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amarone - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 24. Juli 2013
Experte
amarone1977
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3Speisen
3Ambiente
4Service
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amarone goes amarone. Wie bitte?

Eigentlich wollte ich ja nur eine Kleinigkeit essen und ein Glaserl Wein dazu trinken, um dann nochmal mit der U4 ein Stückerl Richtung Mariahilf zu fahren. Doch daraus wurde dann doch nichts. Aus gutem Grund.

In der Löwengasse im 3. Bezirk, direkt an der Haltestelle der Linie 1 (vom Schwedenplatz kommend) steht man vor der sehr präsenten Lokalfront.
Es war wohl ganz eindeutig die einzigartige wie fast skurril anmutende Kombination der Dinge, die mich neugierig machte.

Adel Saadi ist ein Betriebswirt durch und durch, kommt aus dem Libanon und hat Erfahrung mit Betriebsführung, nicht nur in der Gastronomie (er war übrigens unter anderem der Vormieter des jetzigen Satrapezo).
Als ich reinkomme, matcht er sich gerade mit älteren Stammgästen aus dem Grätzel, wer die besten Burgenländerwitze kennt. Ein junges Pärchen kommt rein, der Gastgeber begrüßt die beiden wie seine eigenen Kinder. Schön.
Und – Adel Saadi liebt den Amarone della Valpolicella – und fragt sich genauso sehr wie ich, warum dieser Wein nicht auf gleicher Stufe steht wie Barolo und Brunello.

Drinnen ist’s relativ einfach gestaltet, ja fast schon minimalistisch. Die Raucher-Nichtrauchertennung wird per Glasfront und –tür gelöst. Das rote (Kunst?)Ledergestühl ist ausreichend bequem, wirkt aber im Vergleich zu den fast zu schlichten Räumlichkeiten richtig wuchtig.

Ein Gläschen Ksara (weiß, aus dem Libanon): angenehm frisch, würzig, nicht so hefelastig teigig wie so mancher Mode-Chardonnay.
Das Beef tartare nach Art des Hauses (mediterran gewürzt) gibt’s heute nicht, dafür lockt mich der Vorspeisenteller mit arabischem Brot (eine Art Fladenbrot, in praktische Eckerln geschnitten).

Da wäre einmal ein Hummus mit Sesampaste, ausgezeichnet. Mal tunke ich das Brot in den herzhaften Brei, mal streiche ich ihn auf das Brot. Keine Ahnung, wie man es richtig macht, es schmeckt einfach.

Die anderen drei Sorten sind in ähnlicher Konsistenz in den formschönen Schälchen serviert:
Kischke, ein Joghurt mit Walnüssen und Mandeln, noch eine feine Idee mehr für den monatlichen Filmeabend in guter Gesellschaft zuhause bei mir.
Weiters: Mutabbal, ein gegrilltes Melanzanipüree mit Sesampaste. Nicht so ganz mein Fall, liegt aber auch vor allem mal am Nachtschattengewächs selbst, ganz leicht bitter und säuerlich, das Brot taucht lieber wieder zurück in das Hummusschälchen.
Außerdem: M’hammara, eine (mäßig) scharfe Sauce mit Tomaten, Tomatenmark, Paprika, Zwiebel, Knoblauch und Perlweizen. Sehr intensiv, allerdings überlagern sich auch hier einige Geschmäcker, zudem ist Zitrusschale mit im Spiel, die sich hier geschmacklich ordentlich mit Chili und Tomaten streitet.

Meine Favoriten also ganz klar die ersten zwei Kandidaten.

Dazu kommt zum gepflegt Runterspülen der Rote von Ksara, ein weiterer libanesischer Wein.
Cabernet sauvignon und Syrah, offensichtlich von ordentlich Sonne geküsst, fast schon überfallsartig aromatisch-süßlich, man gewöhnt sich aber langsam dran.
Die allerdings nicht unlogische Fortsetzung würde diese betont reife Frucht im Amarone della Valpolicella finden. Heute allerdings nicht mehr, dafür wäre der nur flaschenweise angebotene Kultwein eine doch zu große Herausforderung um diese Uhrzeit. Wir reden hier ja schließlich auch über normalerweise 15% Alkohol und mehr.
Lieber ein andermal einen Tag vorher die Flasche öffnen lassen, bezahlen und am nächsten Tag in gepflegter Runde konsumieren.

Stattdessen: amarone raucht sich sein. Na jetzt aber wirklich.

Vielleicht fragt sich so mancher jetzt, was amarone als Nichtraucher in einer Shishalounge zu suchen hat? Nun, in einem dafür geschaffenen Lokal soll es auch zelebriert werden - und zwischen einer Zigarette und einer Wasserpfeife liegen nicht nur kulturelle Welten.

Die Riesenpfeife braucht natürlich eine gewisse Vorbereitungszeit, aber ich habe ja Zeit, der Abend gehört – wie so oft in Wien – mir.
Die mir gebrachte Shisha ist ein stattliches Teil, das verbreitete Aroma erinnert an Erdbeeren. Sehr angenehm, irgendwann sinkt man tiefer in die Lehne, die Beine werden lässig ausgestreckt.

Zum Abschluss: Bier und Wein – lass es sein. Wein und Bier – gönn ich mir!
Ein libanesisches Pils zum Abschluss an der Bar. Chef Adel Saadi lädt mich ein, wir reden über Geschäft und ein wenig über die bewegte Geschichte des Landes.
Und über Amarone della Valpolicella – was sonst.

Fazit: das Ambiente des Lokals ist auf den ersten Blick ein wenig nüchtern, ein paar Bilder könnte man schon noch platzieren. Große Küche gibt’s nicht, will man essen, so wird man allerdings mit den vier Vorspeisenschälchen samt Brot (gerade mal 6 Euro) gepflegt satt, sehr bekömmlich obendrein. Wer Lust auf Süßes verspürt, bekommt hier auch eine Baqlava.
Der libanesische Wein war ebenfalls geschmacklich Neuland, vor allem der rote mit seiner duftigen Präsenz.

Also: 3 Stunden Lokalbesuch, wollte ich doch davor einfach nur schnell ein Gläschen trinken und woanders richtig essen gehen.
Und ja, ich habe richtig gut geschlafen.

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Kommentare (2)

Christine Badran am 7. Oktober 2013 um 10:36

Sehr gemütliches Lokal, guter Kaffee, sehr guter Wein und gute Bierauswahl. Kleinigkeiten für den kleinen Hunger zwischendurch sind gut gewählt.
Chef sehr freundlich und zuvorkommend, sehr nettes Personal. Ein sehr nettes Lokal um sich mit Freunden zu treffen!

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Christine Badran
Kein Tester
am 24. Juli 2013 um 14:37

aldebaran: vielen Dank, das war in der Tat ein unerwartetes Vergnügen ;-)

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amarone
Löwengasse 51
1030 Wien
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Ambiente
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