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Holzer - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 18. Juni 2013
Experte
amarone1977
315
75
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4Speisen
3Ambiente
4Service
12 Fotos1 Check-In

Mur-Mürz-Furche – nächstes Kapitel der Spurensuche in Roseggers Heimatregion.

Und wieder sollte es ein Beispiel dafür sein, dass es sich lohnt, ein paar Kilometer weg von den Hauptverkehrsadern zu suchen.
Dabei muss man die Lahnsattel-Straße (B23) von Mürzzuschlag nicht bis Mariazell fahren, sondern gerade mal ein paar Kilometer bis in die Gemeinde Neuberg.
Ein scheinbar beschauliches Straßendorf mit einer stattlichen gotischen Abtei, dem Stift Neuberg (14. Jh.). Sehenswert!

Allgegenwärtig in der Gemeinde: der Name Holzer.
Hubert Holzers Gasthof ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Landgasthof Holzer am südlichen Ortsende.
Man muss also schon, von Mürzzuschlag kommend, fast durch den ganzen Ort fahren und fährt auch prompt beinahe an der schön durch hohe Bäume versteckten Fassade vorbei.

Reservierung für eine Person, ein Tisch – und ein Zimmer. Essen und umfallen also wieder mal.
Der geschätzte User Thun23 hat bereits über den Gasthof berichtet (siehe/lese dort!) - seitdem war der Name auf meiner To-Do-List.

Kurze Anmerkung zu den Wirtsleuten: ich erlaube mal zu vermuten, dass sich die beiden Holzers so kennen gelernt haben wie so manch andere ihrer Zunft: er aus dem Dorf, Sohn des Hauses, geht hinaus in die Welt und lernt auf einer seiner Station seine jetzige Frau kennen, genauso gastronomieverliebt wie er selbst, um dann mit ihr zurückzukehren ins elterliche Haus, um selbiges zu übernehmen.

Eine gute Kombination, die oft auch bestens funktioniert – ich denke da nur an den Hubinger, nicht weit weg von hier.
Das altehrwürdige Haus wurde innen nur sanft an die heutige Zeit angepasst, Boden und Mobiliar sind nicht von „heute“, aber sehr gepflegt und auch mit ansprechend gedeckten Tischen ausgestattet.

Service: junge Dame, junger Mann – gepflegt gekleidet, man bemüht sich um Ausdruck und Präsentation. Es führt aber zumeist doch kein Weg am Gespräch mit den Wirtsleuten selbst vorbei. Das ist eben das, was einen Restaurantbesuch besonders macht.

Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise.
Gleich vorweg – weniger wäre mehr. Und damit sind die Portionsgrößen gemeint. Hier meint man’s einfach zu gut – und amarone kann wieder mal nix stehen lassen, leise „Platzangst“ nach der Nachspeise garantiert.

Gruß aus der Küche: ein kleines Stück „Parfait“, wenn ich mich recht erinnere, vom Räucherfisch. Mit Kren garniert. Ein gelungener Beginn.
Gedeck: feines Brot, dazu ein cremiger Aufstrich mit Kürbiskernen. Karotten für die Nager.

Rehpastete mit Rotkraut, (eingelegten?) Eierschwammerln und Hirschspeck.
Die Portion ist fast ein Hauptgericht, ich fürchte mich schon vor dem nächsten Gang.
Die Paté ist fest und kompakt, fast ein bisschen bröselig, im „Kern“ aber dann doch zartschmelzend. Garniert mit Bohnenkrautblüten (oder doch Thymian?).
Das Rotkraut wird mit (eingedicktem, karamellisiertem?) Orangensaft kombiniert, hat Biss und macht zusammen mit der Paté keine schlechte Figur.
Der Speck würzig-aromatisch, ein bisschen trocken.

Suppe: eine Brennesselsuppe. Schmeckt wie „daham“, da wird nicht getrickst, ehrliche Naturküche.
Erfreulich: hier kennt man auch „Herrn Gundermann“, einen etwas „wilderen“ Vetreter der Lippenblütler, auch als Gundelrebe bekannt.
Die Rede ist von einem Wildgemüse, das mit den meisten Küchenkräutern à la Oregano, Basilikum & Co. verwandt ist, aber bei uns im Garten fälschlicherweise als Unkraut verschmäht wird.
Zugegebenermaßen wächst das Zeug ja auch wie der Teufel, ist selbst im Topf gezogen absolut winterhart und stets dank des „Wildwuchses“ ausreichend vorhanden.
Scharf-würzig, aromatisch. Gut dosiert ein Muss, zu viel davon schmeckt ein wenig streng.

Zugabe zur Suppe: ein hausgemachtes Sesam-Blätterteig-Stangerl. Bissi zu fettig, hätte man auch gut und gern weglassen können.

Hauptgang mit Fisch. Zander aus dem Baltikum oder doch ein Saibling aus heimischen Fischgründen? Nicht nur die CO2-Bilanz lässt die Wahl sofort auf den Saibling fallen.
Sanft gebraten, ausreichend zart, aber auch mit Biss.
Serviert wird mit einem Spinat, der „keiner“ ist. Dreierlei Gepflänz macht den Wildgemüsespinat zum vortrefflichen Begleiter – ich denke da nur an Mutters genialen Brennnesselspinat. Wer braucht da noch Popeye’s Lieblingsgemüse? Das „Gesunde“ am Blattspinat hängt einerseits mit einem falsch berechneten Eisengehalt zusammen, vor allem aber wohl nur mit der gezielten „Entsorgung“ der damaligen Spinat-Überproduktion in den USA.
Püree: sicher auch hausgemacht, ein bisschen grobkörniger, mit Butter wird gespart.

Dessert: eigentlich geht ja schon gar nichts mehr.
Doch ein Rhabarberparfait mit Erdbeeren – warum nicht.
Parfait ist etwas zu hart geraten, man kratzt ein Zeitl daran herum, aber sehr bekömmlich und leicht, die gut marinierten Erdbeeren bieten sich natürlich wunderbar an für die Kombination mit Rhabarber.
Absolut überflüssig: der essbare „Teig-Becher“. Schmeckt nach Karton und bleibt stehen wie geliefert.

Caffè, Hochprozentiges zum Verdauen. Keine Klagen, der Espresso würde auch dem Italiener schmecken.

Ein Wort zum Wein: eigene Weinkarte, die beiden glasweise angebotenen waren passend präsentiert und ebenso temperiert.

Ab ins Bett – gute Nacht.

Guten Morgen! Gut geschlafen - die Matratzen sind hier wirklich rückenschonend: nicht zu weich, nicht zu hart, angeblich Grüne Erde – Betten, wenn ich mich da nicht verhört habe.

Die Überraschung zum Frühstück: kein banales Buffet mit Trockenmüsli-Silo und anderen wertlosen Cerealien inkl. Schlachtfeld am „Wurstdekanter“, sondern „Exklusiv-Service“ und angenehmes Gespräch mit Frau Holzer. Hier wird alles zu Tisch gebracht!

Frisches Brot, frisch gepresste Säfte, eine kleine, feine Auswahl an Aufschnitten und Käse hoher Qualität. Hausgemachte Marmelade (!), in kleinen, noch versiegelten Gläsern. Ich probiere eine Mischung mit Banane – kaum zu glauben, aber das schmeckt!
Frische Früchte mit Joghurt, kein überzuckertes Fertigjoghurt, wo dir die Plomben vor Schreck davonfliegen!

Anmerkung: Marmelade & Co. kann man in der so genannten "Greißlerei", gerade mal ein Steinwurf südlich des Gasthofs gelegen, kaufen!

Nach einer Dreiviertelstunde Frühstück erinnere ich mich wieder daran, dass ich im Dienst bin – und nicht im Urlaub. Doch immerhin hat der Aufenthalt eines wieder bewiesen: selbst wenn man auf Dienstreise ist, kann so ein Aufenthalt die nötige Portion Entspannung bringen, die man täglich braucht. Und spätestens nach so einem Frühstück ist auch ein harter Arbeitstag gleich viel leichter.

Familie Holzer sieht mich auf alle Fälle wieder.

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Kommentare (2)

am 20. Juni 2013 um 12:46

Ohr: hört hört! Kriegen wir von unserem Griechenlandfan etwa eine Holzer-Review? Das wär der Hammer!

Gefällt mir1
Experte
315
75
am 20. Juni 2013 um 12:16

Seit meinen Besuchen beim Holzer habe ich endlich eine Verwendung für den Giersch aus meinem Garten. Bei mir hat das Gasthaus schon aus diesem Grund eine 5 verdient ;-) .

Gefällt mir3
21
3
Holzer
Hauptstraße 9
8692 NEUBERG an der Mürz
Steiermark
Speisen
Ambiente
Service
40
33
36
11 Bewertungen
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