RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Landgasthaus Assl - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 5. Juni 2013
Update am 13. Oktober 2013
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
3Ambiente
3Service
104 Fotos12 Check-Ins

Zwischen meinem ersten und zweiten Besuch sind sicherlich 10 Jahre vergangen. Warum ? Weil es mir beim ersten Mal so überhaupt nicht gefallen hat. Aus der Distanz betrachtet war es der Service, der mich so enttäuscht hat, an das Essen kann ich mich nicht mehr erinnern. Das ist umso schlimmer, wenn man regelmäßig am Lokal vorbei fährt. Und nicht nur das, durch den bescheuerten Bahnschranken steht man fast jedes zweite mal minutenlang davor. Zeit genug also, um darüber nachzudenken, ob der Assl nicht vielleicht doch eine zweite Chance verdient hat, vor allem, wenn einem Bekannte in höchsten Tönen vorschwärmen und die Bewertungen hier auch nicht ganz so schlecht sind.

Jeden Donnerstag und Freitag wird abends ein Menü aus 6 kleinen Gängen um EUR 28,00 serviert, genannt 'Happerl papperln'. Jeden Sonntag gibt es abends ein viergängiges Überraschungsmenü um EUR 19,00. Beim Stöbern auf der Homepage stolpere ich über die Gedanken des Wirts: „Was ich mir dabei denke... Was auf Eure Teller kommt, koche ich im Kopf bevor ich 1schlafe. Die meisten Ideen muss ich gar nicht mehr ausprobieren, sondern kann sie sofort umsetzen. Ich möchte meine Art zu kochen ständig weiterentwickeln, ohne dabei auf die ehrliche, bodenständige Küche unserer Region zu vergessen. Vielmehr ist es mir wichtig, Produkte aus unserem Gebiet zu verwenden und alte Gerichte auf eine neue Art und Weise zu kochen. Jeder Gast soll satt werden, ich halte nichts von Miniportionen, die zwar nett fürs Auge sind aber den Magen nur reizen (Mogenrazerl). Es ist nicht mein Ziel ein feines Lokal zu führen, wo sich ausschließlich betuchte Gäste wohlfühlen, sondern vielmehr ist es mir wichtig ein Wirtshaus für jedermann zu betreiben. Ein ehrliches Wirtshaus mit hoher Qualität was Speisen, Getränke und Service anbelangt, mit einem hervorragenden Preis - Leistungsverhältnis. Jeder Gast soll zufrieden unser Wirtshaus verlassen und gerne wiederkommen.“

Es werden die Happerl an einem Freitagabend nach einer aufreibenden Arbeitswoche, und entweder werden wir Stammgäste oder ich suche mir eine andere Fahrtroute …
Das Landgasthaus steht an der Bahnlinie, gleich gegenüber dem Bahnhof. Ausreichend Parkplätze davor. Vanillegelbe Fassade. Eine schmiedeeiserne Tür an der Seite führt in den Gastgarten. Die Tafel 'Genusswirt' und Falstaff-Auszeichnung 2013 mit zwei Gabeln – 'Best of Austria'. Über ein paar Stufen erreicht man den Eingang und steht sogleich vor der massiven Holztheke. Wir haben telefonisch reserviert und können uns aus zwei Tischen einen aussuchen und entscheiden uns für den Eckplatz am Fenster. In den Fensternischen stehen tatsächlich Holzsessel mit einer Schüssel mit Grünzeug. Eingerichtet im Landhausstil, braune Lederbank und –sessel, dunkler Holzboden, terracottafarbener Wandanstrich, Bilder mit Hollywoodgrößen, Spiegel, Kerzen und schlichte kugelige Porzellanleuchten (als hätte man sie aus dem Bahnhof gegenüber gestibitzt …). Die Tische sind mit weißen Tischdecken eingedeckt. Ebenso eine weiße Stoffserviette, das Besteck für die Hälfte des Menüs, die üblichen grünen Wassergläser, Vase, Teelicht, Menage.

Wir bekommen die ledergebundene Speisekarte und sehen, dass um einen Aufpreis von EUR 10,00 eine 5-gängige Weinbegleitung angeboten wird. Nicht lange überlegt, das wollen wir. Gemeinsam mit einer Karaffe Leitungswasser (ohne Berechnung und Wiederauffüllung im Laufe des Abends) wird ein großzügiges Brotkörbchen eingestellt. Und wir starten schon mit dem ersten Gang.

2erlei Spargelmousse mit Prosciutto
Auf drei hauchdünn geschnittenen Tomatenscheiben sitzt die Mousse und schaut vordergründig einmal sehr unschuldig aus. Mit einem Schnittlauch'degen' ist der Prosciutto draufgespießt. Die Mousse ist von der Konsistenz her ein Traum. Cremig, leicht, fast schaumig. Und der intensive Spargelgeschmack. Einfach perfekt. Danke.

Und weiter geht’s mit einer
Krautsuppe mit Kräuterschaum
Serviert im Glas, als Deckel eine knusprig getoastete Schwarzbrotscheibe – und wieder unser SchnittlauchDegen. Die Suppe ist ein Gedicht. Die richtige Mischung zwischen dick- und dünnflüssig, mit kleinen Krautstückchen. Perfekt gewürzt und abgeschmeckt. Das Schwarzbrot ziemlich fett zwischen den Fingern, aber ein toller Begleiter und Magenwärmer, während vor den Fenstern die Züge vorbeidonnern, dass es wie ein Sommergewitter klingt.

G'kochtes Schweinswangerl im Einmachglas
Meine Premiere für ein Wangerl und etwas Unsicherheit, was mich da erwartet. Ein kleines quadratisches Rex-Glaserl. Verschlossen. Drinnen in einer Suppe das Wangerl. Ergänzt mit Gemüse, Kren und Schnittlauch. Vorsichtiges Herantasten und Aufatmen: wunderbar zartes Fleisch. Obwohl das Glas denkbar ungeeignet zum Fleisch schneiden ist, gleitet das Messer fast von selbst durch die Wange. Danke, wieder eine Erfahrung reicher.

Wir sind an der Mitte der Papperl angelangt und der Magen ist schon etwas gefüllt. Die Geschirr- und Gläserkultur ist sehr gut. Bei den Tellern zwar etwas eigenwillig, was das Servieren für den jungen Mann manchmal etwas schwierig gestaltet, aber alles in Ordnung und nicht ausgeschlagen.
Wir haben direkten Blick auf die Theke beim Eingang und dort darf ein Gast rauchen. Ich habe Verständnis, dass die schwere Schiebetür während des regulären Betriebes nicht geschlossen werden kann, aber dann darf in Schlagdistanz niemandem das Rauchen erlaubt werden. Im Anschluss haben sowohl Kleidung als auch Haare einen leicht geselchten Beigeschmack.

Es geht mit der Hauptspeise weiter, einem
assi Burger mit Steakpommes
Ein angstvoller Blick, wer soll das denn bewältigen ? Wie schauen denn hier die regulären Portionsgrößen aus ? Ein Extraschälchen mit den herrlichen Pommes. Außen knusprig, innen weich, leicht gesalzen. Viel mehr Kopfzerbrechen macht da schon der extrem kracherne Deckel des Burgers. Falls schneidbar, zerbröselt er in viele Einzelteile, deswegen lege ich ihn erstmals auf die Seite. Mit etwas Zuwarten wird der untere Teil des Brotes vom Belag gerade so viel durchweicht, dass man es gut essen kann. Der Burger selbst gut gewürzt und gebraten. Mit Rucola, Melanzani-Scheibe und Creme.

Das Völlegefühl steigt. Die Gaststube füllt sich. Die Wartezeit, die sich jetzt – von uns nicht beabsichtigt – ergibt, ergibt wieder Platz für das Dessert:
Erdbeer Joghurtnockerl mit Zitronensorbet
Irgendwie schaut die Kreation auf dem zu großen länglichen Teller fast verloren aus. Zwischen Sorbet und Nockerl ein kleiner Klacks Fruchtmark mit einer halben Weintraube. Auf dem Sorbet eine Physalis und innendrinn ein Schokokern, der auch schon auf dem Teller festklebt. Sehr gut ist das Joghurtnockerl, flaumig und leicht, mit einer Deko-Erdbeere und einem gezuckerten Rosenblatt.

Die Wartezeit auf den finalen Gang ist dann im Endeffekt fast an der Schmerzgrenze. Die Zugfrequenz sinkt, es wird dunkel vor den Fenstern und auch etwas lauter in der Stube.
Auf einer Schiefertafel bekommen wir
Weichkäse mit Feigensenf
Das Brotkörbchen wird wieder frisch aufgefüllt eingestellt.
Ein Käse erinnert an Bergkäse, die beiden anderen typische Weichkäsevertreter. Einige Körner grobes Salz auf der Schiefertafel. Das erste – unvorsichtige Kosten des Feigensenfs macht mich wieder munter. Die Wasabikomponente schießt direkt ins Hirn und erschlägt jegliche feine Note.

Fazit: Wir sind sehr positiv überrascht worden. Anfangs war das Service perfekt, mit Zunahme der Gäste sind die beiden Protagonisten ins Schwimmen gekommen. Auf das Dessert haben wir knapp eine halbe Stunde und auf den Käse fast eine dreiviertel Stunde gewartet und den letzten Wein der Begleitung quasi erst nach dem Käse serviert bekommen. Dadurch hat sich das Abendessen auf drei Stunden ausgeweitet. Ich verstehe allerdings, dass zusätzliche Hände im Service schon wieder mehr kosten würden. Die Sanitäranlange sind zwar sauber, aber bedürfen eigentlich einer Sanierung (abgeschlagene Etagere, fehlende Leuchtmittel). Hätte das Papperl nach drei Gängen geendet, es wäre eine 5 geworden. Wir haben zufrieden das Wirtshaus verlassen und wenn die (monatliche) Speisekarte wechselt sind wir bald wieder da. Sorry für die Überlänge, aber irgendwie hatte ich das Gefühl, etwas gut machen zu müssen … :-)



******
Update
******

Ein weiterer Besuch zum ‚Happerl papperln‘.
Einen Tag vorher telefonisch reserviert, kein Problem, Namen brauche ich nicht wiederholen, passt.

Ambiente unverändert, allerdings wurden in der Sommerurlaubssperre die Sanitäranlagen vorbildlichst saniert. Nun kann Frau auch ohne Ekel diese aufsuchen. Danke dafür.

Bei der Ankunft spießt es sich dann mit dem Platzerl im Nichtraucher-Bereich (schreibe ich der flott-flapsigen Aufnahme am Telefon zu). Wir bekommen dennoch einen netten Platz (denselben wie das letzte Mal), allerdings werde ich etwas später das Gefühl nicht los, dass wir jemandem den Tisch vor der Nase weggeschnappt haben, denn zwei Personen müssen an der Theke warten, bis ein weiterer Tisch frei wird. Dieser Umstand, und der Versuch, uns den Brotkorb vom Gedeck vor jedem weiteren Gang 'wegzunehmen', bekräftigt die Servicenote. Ansonsten wird ordentlich serviert und mit einem Lächeln nachgefragt, ob es geschmeckt hat. Zu Stoßzeiten servieren der Chef und seine Helferlein aus der Küche selbst aus.

Maishendlfilet auf Mozzarella-Paradeiser und Currysauce
Paradeiser-Mozzarella-Paradeiser wie die Ringe der Automarke aneinander gereiht, darauf mittig das Hendelchen drapiert, dazu ein Gewürzstämmchen und ein knuspriges Dreieck. Die Currysauce kommt in Form von Punkten daher. Gut.

Paprikaschaumsuppe
Im Glas serviert, sehr gute cremige Konsistenz und Paprikageschmack in Reinkultur. Obenauf schaumig geschlagen, hoffentlich will niemand, dass man es durch das eingesteckte Schnittlauchrohr schlürft. Ein paar geröstet Schwarzbrotstücke. Sehr gut.

Roter Wels im Speck auf Paprikakraut
Das Paprikakraut ist dermaßen mollig-gschmackig. Der Wels innen noch ganz leicht glasig und von etwas knusprigen Speck umschlossen. Einzelne knusprige Erdäpfelwürfel. Sehr gut.

Gebackene Hühnerleber mit Preiselbeeren und Erdäpfelsalat.
Das Stück Leber etwas aufgedreht, Panier sehr gut abgetupft. Leicht süßlich marinierter Erdäpfelsalat im Extraschälchen mit Lauch, sowie etwas Preiselbeeren im gebogenen Servierlöffel. Sehr gut.

Butterschnitzel vom Kalb auf Erdäpfelpüree mit Steinpilzen
Aus der Karte würde ich mir ein Butterschnitzel nur mangels Alternativen bestellen. Dieses Exemplar ist außen sehr knusprig und innen leicht flaumig. Das Püree ist in Ordnung, die Pilze und der Saft sehr würzig abgeschmeckt. Sehr gut.

Somlauer Nockerl
Ich weiß, dass es von dieser Nachspeise mannigfaltige Versionen gibt und auch weiterhin geben wird. Dieses Dessert ist von meiner Vorstellung von Somlauer Nockerln bisher am weitesten entfernt. Die Masse ist Tiramisu-ähnlich, dazwischen Schokopuddingcreme, flankiert von Schlagobers und Früchtedekor. Ein wohlwollendes Gut.

Leider stimmt das Menü auf der Homepage in nicht einmal einen Punkt mit dem tatsächlichen Speisen überein. Nicht schlimm für mich, da mir alles geschmeckt hat, meine Begleitung ist ob der Aversion gegen Leber kurzfristig etwas blass geworden (manche Dinge sollte man im fortgeschrittenen Alter neuerlich ausprobieren – es lohnt sich!). Ein weiterer Happerl-Besuch im nächsten Jahr steht schon auf dem Programm, mit dem a-la-carte-Angebot bin ich weniger glücklich.

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja23Gefällt mir13Lesenswert12

Kommentare (1)

am 8. Dezember 2014 um 15:59

Sehr schönes Update.
Gerry

Gefällt mir1
Experte
215
47
Landgasthaus Assl
Margarethner Straße 3
2434 GÖTZENDORF an der Leitha
Niederösterreich
Speisen
Ambiente
Service
43
38
41
14 Bewertungen
Landgasthaus Assl - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK