Nussaroma.
Der Favorit für meine charmante Frau Gegenüber.
Der Ragazzo della casa ist stolz, seine Tante, seit kurzem auch im familiären Team, soll ihn damit schon als Kind verwöhnt haben. Che viziato! Aber er hat Recht.

Mein Favorit aber: das Semifreddo di pesche, jenes mit Pfirsich.
Wiederum butterzart, die Konsistenz ist wie schon beim Walnuss-Bruder perfekt, auch hier sehr zurückhaltende Süße, die alle nötigen Aromen freisetzt wie eine Bombe.
Die Sauce drüber - "die ist gerade frisch aus der Küche" - wie unser Ragazzo wieder stolz präsentiert.

Wir waren begeistert und kommen wieder - sollte das wieder so glatt gehen, könnte eine Speisen-5 drin sein.

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja19Gefällt mir16Lesenswert12

Kommentare (2)

am 6. November 2013 um 17:02

Toll,dann freue ich mich auch auf deinen kommenden Bericht.

Gefällt mir
17
6
am 6. November 2013 um 15:43

Das freut mich dass es dir gefallen hat :-)... apropos Öffnungszeiten: Montag ist Ruhetag und ansonsten glaub ich von 11:30-14:30 und von 18:00-23:00 Uhr... Irgendwie sowas. Bin mir aber auch nicht genau sicher.

Die Pizza ist auch sehr gut, habe sie jetzt auch schon des Öfteren probiert- sehr gut, leicht, locker knusprig. Aber ich konnte bisher immer mit Karte bezahlen.

Gefällt mir
17
6
Federico ll
Krieglergasse 14
1030 Wien
Speisen
Ambiente
Service
45
35
45
10 Bewertungen
Federico ll - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK