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Holzer - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 12. August 2013
Experte
hautschi
107
33
24
3Speisen
3Ambiente
2Service
1 Check-In

Sonntag Nachmittag, das Mittagessen wurde ausgelassen, der Hunger meldet sich. Das Essen mit einem kleinen Ausflug zu verbinden wär auch nicht schlecht. Nachdem ich in letzter Zeit mehrere sehr positive Berichte über den Holzer in Neuberg gelesen habe, kommt mir dieses Lokal in den Sinn.

Die telefonische Nachfrage, ob es denn den Nachmittag hindurch Küche gäbe, wird positiv beantwortet, flugs ist ein Tisch im Garten für 16.30 Uhr reserviert und die liebste Frau, Schwiegermama, Wackeldackel und ich machen uns auf in die Steiermark.

Vorweggenommen: Leider können wir die wirklich guten Bewertungen der letzten Tage nicht nachvollziehen. Sowohl Service als auch Küche haben uns nicht restlos zufriedengestellt.
Ich werde nun versuchen, meine Bewertung zu begründen:

Der Gasthof Holzer liegt in Neuberg an der Mürz, ca. 12 km von Mürzzuschlag entfernt, direkt an der Hauptstraße, fast schon am Ortsende.
Vor dem Lokal sind einige Privatparkplätze vorhanden, das Abstellen des fahrbaren Untersatzes stellte somit keinerlei Problem dar.

Der Gastgarten liegt direkt vor dem Lokal an der Straße. Nachdem es aber eine Trennung durch Büsche gibt, sitzt man recht nett und die Straße ist nicht wirklich störend.
Es gibt ca. 10 Holztische im Freibereich, sehr bequeme Holzsessel stehen an den Tischen. Sitzpolster sind leider auch beim Holzer knapp. Manche Sessel sind damit ausgestattet, manche nicht. Bei unserem reservierten und somit vorbereiteten Tisch wurden wir nicht mit Polstern verwöhnt (erstes Minus beim Service).
Nachdem wir weder den Innenraum, noch die Toiletten inspiziert haben, bezieht sich meine Ambiente Bewertung nur auf den Garten. Wir sind schon schöner, aber auch schon schlechter gesessen, daher gibt es die 3.

Als wir ankommen, ist niemand vom Personal im Garten. Gar kein Problem ich gehe hinein und frage nach unserem reservierten Tisch. 2 junge Damen sind mit dem Falten von Servietten beschäftigt, der Stress hält sich somit in Grenzen. Ich frage nach unserem Tisch und mir wird erklärt wo wir sitzen – zum Tisch bringt uns keiner (zweites Minus beim Service).

Kurz darauf bringt uns eine der jungen Damen die Karten und erkundigt sich nach den Getränkewünschen. Hierbei findet folgendes Gespräch statt: Meine Frau: „Ein Mineral ohne Kohlensäure bitte.“ Kellnerin: „Leitungswasser“. Frau: „Nein kein Leitungswasser, ich möchte ein Mineral ohne Kohlensäure.“ Kellnerin: „Leitungswasser.“ Fakt ist, dass es beim Holzer weder Mineral ohne, noch mit wenig Kohlensäure gibt. Das in einem verständlichen deutschen Satz zu artikulieren, war die junge Dame leider nicht im Stande. Es wurde dann für Mama und Frauchen ein Krug Leitungswasser gebracht, dieser blieb dankenswerterweise ohne Berechnung.

Unser Tisch ist mit einem Tischläufer, Stoffservietten, Besteck und einer Menage vorbereitet. Ein Aschenbecher wird erst auf Verlangen gebracht (auf allen anderen leeren Tischen stehen allerdings Aschenbecher). Dieser wird während unseres Besuches genau einmal gewechselt obwohl sich 3 Raucher am Tisch befinden (drittes Minus beim Service).
Die übersichtliche Karte bietet einen ausreichenden Querschnitt durch die österreichische Küche. Man findet ein Beuschel, Rindsgulasch, Hirschgulasch, Fisch, saisonal werden Eierschwammerlgerichte angeboten. Die Karte hat mir sehr gut gefallen, ich glaube, dass sich jeder hier etwas finden kann.
Auf einer Angebotstafel wird Kirschenstrudel angepriesen. Als ich den später als Dessert bestellen möchte, bekomme ich die Information, dass er bereits seit Mittag aus ist. Könnte man die Tafel dann nicht wegstellen oder löschen (viertes Minus beim Service).

Service: Dieses wechselt während unseres zweistündigen Aufenthaltes mehrmals. Zu Beginn die „redegewandte“ Dame, der auch in weiterer Folge jedes Wort zu viel ist, sie ist aber dabei nicht unfreundlich. Danach eine andere junge Dame, diese fragt nach, ob alles passt. Gegen Ende verschwindet die holde Weiblichkeit und ein sehr freundlicher Kellner übernimmt. Hier gibt es dann allerdings noch eine Begebenheit, die dazu führt, das Service endgültig mit 2 zu beurteilen:
Der Kellner kommt mit einem Mäppchen (sieht vorerst aus wie eine Dessertkarte) und legt dieses auf einen leeren Nebentisch. Er fragt, ob noch Getränke gewünscht werden. Ich verneine dies und bitte um die Rechnung. Er nimmt das Mäppchen vom Nebentisch, siehe da, es befindet sich darin bereits unsere Rechnung. Was soll denn das bitte? Es war bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Rede von Bezahlung. War man der Meinung, gegessen haben wir, jetzt können wir gehen, wollte man sich einen Weg ersparen (so ganz nebenbei gab es keinerlei Tischengpass, im Garten waren ausreichend freie Tische zur Verfügung)? Wann ich zahle und gehe bestimme ich als Gast (Ausnahme natürlich eine eventuelle Sperrstunde) und nicht der liebe Herr Kellner!

Nun zum Essen:

Das Gedeck (2,20 pro Person) besteht aus zweierlei Brot (hell und dunkel), teilweise leider an den Schnittstellen schon etwas angetrocknet. Weiters werden ein Kürbiskernaufstrich (so vermute ich, von der wortkargen Dame wird ja nichts erklärt), Butter und in Streifen geschnittene Karotten serviert. Der Aufstrich wunderbar, die Butter so wie Butter eben schmeckt. Gruß aus der Küche gibt es keinen.

Frittatensuppe (4,80): In einem Suppenteller kommt eine ausreichend heiße selbst gemachte Rindsuppe daher. Die Suppe gut, mir jedoch etwas zu wenig kräftig. Die Frittaten hausgemacht, etwas dick geschnitten, aber sehr gut im Geschmack. Die Karottenscheiben für meinen Geschmack zu bissfest. Ich vergebe eine gute 3, finde den Preis allerdings zu hoch angesetzt.

Gelbe Paprikasuppe mit Forellennockerl (6,20): Ebenfalls im Suppenteller serviert, schmeckt diese Suppe der liebsten Frau sehr gut. Die Konsistenz schön cremig aber nicht zu pampig, im Abgang eine leichte Schärfe. Hier wird mit der 4 bewertet.

Hirschragout mit Semmelknödel (16,80): Dieses Gericht wird von der Schwiegermami verzehrt, es schmeckt und bleibt nichts übrig. Das Fleisch weich und zart, die Sauce wohlschmeckend. Auch hier ist die 4 angebracht.

Eierschwammerl in Rahm mit Semmelknödel (15,80): Eine große Portion, viele Eierschwammerl, für den Geschmack der liebsten Frau zu wenig Sauce. Die Schwammerl recht bissfest, die Sauce in Ordnung, das gewisse Etwas fehlt allerdings. Der Semmelknödel gut. In Summe kann sich die liebste Frau zu einer schwachen 3 entschließen.

Gesottenes vom Almochsen (2 Sorten Fleisch: Kruspelspitz, die zweite Sorte ist mir leider entfallen) mit Erdäpfelschmarrn, Schnittlauchsauce, Apfelkren und Rahmfisolen (16,90): 2 schöne Fleischstücke, butterweich und nicht fasrig. Schnittlauchsauce und Apfelkren in großer Menge, Geschmack sehr gut. Zusätzlich ein Schüsserl mit Rahmfisolen. Diese waren mir eindeutig zu hart und zu geschmacklos. Rahm sollte meiner Meinung nach, zumindest einen leicht säuerlichen Geschmack erzeugen, den habe ich völlig vermisst, Salz und Gewürze haben ebenfalls gefehlt. Aufgrund der Fisolen (diese waren eigentlich der Hauptgrund für die Bestellung des Gerichtes) geht sich auch hier nur eine 3 aus.

Das kleine Zwickl aus Schladming (3,20) gut gekühlt und gezapft, der große Braune (3,40) richtig serviert und geschmacklich in Ordnung.

Fazit: Durch die sehr guten Bewertungen mehrerer von mir sehr geschätzter Mitglieder war meine Erwartungshaltung sehr hoch. Diese konnte leider nicht erfüllt werden. Vielleicht haben wir einen schlechten Tag oder auch eine schlechte Uhrzeit (Nachmittag) erwischt. Vielleicht war man noch vom Mittagsgeschäft erschöpft. Ich weiß es nicht. Ich glaube durchaus, dass dieses Lokal mehr leisten kann, als es uns gezeigt hat, kann umgekehrt aber auch wieder nur meine subjektiven Eindrücke wiedergeben.
Sollten wir in der Gegend sein, werden wir dem Holzer gerne noch eine zweite Chance geben, extra hinfahren würde ich aber kein zweites Mal mehr.

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Kommentare (20)

am 13. August 2013 um 13:24

laurent, aldebaran: Da hätte wir ja fast ein kleines ReTe - Treffen abhalten können :-)

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107
33
am 13. August 2013 um 12:16

laurent: oder ihr wart allem selben (schlechten) Tag dort ;-)

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315
75
am 13. August 2013 um 12:13

brotvernichter: Genau das denke ich mir auch - als ich dort war, war ein junges Mädel und ein junger Bursch im Service. Jung, korrekt, bemüht, aber eben noch ohne die Routine "alter" Wirtsleute.
Aber die Wirtsleute waren anwesend, und allein die Anwesenheit dürfte genügen, dass da niemand wagt, was schleifen zu lassen.
Die Beschreibung von hautschi klingt eindeutig nach Abwesenheit der Chefleute.

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315
75
am 13. August 2013 um 12:12

hautschi,.... Vielleicht haben wir einen schlechten Tag oder auch eine schlechte Uhrzeit (Nachmittag) erwischt.. wahrscheinlich nicht; wir waren am selben Tag zu Mittag dort- ähnliches erlebt- Bericht folgt

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301
58
am 13. August 2013 um 11:49

...wir glauben ja, dass das ein Symptom von Autoritaetenabstinenz ist. Kann das sein, dass der Chef sich einen freien Sonntag gegoennt hat?

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67
17
am 13. August 2013 um 10:39

aldebaran: Ist wirklich schade, das hätte ich echt witzig gefunden!

Wenn ihr am Sonntag auch nicht so zufrieden gewesen seid, bestärkt mich das eigentlich in der Meinung, dass der Holzer einen schwarzen Tag hatte. Anders ist das wohl ja nicht möglich, ein Lokal kann ja nicht innerhalb weniger Wochen küchen- und servicetechnisch in den Keller fahren ;-)

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107
33
am 13. August 2013 um 08:20

Genau das war gemeint, danke fuer die Aufklaerung - da darf natuerlich nix braun geroestetes zu den Fisolen!;) Wir verwenden die Einmach eigentlich ausschlieszlich fuer die Zubereitung von Fisolen, da passt's einfach gut hinein :)

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67
17
am 12. August 2013 um 22:24

Trotzdem ein Schlusswort meinerseits: bei uns wird nichts eingebrannt! Es geht auch anders.

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63
50
am 12. August 2013 um 20:28

@magic: ;) In Wien ist es üblich mit Essig abzulöschen, aber viel feiner (und umso passender zum guten Tafelspitz) ist es, die Einbrenn mit Weisswein abzulöschen, dann hat man auch eine feine Säure in den Rahmfisolen. Und jetzt Schluss mit Hausfrauentratsch. ;)

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67
17
am 12. August 2013 um 20:24

amarone: Von denen war nichts zu sehen ....

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107
33
am 12. August 2013 um 20:00

Sonderbare Vorstellung vom Serviceteam - war's die Hitze? Das geht wirklich gar nicht, bei meinem Besuch waren allerdings die Chefitäten auch mehr präsent.

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315
75
am 12. August 2013 um 15:58

*grins* Was bedeutet "zumindest in Wien"?

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63
50
am 12. August 2013 um 15:27

PS: ...bei Rahm-Fisolen verhelfen ein paar Tropfen von einem milderen Essig (zum Abloeschen) zur erschmeckbaren Sauernote - zumindest in Wien ;)

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67
17
am 12. August 2013 um 15:22

Heftige Preise fuer einen Landgasthof.

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67
17
am 12. August 2013 um 14:09

Aja Petersilie passt mMn auch ganz gut!

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39
18
am 12. August 2013 um 13:50

@hautschi: Ja, Sauerrahm, da bin ich bei dir, der machts leicht säuerlich. Hab an normalen Rahm gedacht :)

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39
18
am 12. August 2013 um 13:34

magic: Danke, das mit der Dille wollte ich nicht schreiben, denn viele wollen keine Dille. Für mich sind Rahmfisolen ohne Dille eigentlich schon durchgefallen! ;-)

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107
33
am 12. August 2013 um 13:29

Interessante Bewertung und amüsant zu lesen.

Ich verwende auch Sauerrahm und manchmal noch ein Löfferl Creme Fraiche dazu. Und wenn ich frische Dille habe, kommt auch davon noch etwas dazu.

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63
50
am 12. August 2013 um 13:24

HrMann: Danke für dein Lob!
Ich weiß nicht, wenn ich Sauerrahm (und so kenn ich Rahmfisolen eigentlich nur - aber bitte korrigier mich, ich lern gern dazu) verwende, erziele ich einen leicht säuerlichen Touch.

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107
33
am 12. August 2013 um 13:02

Sehr schöne, ausführliche Bewertung. Nur, sollte Rahm nicht eher eine süßliche Note den Fisolen verleihen? Zumindest kommt mir dieser Gedanke :)

LG

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39
18
Holzer
Hauptstraße 9
8692 NEUBERG an der Mürz
Steiermark
Speisen
Ambiente
Service
40
33
36
11 Bewertungen
Holzer - Karte
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