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Gaumenspiel - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 5. September 2013
Experte
amarone1977
315
75
30
3Speisen
5Ambiente
3Service
8 Fotos1 Check-In

Eigentlich ein gut gewählter Name für ein Gourmetlokal. Ein essbares Wortspiel so zu sagen.

Tags zuvor war ich um den Besuch beim Gaumenspiel gekommen, schaffte ich es doch nur zu einem Aperitif im Schwesterlokal St. Ellas nebenan, ein Live-Auftritt im Stadtsaal dauerte glatt bis kurz vor Mitternacht.
Kein Problem – auch tags darauf führte mich fast derselbe Weg wieder durch die Zieglergasse.

Immer noch gibt’s dieselben drei Menüs. Das Lokal ist noch relativ leer, sollte sich aber zumindest im Innenhof gut füllen.

Ohne einen verbalen Umweg – das Lokal ist wirklich eine Augenweide, trifft innenarchitektonisch ganz meinen Geschmack. Ich hab jetzt leider drinnen keine Fotos gemacht, das wäre auch ohne aufzufallen kaum möglich gewesen, doch der Innenhof, der mit dem St. Ellas geteilt wird (trotz baulicher Trennung) ist die logische Fortsetzung der Innenausstattung.
Bequeme, ausreichend dimensionierte Sitzgruppen, schönes Zusammenspiel von Holz und Metall, exzellente Beleuchtung, wirklich sehenswert.
Dazu im Innenhof jede Menge lebendes Grün, hier findet man also nicht nur die Standard-bellaflora-Ausstattung.

Sehr interessant die Zimmer/Suiten-Angebote, auch wenn die Frühstückseinnahme in den nahegelegenen Lokalen empfohlen wird. Essen und umfallen also, ganz mein Ding. Bilder samt Preisen sind online einsehbar.

Service: eine Dame – sie scheint Restaurantleiterin zu sein, bringt die Gäste zu Tisch und nimmt die ersten Wünsche entgegen.
Zwei junge Herren servieren ohne Stress mehr oder weniger routiniert, die Weinpräsentation funktioniert tadellos.

Fruchtiges zum Durstlöschen: Preiselbeersaft und Limette, eine anregend blumig-gerbstoffige Mischung. Bissi zuviel Eis. Der Wunsch nach Hochquellwasser wird problemlos mit einer schicken Karaffe umgesetzt.

Aufstriche: ein sehr flüssiger, cremiger, aber sehr guter Kräuteraufstrich und ein mit mehreren Zutaten gespickte Interpretation zum Thema Getrocknete Tomaten. Gelungen! Bestes Olivenöl und eine feine Auswahl von Brotsorten ergänzt das fair kalkulierte Gedeck.

Gruß aus der Küche: Sardine und Safran-CousCous. Nicht unpassend, trotzdem neu.

Ich tausche eine Vorspeise: anstelle von Meeresfrüchten nehme ich die Rote-Rüben-Knödel mit Krenschaum, Radieschen und Kümmel.
Ich bin ja nicht der große Rohnenfan, aber die Russen bewiesen mir schon im „Wladimir“, dass man die dominante Aromatik der roten Wurzeln bändigen und wunderbar mit anderen Geschmäckern vereinen kann.
Hier klappt das leider ganz und gar nicht – nicht einmal die scharfe Präsenz vom Kren hat den Funken einer Chance. Die Konsistenz der Knödel ist zwar ähnlich einem Bröselknödel, also ideal, doch die Rüben fahren passend zur Farbe geschmackstechnisch über alles drüber, was sonst noch am Teller ist, selbst die Radieschen fühlen sich ignoriert und erleiden eine akute Identitätskrise.

Krautplunder mit Karottencreme, Estragon und Zucchini.
Passender Biss beim Blätterteig, ein ordentlicher Hauch Karamell am Gaumen (nicht so meins), die Karottencreme fein sämig, aber ohne den richtigen Pepp, die Zucchini hübsch wie Spielsteine zugehobelt und knackig blanchiert.

Seesaibling mit Blutwurst, grüner Apfel, Lauch und Kartoffel.
Spannend. Das Saiblingsfilet ist tadellos erwischt, knusprig-zartes Häutchen, die Begleiter am Teller polarisieren aber enorm.
Die Blutwurst kommt als Creme daher, streitet sich mit dem Fisch mächtig um die Geschmackshoheit am Teller, Kartoffel verpackt im einem Riesenbonbon nachempfundenen Teigmantel sehr gut, der Teigmantel ist allerdings viel zu dick, da hätte die Konsistenz vom Plunder zuvor besser gepasst.
Die grünen Farbtupfen sehen hübsch aus, einmal das Ragout vom grünen Apfel und andererseits die Geleeblumen, eher zurückhaltend.

Zusammen will das allerdings nicht so recht zu einer Gesamtheit verschmelzen, im wahrsten Sinne des Wortes nicht Fisch, nicht Blunzn. Hübsch angerichtet wie alles, aber das Fragezeichen über der geschmackstechnischen „Aussage“ dieses Gerichts bleibt unbeantwortet.

Don Giovanni von der Schokolade mit Portwein.
Sehr gut, weil nicht zu süß, die Bitterschokolade darf sich hervortun, das schön cremige, fruchtige Halbgefrorene passt fein dazu. Noch besser wird das Ganze, wenn man ein wenig wartet, man weiß ja, nicht nur Wein profitiert vom Sauerstoff, auch die Schokolade.

Caffè decaf: Die prächtige Faema macht ihren Job gut, milder Espresso mit feiner Crema.

Vino: ein schöner, würziger Welsch vom Elsnegg, ein ausgesprochen aromatischer Riesling DAC aus dem Fasskeller und ein saftiger Blaufränker aus dem Burgenland.
Allesamt schön präsentiert und wohl temperiert. Keine Klage.

Fazit: wunderschönes Lokal mit ebensolchem Innenhof. Service freundlich, korrekt, unauffällig. Beim Essen kratze ich mir immer noch ein wenig am Kopf.
Die Küche experimentiert sehr mutig mit den Zutaten, die auch größtenteils geschickt zubereitet werden. Doch meiner Meinung nach gehen die Geschmacks-Experimente nicht wirklich auf.

Augenspiel ja, Gaumenspiel nicht so ganz.

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Kommentare (2)

am 6. September 2013 um 11:02

catcher: Vielen Dank für's Kompliment, aber bitte Feinschmecker ohne Chefstatus, danke ;-)

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Experte
315
75
am 5. September 2013 um 21:32

amarone1977 - Immer ein Genuss, lesend unserem Cheffeinschmecker beim Essen über die Schulter schauen zu dürfen …

Gefällt mir1
6
2
Gaumenspiel
Zieglergasse 54
1070 Wien
Speisen
Ambiente
Service
40
43
35
11 Bewertungen
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