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Nihon Bashi - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 2. August 2013
Update am 6. August 2013
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amarone1977
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"Nihonbashi ist ein Stadtteil Tokyos dessen Zentrum die gleichnamige Brücke bildet. Sie gilt als der Mittelpunkt Japans; Alle Distanzen nach Tokyo werden als Distanz bis zur Nihonbashi angegeben."
(© Website und Speisekartendeckblatt)

So neugierig war ich schon lange nicht mehr auf einen Besuch in einem asiatischen Restaurant.
U4 Karlsplatz, Ausgang Elisabethstraße – und man steht schon vor dem Lokal.

Gleich vorweg:
Meine bisher einzige hautnahe Erfahrung mit Japan waren die viel zu weichen Sitzpolster meines alten Nissan Sunny.
Die kulinarischen Erfahrungen wiederum gingen bis dato nicht weit über Misosuppe und Sushi hinaus.

Ich werde mich daher hüten, hier von dem ersten authentisch japanischen Restaurant zu sprechen.
Die Berichte meiner Vorredner sind übrigens allesamt profund und hilfreich – also am besten gleich alle lesen, von MeJulie bis CriticalMinds.

Meine Erfahrung:

drinnen sehr angenehme, unaufgeregte Einrichtung. Dunkles Holz, heller Bambus, hübsche Raumteiler aus rotem Stoff. Bequemes Gestühl, mit seidig weißem Stoff bezogen.
Im Lokal sind am frühen Abend vier Tische besetzt, davon drei Tische mit – offenbar – Japanern. Das sollte ja ein gutes Zeichen sein!

Extrazimmer und Karaoke gibt’s hier auch, ich erspare es der Nachwelt und bleibe bei gutem Essen und dem Bericht darüber.

Die beiden Gastgeber, offenbar ein Ehepaar, sind sehr freundliche, entspannte Personen mit einer wahren Elendsgeduld. Mein Studium der Karte braucht doch eine gewisse Zeit, Erklärungen für die vielen unbekannten Gerichte werden aber in Ruhe vorgetragen.

So beginne ich mal mit einem wärmenden Matchatee, im handgemachten Tongefäß serviert.
Meiner zur Zeit ein wenig lädierten Kehle zuliebe.
Matcha ist ja eine der begehrtesten Grünteevarianten. Kommt als konzentriertes Pulver zu Anwendung, sehr ergiebig. Herr Chef hebt die darin hochgradig enthaltenden Flavonoide hervor. Die antioxidativen Eigenschaften der Weiß- und Grüntees sind ja hinlänglich bekannt.
Dank hier auch nochmal an unseren allseits geschätzten User schlitzaugeseiwachsam, der mir dieses Thema in Verbindung mit asiatischer Küche mal näher brachte. Davon profitiere ich mittlerweile fast täglich – Kopferl, Magerl und Bauchspeck sagen Danke!

Die Karte ist wie schon erwähnt übervoll mit einem Streifzug von Kyushu bis Hokkaido, roher Fisch, Gebratenes, Tempura, Reis, Rind- und Schweinefleisch, Suppen, Salate, Sake, ja sogar japanischer Whisky. Die Karte ist übrigens 1:1 online einsehbar, lohnt sich.

Eine „Kokosrolle“ wird gebracht, im formschönen Körbchen. Bei genauerer Betrachtung erweist sie sich als zart duftender, feuchter „Waschfleck“ – genial: die Idee für die nächste Abendeinladung bei mir zuhause. Kein Vergleich zu unseren herkömmlichen Servietten, und seien sie aus noch so edlem Stoff.

Die Misosuppe mit Pilzen und Jungzwiebel (im späteren Hauptgericht enthalten).
Ein guter Beginn – und hier wird schon mal ein gewaltiger Unterschied zum oft an Abwaschwasser erinnernden Gebräu deutlich. Schmeckt vollmundig, nicht mehlig fad wie sonstwo. Der Jungzwiebel knirscht schön zwischen den Zähnen, die Pilze (als Schwammerlexperte muss ich bei der Pilzart passen) sind ungewohnt, aber schmackhaft.

Gyoza – die Teigtaschen. Hier mit Rind- und Schweinefleisch, mit einer Art Chinakohl und Bärlauch gefüllt. Weizenmehlhülle, schön angebraten. Die Soyasauce wird kaum benötigt.

Sushi: Varianten gibt es ohne Ende, darunter auch mit Aal (Unagi) oder mit Rogen vom fliegenden Fisch.
Meine Wahl: mit Goldbrasse (Kurodai), mit marinierter Makrele (Shimesaba) und „klassisch“ mit Lachs (Shake), um einen direkten Vergleich zum „Massensushi“ zu bekommen.

Auffälligster Unterschied: viel Fisch, weniger Reis (so wie’s sein sollte aber selten ist), der Reis außergewöhnlich weich und doch kompakt (anderswo erinnert er oft an zu kernig geratenen Risottoreis).
Der Fisch ist so zart, dass man das Gefühl bekommt, Damaszenermeister Hattori hätte mir höchstpersönlich die Schneidezähne geschärft.

Die Goldbrasse mit feinem Eigengeschmack, der Lachs neutral und edel, die marinierte Makrele sehr würzig und butterzart.
Herr Chef bittet mich fast darum, mit der bereitgestellten Soyasauce sparsam umzugehen, es wäre ja auch ein Jammer, würde ich sie so verwenden wie manche hierzulande das Ketchup.
Auch vom Wasabi ist bewusst wenig am Teller, von der Konsistenz wirkt es nicht wirklich viel anders als das herkömmliche, wirkt aber deutlich weniger scharf.

Salat: herkömmlicher Eisbergsalat, aber schön krachig-zart. Die Marinade ist wiederum ein Novum für mich, wirkt fast ein wenig „fleischig“. Soya? Bohnenpaste?

Der Hauptgang – Gyu Shigure Don. Zartes Rindfleisch, Zwiebeln und Glasnudeln in Ingwersauce gekocht auf Reis serviert, mit Salzgemüse. Letzteres macht mich stutzig, ich ahne es – und habe Recht: Gurke und Rettich. Nicht mit mir, Herr Chef notiert das mit einem freundlichen Lachen.

Die Portion ist ordentlich geraten, die gewaltige Schüssel wird zur großen Aufgabe.
Das fein gesäbelte Rindfleisch ist ganz eigen würzig, wirklich butterzart, die Würzung ist wieder einmal neu für mich, frisches aromatisches Grün findet sich ebenso wie leuchtend roter Ingwer, ein schönes Zusammenspiel der Aromen, der Reis ist zur Genüge vorhanden, könnte für meinen Geschmack ein bissi weniger bröselig-weich sein. Ein bisschen Soyasauce dazu, der hölzerne Chilistreuer ist mit Vorsicht zu genießen, richtig dosiert wertet es aber die Sache nochmal auf.

Dessert geht keines mehr, dafür aber ein Digestif – hieß er Shoche? 25% Alkohol, aus Süßkartoffeln gewonnen. Langsam trinken, wirkt allerdings trotzdem ein wenig zu sehr verdünnt. Nächstes Mal dann doch einen Sake.

Erstes Fazit: sehr entspannte Atmosphäre, ebenso entspannte Gastgeber, die hier, so finde ich einen großen Wurf gemacht haben.
Die Produkte sind frisch, bestens verarbeitet und höchst bekömmlich, trotz der verspeisten Mengen jammert der Magen zu keiner Zeit.
Auf alle Fälle wieder, Japanlektion Nummer 2 darf kommen.

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Kommentare (2)

am 31. August 2013 um 18:39

SSW: ja wann denn? Ich bin bald wieder in Wien!

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am 10. August 2013 um 18:13

Ich werde diesmal einen Morgentau Tee mitbringen. Du wirst staunen!

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Nihon Bashi
Kärntner Straße 44
1010 Wien
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