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Schweizerhaus - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 24. Juni 2013
Experte
hautschi
107
33
24
3Speisen
3Ambiente
1Service
1 Check-In

Wie mein Vortester schon richtig bemerkt hat, ist das Schweizerhaus ein Lokal das polarisiert. Da ich aber weder Fan noch Feind bin, werde ich versuchen unseren Besuch möglichst objektiv wiederzugeben – mit allem Positiven aber auch mit allem Negativen.

Im Zuge unseres Wien-Betriebsausfluges, habe ich für den Samstag Abend das Schweizerhaus ausgewählt. Nicht weit weg von unserem Austria Trend Hotel Messe (wo ich so ganz nebenbei bemerkt das Preis-Leistungs-Verhältnis als absolut nicht gegeben empfinde), liegt das Schweizerhaus mitten im Wiener Prater und ist glaube ich, als typisches Bierlokal zu bezeichnen.

Da das Schweizerhaus speziell an den Wochenenden immer absolut überfüllt ist, habe ich bereits vor Wochen online einen Tisch für 11 Personen reserviert.
Der Garten des Schweizerhauses ist riesengroß und zur besseren Orientierung, gleich Wien, in unterschiedliche Bezirke unterteilt.
Als wir gegen 18 Uhr ankamen, gab´s gleich den ersten positiven Moment: Unsere Reservierung war bekannt (hab ich auch schon anders erlebt) und wir wurden vom Reservierungsschalter in den 13. Bezirk, sprich in den hintersten Winkel des Gartens, geschickt.
Dort angekommen, hatten die Kellner wohl auch unsere Reservierung auf der Liste, es konnte sich allerdings keiner mehr erinnern wo der Tisch vorbereitet war und so machte man sich äußerst lustlos und mit mäßigem Elan auf die Suche. Nach gefühlsmäßig unendlichem Warten wurde der Tisch gefunden und wir konnten Platz nehmen.
Auf den hellen Plastiktischen findet man eine mehr oder weniger saubere Menage, einige Karten und that´s it. Schmutziges Geschirr der Vorbenutzer fanden wir keines mehr vor, sehr wohl aber einen saudreckigen Tisch mit allen erdenklichen Flüssigkeitsresten, der Tisch hatte wohl schon lange keinen Lappen mehr gesehen – ein richtig gustiger Beginn, mein Launenbarometer begann deutlich zu sinken.

Service: Mies, unfreundlich, desinteressiert – alle, die schon einmal im Schweizerhaus waren, wissen, dass die Kellner viel zu tun haben, für gewöhnlich bleibt aber immer noch Zeit für einen kleinen Schmäh und vor allem für verkaufsfördernde Maßnahmen (trink ma eh noch a Bier der Herr ...). Nicht so unser Personal. Aktiv kam überhaupt nichts, wollten wir dann etwas bestellen, hatte man so richtig das Gefühl, dass man dem Kellner auf die Nerven geht. Es wurden permanent Sachen vergessen, was falsches gebracht und zum Teil rotzfreche Antworten gegeben. Erklärenderweise möchte ich anmerken, dass wir keine stockbesoffene, grölende Horde waren (von denen gab es an diesem Tag allerdings auch genug). Ich brauche gerade in einem Schweizerhaus sicher nicht das perfekte „hohe“ Service, beim Allerwertesten bin ich den Herren allerdings auch nicht runtergerutscht. Für unsere Gruppe gesprochen, war das Service an diesem Tag schlicht und ergreifend ungenügend.

Ambiente: Man muss es mögen. Menschenmassen, die je später der Abend immer lauter, lustiger und angesoffener werden. Uns hat das gar nicht gestört, wir hatten als Zuschauer mit so manchem am Nebentisch gesungenen Lied unsere wirkliche Gaudi.
Die ausreichend vorhandenen WC-Anlagen werden von Toilettendamen bewacht. Nur anstatt sich um den Zustand der Toiletten zu kümmern, sitzen sie wie die Spinnen davor und geiern um Trinkgeld. Für mich ist es nicht einzusehen, dass ich in einem sowieso maßlos überteuerten Lokal auch noch für den Toilettgang extra bezahlen soll, zudem die von uns benutzte Anlage am Samstag keinesfalls als tiptop zu bezeichnen war.

Zum Essen:
Die bekannteste Spezialität des Schweizerhauses ist wohl die gebratene Stelze. Diese wird gemäß Gewicht verrechnet (€ 16,90 / kg). Die meisten Stelzen haben so zwischen 1 und 2 kg und es werden 2 bis 3 Personen locker von einer Stelze satt. Nachdem jede Beilage extra verrechnet wird, kann so ein Stelzchen mit 1,5 kg, Senf und Kren, 3 Salaten und einigen Salzstangerln gut und gerne auf € 50,-- kommen.
Qualitativ sind die Stelzen aber über jeden Zweifel erhaben. Gut gewürzt, weich, knusprige Schwarte – einfach so wie´s sein soll. Die Stelze bekommt eine gute 3.

Neben den Stelzen werden aber auch noch viele andere Gerichte angeboten. Die aktuelle Speisekarte (die sich die ganze Saison nicht ändert) kann unter www.schweizerhaus.at eingesehen werden.

Frittatensuppe: Der Weg der Suppe von der Zentralküche in den hintersten Gartenwinkel ist weit. Dementsprechend ist die Suppe nicht einmal mehr lauwarm (I hate it), geschmacklich ist auch nicht wirklich ein Preis zu gewinnen. Hier gibt’s maximal die 2.

Krautsuppe: Laut meinem Sohn geschmacklich recht gut allerdings auch kalt (was ihn nicht so wie mich stört). Hier ist die 3 passend.

Außerdem wurde bei uns am Tisch noch Backhendl bestellt, laut den Mitarbeitern absolut in Ordnung.

Als Nachspeisen gab´s Powidltascherln, Mohntorten und Mohnnudeln. Auch hier war der allgemeine Tenor Richtung 3.

Getränke:
Wie schon in anderen Bewertungen beschrieben, ist das Bier geschmacklich sehr gut und mit wenig Kohlensäure gezapft. Leider war es auch bei uns so, dass im Glas maximal 2 Drittel Bier und mindestens 1 Drittel Schaum zu finden war. Ich habe sogar subjektiv den Eindruck gewonnen, dass der Schaumanteil, je später die Stunde, umso größer wurde.
Die alkoholfreien Getränke waren soweit in Ordnung und gut gekühlt (dass einem Schweizerhaus das Red Bull ausgeht, finde ich auch etwas komisch), der Kaffee mäßig bis schlecht.

Fazit:
Ein berühmtes Lokal, das hauptsächlich von Touristen und Saufrunden lebt. Die Qualität sowohl bei Speis als auch bei Trank gut aber absolut überteuert. Das Personal von Saison zu Saison demotivierter und unfreundlicher.
Gesehen sollt man das Schweizerhaus vielleicht einmal haben, mir reicht´s für diese Saison (und vom momentanen Gefühl auch für die nächsten) unter Garantie wieder.
Eine Empfehlung kann ich definitiv nicht aussprechen.

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Kommentare (3)

am 24. Juni 2013 um 21:06

Wie richtig bemerkt, polarisiert das Schweizerhaus. Das Bier wird durchwegs gelobt, die Stelzen ebenso. Der Lärm, die Überfüllung des Gartens, die (Un)Freundlichkeit der (gestreßten) Kellner ...

Aber was wohl jeder gast erlebt hat - oder er ist nicht draufgekommen - ist der Umstand, daß man peinlich genau die angelieferten Biere und die dafür auf die am Tisch befindlichen Zettel geschriebenen Konsumationen kontrollieren muß. Sonst kann es, v.a. bei größeren gruppen schon dazu kommen, daß man eine Unzahl von bieren mitzahlt, die nie konsumiert worden sind. Ebenso sind die Zettel, die mit jeder Stelze mitgeliefert werden und auf denen das vermeintliche Gewicht der Stelzen angeführt ist, eher Vertrauenssache. Wir haben einmal eine Stelze zurückgeschickt, die lt. Geichtszettel fast 2 kg hätte haben müssen und haben dann eine bekommen, die fast genau so groß war, aber nur die Hälfte gekostet hat.

Man kann sagen, daß nur Profis ungeschoren davonkommen. Und das ist sehr schade, denn in so einem Lokal sollten solche misesn tricks nicht vorkommen.

Möglicherweise ist das nicht von der Geshäftsleitung angeordnete Methode, aber jeder Wiener weiß, wie trickreich das Personal ist und da sollte die Familie Kolarik sich auch um den Ruf des Hauses kümmern. Bei einem Preis von EUR 4,10 für einem mit großzügiger Schaumhaube verzierten Krügerl sollte man auch korrekt behandelt wqerden.

Trotzdem bin ich nicht ungern dort und denke, ebenso schlau zu sein, wie die Kellner)

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15
am 24. Juni 2013 um 18:55

Ich gebe zu, auch ich verirre mich im Schnitt einmal im Jahr ins Schweizerhaus. Sei's mit Freunden oder Gästen aus dem Ausland, denen man halt auch diese Institution im Prater unbedingt zeigen muss.

Allerdings frage ich mich so ziemlich jedesmal, wenn ich rausgehe, welche mir unbekannte masochistische Ader mich dazu gebracht hat, mir das anzutun.

Abgesehen von tlw. grölenden Massen auf engen Raum, Kellnern, deren Unfreundlichkeit und Desinteresse teilweise weit über tolerables "Wiener Granteln" hinausgeht, überteuerten Speisen, kreativen Abrechnungen, - alles schon erlebt, ist das Bier dennoch so sensationell wie die Stelzen, und der nachgerade skurrile gesellschaftliche Mix der Gäste (Politiker meets Bauarbeiter meets Generaldirektor meets Polterabend) so bunt, dass es einen doch immer wieder einmal dorthin zieht.

Um sich beim Weggehen zu überlegen, ... ;-)

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Experte
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48
am 24. Juni 2013 um 15:54

Mir wurde mal von einem "Profikellner", der saisonweise dort arbeitet, der Arbeitsalltag geschildert.
A "Mörderhackn", würd ich mal sagen. Der eine geht damit locker um, der andere nicht. Man kann also im Schweizerhaus alles erleben, flott-witzige wie demotiviert-langsame Gestalten. 1x im Jahr darf man sich aber den Kolarik'schen Makro-Mikrokosmos schon geben ;-)

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Experte
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Schweizerhaus
Prater 116
1020 Wien
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