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Stern - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 14. Oktober 2013
Experte
adn1966
80
48
22
4Speisen
4Ambiente
4Service
6 Fotos3 Check-Ins

Ja, es gibt sie noch, die gastronomischen Überraschungen, die wahren Lokal-Schmankerl, die man unverhofft und unerwartet entdeckt, um nach einem köstlichen Mahl satt, zufrieden und vor allem positiv überrascht nach Hause zu gehen. Aber der Reihe nach:

Es war „one of those days“, Sonntag Mittag nach einem zugegeben laaangen Samstag Abend mit Freunden. Nachdem die Liebste und ich den ganzen Samstag in der Küche gestanden sind, um gute Freunde zu bekochen, nachdem der Abend in vinophiler Runde doch recht lange gedauert hat, stand uns der Sinn an diesem Sonntag nach einem verspäteten und deftigen Mittagessen. Nicht weit weg von uns sollte es sein, und auch zu einer etwas unorthodoxeren Uhrzeit (Sonntag, 16:00) noch vollen Küchenbetrieb und Feines aus der Wiener Küche bieten.

Nach ausgiebigem Stöbern im ReTe, sowie dem Anbringen verschiedenster Filter in der Suchfunktion gab es kein Ergebnis in unserem unmittelbaren Umkreis (3.,), das uns so wirklich ansprach. Dafür spuckte die Suche ein interessantes Ergebnis im 11. aus, das Gasthaus Stern in der Braunhubergasse 6. Google Maps schlug mir gerade einmal 6 Minuten Fahrzeit vor, - Kriterium eins (in der Nähe) also erfüllt. Die Öffnungszeiten (täglich von 09:00 bis 23:00) passten auch, den Zuschlag erhielt das Stern nach kurzem Überfliegen der HP (nettes Gasthaus, urig, klassisch) und vor allem der Speisekarte (klassische Wiener Gasthausküche, viel Fleisch, Innereien, alles Bio und, vor allem, in Sachen Fleisch vertraut Herr Christian Werner, seit 2008 Besitzer des Lokals, offenbar auf Herrn Höllerschmid, meinem persönlichen Fleischpapst, Prophet und Oberhaupt der „dry aged“ - Religion in diesem Land.

Mit Höllerschmids Fleischprodukten und einer Karte, die auf umfassende Kompetenz in Sachen „fachgerechte Zubereitung (fast) aller Teile des lieben Viehs“ schließen lässt (Bries, Hirn, Beuschel, Nierndln, Steak, ...), kann ja eigentlich kaum etwas schief gehen, also nichts wie hin.

Nun ist es ja so (und die geschätzten SimmeringerInnen mögen mir dies vorab verzeihen), dass der elfte „Hieb“ auf meiner ganz persönlichen gastronomischen Landkarte bisher unter „Nirwana“ zu finden war. Bis auf einen Restaurantbesuch in Kaiserebersdorf (Schloss Thürnlhof, wenn ich mich recht erinnere) hat sich kein Lokal nachhaltig in meinen Ganglien verewigt. Ich kenne den Elften auch eigentlich nur von oben, also vom Anflug auf Wien, wenn die Piste 11 in Betrieb ist. (Auch den dadurch von mir verursachten Fluglärm mögen mir die SimmeringerInnen verzeihen).

Die Liebste also ins Auto gepackt, und ab in die Braunhubergasse. Leicht zu finden, selbige Gasse ist eine Querstraße der Simmeringer Haupt, nach dem Enkplatz bald einmal rechts rein, an der zweiten Ecke befindet sich das Stern.

Wir betreten das geräumige Ecklokal, eine Tafel macht uns darauf aufmerksam, dass bei Schönwetter auch der Garten in Betrieb ist. Gut, bei 13° und übernachtig sein ist das kein wirkliches Thema, also nehmen wir im ersten von zwei Räumen, wo auch die Schank ist, an einem gemütlichen Ecktisch Platz. Die Karten (recht groß, allerdings auch sehr übersichtlich) werden gereicht. Das Ambiente sagt: „Gasthaus, urig, sanft renoviert, viele Holztäfelungen, wie man sie aus den „echten“, alten Wiener Gasthäusern kennt, an den Wänden, ein wirklich alter, mehrfach geschliffener Holzboden, der sicherlich viel erzählen könnte.

Die Tische sind weiß eingedeckt, stilvoll, ohne mit dem gemütlichen Gasthausambiente zu brechen. Der erste Eindruck: sehr gut.

Die Karte hat das Potential, die Herzen erklärter Fleischliebhaber höher schlagen zu lassen. Es finden sich Tafelspitz, Beinfleisch, Zwiebelrostbraten, Cordon Bleu, Budapester Schnitzel (ist gäfüllt mit Späck und Zwiebel), Eiernockerl, geröstete Knödel, aber eben auch Steak vom Jungstier, Lammhirn mit Ei (wo, bitte, findet man so etwas sonst noch??), Gulasch, und noch eine Vielzahl anderer Schmankerl.

Und dann erst die Innereien-Fraktion: Weiße Nierndl, geröstete Leber, Beuschl, Kalbshirn mit Ei, Kalbsbries. Die Tageskarte kontrastiert ein wenig mit etwas „more sophisticated“ Gerichten, hier findet man die „non-Wirtshaus-Klassiker“ wie Chorizo-Kürbisrisotto, Tagliatelle mit Perigordtrüffel oder die Barbarie-Entenbrust. Interessant allemal.

Wir wollen’s im Hinblick auf den fast durchzechten Samstag klassisch und fleischig. Die Liebste wählt als Vorspeise das Vorspeisen-Tartar (um unglaubliche € 3,50, wenn es in Kombination mit einem Hauptgang gewählt wird) vom Bio - Jungstier, zur Hauptspeise bleibt sie selbigem Stier treu und wählt das Filet Steak, medium, mit Rosmarinkartoffeln und Saisongemüse (€ 23,90).

Für mich soll’s zum Start eine Frittatensuppe sein (€ 2,80), gefolgt von einem Beuscherl vom Bio-Kalb (€ 14,90). Das perfekte Rezept, um einen soliden „hangover“ zu bekämpfen. Und dazu, um den Teufel gleich mit dem Belzebub auszutreiben, eine Flasche Sauvignon Blanc vom Sabathi. Die Weinkarte ist etwas Steiermark - lastig, das who-is-who aus Gamlitz und Umgebung ist gut repräsentiert.

Der Service ist flott, freundlich und adrett gekleidet und auf den weißen Hemden mit dem Symbol des Lokals (Stern) dezent gebrandet, die Bestellungen werden zügig aufgenommen, ebenso zügig kommen die Getränke.

Es kommt, auch nicht selbstverständlich für ein Gasthaus, ein Gruß aus der Küche. Ein kleines Glas Eiaufstrich mit einem Blätterteigstangerl. Sehr zart, sehr „buttrig“, das Stangerl, der Aufstrich gut, wenn auch etwas zu brav. Die Kombination ist optisch ansprechend, zum nicht allzu sehr gewürzten Eiaufstrich fände ich dunkles Gebäck etwas passender. Sei’s drum. War trotzdem recht leck.. – nein, recht schmackhaft.

Erster Auftritt des Bio Jungstiers: Auf einer Schieferplatte kommt eine übersichtliche, aber nicht zu kleine Portion Tartar daher, reichlich rohe, dünn geschnittene Zwiebelringe drüber, mit einem echt appetitlichen Klecks (meine ich wirklich Ernst, kein „Kleeblatt, keine Scheibchen) Butter, und zwar eine Butter, die wie gute Landbutter aussieht und schmeckt. Dazu zwei Scheiben Toast.

Mit diesem Tartar hackt sich Christian Werner in der Sekunde auf Platz Eins der von der Liebsten jemals konsumierten Tartars. Die Liebste, als Rohfleischfetischistin wird sie von mir als ausgewiesene Tartar/Carpaccio Expertin ohne Zweifel anerkannt, ergeht sich in Lobeshymnen. Das Fleisch, der Geschmack, die Würzung, der Zwiebel, - just perfect. Ich gestehe, selbst kein erklärter Freund von rohem Fleisch zu sein, - dieses Tartar werde ich beim nächsten Besuch allerdings bestellen. Kompliment und Hut ab, Christian Werner.

Die Suppe: reichlich gute, hausgemachte Frittaten schwimmen in einer Suppe, die ich so noch von meiner Mutter kenne. Eine echte, kräftige Rindsuppe, in der reichlich Knochen und Fleisch gekocht wurden. Bei der Karte, - wen wundert’s? Ein Supperl wie beim Plachutta, wo auch täglich unzählige Rinder durch den Suppentopf wandern, - und doch noch ein bisschen authentischer.

Paarauftritt Filet Steak und Beuscherl:

Beim Steak werden die hohen Erwartungen ob des Namens Höllerschmid vollständig erfüllt. Zart, herrlich im Geschmack, medium auf den Punkt, wie bestellt, gegart. Die Kartoffeln sind, wenn auch etwas zu großzügig mit Rosmarin bedacht, ein geschmacklicher Traum, genau so und nicht anders sollen Erdäpfel schmecken. Beim sehr knackigen und frischen gerösteten Gemüse dürfte Herrn Werner oder einem seiner Kollegen das Salzhanderl ein wenig ausgekommen sein, - ein kleiner Lapsus, der passieren kann.

Le Beuschel: eine glatte 5, ohne wenn und aber. Für meinen bisherigen Beuschel-Favoriten, Josef Hohensinn, wird’s eng am obersten Stockerlplatz. Den wird er sich nun mit Christian Werner teilen müssen, vorausgesetzt es gelingt Herrn Werner und seiner Crew, auch die Knödel auf das Niveau des Beuschels zu heben. Konsistenz, Geschmack, Säure des Beuschels sind einfach perfekt, die 3 dazu gereichten Knödelscheiben hinken leider stark hinterher. Zu wenig Würze, zu unaufgeregt die Konsistenz. Ein derartiges Beuschel verdient einen würzigen, interessanten und gut strukturierten Knödel, keine blassen Serviettenknödelscheiben, die, obwohl sicherlich hausgemacht, geschmacklich zu sehr im Hintergrund bleiben.

Für ein Dessert war kein Platz mehr, obwohl uns aus der kleinen Dessertkarte einiges angelacht hätte, wie z.B. der Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster. Ich nehme dafür meinen obligaten Ristretto, der für ein Wiener Gasthaus auch tatsächlich erstaunlich kurz daherkommt. Kaffeetechnisch vertraut man hier auf Hausbrandt, ein guter, solider Espresso.

Die Preise: für die Qualität der Zutaten (Höllerschmid &Co.), das offenbare Beherrschen des Handwerks auf hohem Niveau, guten Service und einen Nachmittag in einem sehr gemütlichen und doch gepflegten Ambiente sind rund € 40,- für die Speisen eine nachgerade Sensation. Mit € 35,- schlug sich die Bouteille Sabathi zu Buche, € 24,- wurden für eine 1 ½ l Flasche Schilchersturm vom Tscheppe verrechnet, die wir als Mitbringsel für Freunde erstanden. All in all ein wirklich gelungener Nachmittag.

Mein persönliches Fazit: Sie machen so ziemlich alles richtig, Herr Werner. Der alte Geist des Wirtshauses wurde durch sanfte Renovierung erhalten, das Upgrade zu etwas mehr Eleganz ist gelungen. Eine bodenständige Karte, die alles bietet, was man auf einer Wirtshauskarte finden möchte.

Den Fokus auf die sehr hohe Qualität der Produkte, die hier verarbeitet werden, zu legen, und die Vision, einen Gast mit gutem Essen, gutem Service, gemütlichem Ambiente und dies noch zu moderaten Preisen, ohne „aufzureiben“, zufrieden stellen zu wollen, mit Leben zu erfüllen.

„We’ll be back“, um in Ahnlehnung an ein berühmtes Zitat eines steirischen Auswanderers zu sprechen, und wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch. Die Ganslzeit steht vor der Tür, - na dann?

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Kommentare (8)

am 14. Oktober 2013 um 20:34

Ich freu' mich für dich (und Liebster)und für das Stern, dass ihr zueinander gefunden habt.;o)

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0
27
Unregistered am 14. Oktober 2013 um 19:26

Das Servieren auf Schieferplatten ist schon wieder so lang IN das fast schon wieder OUT ist, aber eben nur fast.


Meidlinger, musst verpasst haben. Es soll sogar Leute geben die so etwas privat verwenden! Die Bösen!

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Unregistered
Kein Tester
am 14. Oktober 2013 um 18:51

Und ich hatte schon gedacht die Schieferplatten sind wieder out. Vor einigen Jahren hab ich einmal in einem Geschirrgeschäft eine Platte hoch gehoben. Bin doch nicht blöd und tu mir dieses Gewicht an. :-(

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Experte
63
50
am 14. Oktober 2013 um 18:43

Ist das Servieren auf Schieferplatten oder sonstigen Wandfliesen, Holzbrettl derzeit in?

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197
51
am 14. Oktober 2013 um 17:18

Ja, ich erinnere mich an adns Hinweis in Bezug auf das Durchstarten während eines Landevorgangs: "Stellt euch vor, ihr wollt in eine Parklücke fahren und merkt, daß ihr den falschen Anfahrwinkel genommen habt. Was tut man? Ganz einfach, man versucht es noch einmal." Sehr beruhigend ! ;-)))

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Experte
152
83
am 14. Oktober 2013 um 16:23

Vielen Dank, hautschi, vielen Dank, alphawoelfin!

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Experte
80
48
am 14. Oktober 2013 um 15:57

@hautschi: da flieg vielleicht sogar ich - trotz meiner Flugangst - mit ;-))

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Experte
89
16
am 14. Oktober 2013 um 15:22

adn: Wenn du so gut fliegst wie du schreibst, fliege ich mit dir gerne um die Welt. :-)

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Braunhubergasse 6
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