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Vishnite - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 3. Juni 2013
Experte
adn1966
80
48
22
4Speisen
4Ambiente
5Service

Ein interessanter Abend im Freihausviertel. Schon länger ging ein Rumoren durch die bulgarische Community in Wien, - das „Vishnite“ hat eine Dependance in Wien eröffnet. Kurz zur Erklärung: das „Vishnite“ (zu Deutsch „die Weichseln“) gilt in Sofia als eines der besten Restaurants, als Geheimtipp, viele Stimmen meinen sogar, es sei das beste Restaurant, das man in der bulgarischen Hauptstadt finden kann. Und nein, keine Modeerscheinung, das „Vishnite“ hält diese Position schon seit seiner Eröffnung im Jahr 1998.

Sehr klein (15 Plätze) schaffte es dieses Lokal bisher (ich muss zu meiner Schande gestehen, selbst noch nie dort gewesen zu sein), auch einige Preise einzuheimsen. Das Konzept: klein, aber fein, Küche auf hohem Niveau, traditionell Bulgarisches französisch und auch dezent orientalisch interpretiert („Rezepte der bulgarischen Oma, verfeinert mit französischen Einsprengseln“ – O-Ton „Die Presse“).

Und nun hat sich das Besitzerehepaar, Neli und Ljudmil Stankovi, zusammen mit einer Geschäftspartnerin, Lilyana Stoilova, die seit 11 Jahren in Wien lebt und in Eisenstadt Weinbau studiert hat, entschlossen, die Wiener Restaurantszene mit einer Dependance des „Vishnite“ zu bereichern. Eröffnet wurde Mitte April in der Mühlgasse im Vierten, einen Steinwurf vom Naschmarkt entfernt, mitten in einer, sagen wir einmal nicht gerade lokalarmen Gegend. So weit, so mutig.

Man betritt das Nichtraucherlokal durch einen Raum, in dem auch die Schank, sowie eine Käsetheke untergebracht sind. Farblich ist das vorherrschende Thema stilgerecht rot (Weichseln), etwas weiter im Lokalinneren befindet sich erhaben ein weiterer Raum, ebenfalls vorwiegend in Rot gehalten, ebenfalls stilvoll und doch modern eingerichtet. Im Untergeschoß, wo auch die sehr modernen und sauberen Toiletten zu finden sind, gibt’s noch einen Raum, der wahrscheinlich auch für Veranstaltungen genutzt wird.

Wir werden von Frau Stoilova zu unserem Tisch begleitet und erfahren gleich etwas über die von ihr ausgewählten Weine. Alles Bekannte aus ihrem Weinbaustudium, kaum große Namen, aber dafür durchwegs aufstrebende und allesamt erstklassige Winzer. Wir bekommen die Speise- und Weinkarten und widmen uns dem Studium und der Bestellung:

Die Vorspeisen: einmal „Tarator“ (€ 4,50), eine klassisch bulgarische Vorspeise. Gurken-Joghurt Suppe, fein mit Dille abgeschmeckt, die Gurken schön knackig. Einmal ein Avocado Salat (€ 9,90), einmal ein Zucchini Salat (€ 6,90) und einmal (für zwei Personen) ein großer Käseteller (€ 18,90)- ja ja, ich weiß, quel fauxpas, Käse als Vorspeise, es war uns einfach danach. Umso mehr, als mein guter Freund und Tisch-gegenüber und ich, nach klassisch bulgarischer Tradition beschlossen, die Vorspeisen mit einem bulgarischen Schnaps begleiten zu lassen (in Bulgarien trinkt man den, vorwiegend aus Weintrauben gebrannten Schnaps vor dem Essen). Außerdem ist Frau Stoilova nicht nur Wein-, sondern auch Käseexpertin, also wollten wir’s wissen.

Es kam eine Platte mit sechs Stück Käse, (ich glaube) drei davon Ziegenkäse in unterschiedlicher Ausprägung. Zu allen Käsen wusste Frau Stoilova kompetent etwas zu erzählen, es wäre allerdings anzuraten, vorher mit dem Gast zu klären, ob er Ziegenkäse-Afficionado ist. In Summe waren die Käse gut gewählt, von hart bis frisch bis „fortgeschritten“ war es ein interessanter Streifzug. Dann noch der Klassiker der bulgarischen Küche, ein „Shopska“ Salat, (€ 7,90) - Gurken, Tomaten und Schafkäse.

Beim Shopska kann man ob seiner Einfachheit eigentlich wenig falsch machen, die Produkte waren allesamt frisch und ausgezeichnet, die Marinade leider etwas fad, ihr fehlte das gewisse Etwas. Der Schnaps war, wie man es von den guten bulgarischen Bränden kennt, sehr mild und trotzdem sehr aromatisch, in diesem Fall von der Mavrud-Traube, einer für Bulgarien sehr typischen Rebsorte.

Die Hauptspeisen: 1x „Sarmi“ (€ 15,50), kleine Krautrouladen, diesmal ungewohnt mit Putenfleisch zubereitet. 1 x ein Rindsburger (€ 15,90), en lieu der Brotlaibchen gab’s knusprige Polentascheiben. Der Burger in Geschmack und Konsistenz hervorragend, und auch die Polentascheiben waren, obwohl ich mich nicht zum Polenta-Fanclub zugehörig fühle, sehr gut. Dann noch 2 x ein Moussaka, das nicht nur Teil der griechischen, sondern auch der bulgarischen Küche ist. Klassisch wird das Moussaka in Bulgarien mit Faschiertem zubereitet, hier gab’s eine Interpretation mit geschnetzelten Lammfleischstücken.

Es war eine interessante Abwandlung eines Moussakas, durch eine etwas orientalischere Würzung und das Lammfleisch hatte es für mich nicht mehr allzu viel mit dem Original zu tun. In Zeiten moderner Fusionsküchen eine durchaus zulässige Interpretation dieses Gerichts, ich persönlich bin wahrscheinlich zu sehr „Purist“. Bulgarische Küche soll bulgarisch sein, österreichische Küche österreichisch, etc. Ich bin kein Freund von Saibling-Sushi oder asiatischen Krautfleckerln, aber das ist selbstverständlich meine subjektive Meinung. In punkto Kochkunst, Handwerk, Frische und Qualität der Produkte konnte man durchaus erschmecken, dass im „Vishnite“ auf hohem Niveau gekocht wird.

Das Highlight für mich waren die Nachspeisen. Schoko-Nussknödel in Weichselsauce (€6,90). Ein echter Genuss. Geschmacklich sehr gut und auch thematisch zum Lokalnamen passend. Dann noch eine Apfeltarte (€ 4,90), die ebenfalls sehr, sehr gut war.

Die Weinbegleitung war in Ordnung, es wurde ein Pinot Noir eines mir völlig unbekannten Winzers aus dem Burgenland (glaube ich) gereicht. Bei der Weinkarte fällt allerdings auf, dass man sich mit Ausnahme von 2 oder 3 Weinen relativ schnell in eine Preiskategorie deutlich jenseits von € 200,- pro Flasche katapultiert. Finde ich persönlich ein wenig schade, zumal es sowohl in Österreich, aber auch in Bulgarien doch eine Menge guter Winzer gibt, deren Bouteillen sich weit günstiger verkaufen lassen, ohne Abstriche bei der Qualität machen zu müssen. Außerdem glaube ich persönlich nicht wirklich, dass dieses Preissegment für das künftige Publikum im „Vishnite“ der Renner sein wird.

Abschließend gab’s für mich noch meine zwei obligatorischen Ristretti, diesmal zu meiner vollsten Zufriedenheit, was Geschmack (Rösterei Alt Wien) und Konsistenz betrifft.

Fazit: sehr, sehr nettes Ambiente und ein wirklich bemühtes und freundliches Team. Die Küche kann was, das besondere „Etwas“ hat mir (und auch der Liebsten) noch ein wenig gefehlt, aber auch das liegt vielleicht an unserem persönlichen Geschmack. Das „Vishnite“ ist preislich eher oben angesiedelt (Gesamtrechnung zu Viert € 230,-), in Produktqualität, Service und Ambiente wird es diesem Niveau auch durchaus gerecht.

Wir werden das „Vishnite“ sicherlich wieder besuchen, es ist aus meiner Sicht jedenfalls ein empfehlenswerter neuer Stern am Wiener Gastrohimmel.

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Kommentare (5)

am 3. Juni 2013 um 15:36

Wie schön, wenn sich die Vorlieben für gutes Essen/Trinken und Bulgarien so trefflich vereinen lassen!

Gefällt mir1
89
34
am 3. Juni 2013 um 15:35
Experte
63
50
am 3. Juni 2013 um 15:35

Mmmmm....
PS: hast du noch nie Krautfleckerl mit Staberln 'gessn? ;-))

Gefällt mir1
Experte
315
75
am 3. Juni 2013 um 15:18

Doch doch, das "Freiwild" ist gleich nebenan.

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Experte
80
48
am 3. Juni 2013 um 14:47

Das ist die gleiche Adresse wie vom "Freiwild". Gibt es das nicht mehr oder ist das ein Zufall?

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Experte
63
50
Vishnite
Mühlgasse 20
1040 Wien
Speisen
Ambiente
Service
40
40
50
1 Bewertung
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