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Chinarestaurant No. 27 - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 10. Mai 2013
Update am 15. August 2013
Experte
langnan
58
16
21
4Speisen
3Ambiente
4Service

Kurztrip mit meiner Frau in die Stadt hinein und wir nahmen das Chinarestaurant No. 27 unter die Lupe. Mit dem öffentlichen Verkehr nicht wirklich gut zu erreichen wenn man nicht weiss, dass die Strassenbahn 0 vor dem Lokal eine Station hat.

Das Lokal ist von außen wirklich sehr unauffällig, die Umgebung ist auch nicht gerade eine Augenweide. Das Ambiente ist recht einfach, sieht eher aus wie eine Restaurant&Bar-Lokal.

Zur Vorspeise bestellten wir eine klare Suppe mit Gemüse und Schweineblutkuchen, eine Mais-Eiersuppe mit Hühnerfleisch und einmal zarte Seidentouf mit pikant-säuerlichen Sauce.

Die klare Suppe beinhaltete außer Schweineblutkuchen Bambusscheiben und bisschen Lauch. Die Suppe war mit chinesischem Essig gewürzig, leider etwas zu viel, sodass der saure Geschmack dominierte. Der Schweineblutkuchen gefiel mir vom Konsistenz her auch so gut.

Meine Frau kriegte ihre Suppe wesentlich später weil die Kellnerin mich falsch verstand und uns zweimal die klare Suppe brachte. Nachdem ich mich zu diesem Missverständnis äußerte wurde die Suppe ohne Probleme ausgetauscht. Die Suppe war ganz ok, besser als die klare Suppe.

Meine Frau probierte den Seidentofu und es schmeckte ihr ausgezeichnet. Dieser Tofu ist sehr zart, ähnlich wie ein Pudding und die Soße ist auch recht kräftig gewürzt mit einem pikanten Nachgeschmack im Rachen. Wer sich nicht vor Innerein ekelt kann die Konsistenz des Tofus durchaus mit Hirn vergleichen. Deshalb heißt er direkt aus chinesisch übersetzt "Tofu-Hirn", Dou Fu Nao.

Für den Hauptgang wählten wir Yu Xiang Qie zi (Melazanie mit Yu Xiang-Geschmack), Suan Cai Yu (pochierter Karpfen mit Sauerkraut) und Shui Zhu Yao Hua (Nieren in Chili-Sauce), zweimal weisser Reis.

Der Melanzanie kam zuerst auf den Tisch. Er ist geschält und mit faschierem Fleisch gebraten. Ich muss sagen wirklich gut gemacht. Das Gericht schmeckt fast genau so gut, wie ich es seit dem Kindesalter mir Melanzanie aus der Kantine gemerkt habe. Nicht falsch zu verstehen, denn Privatisierungen in den 80er war in China eine Seltenheit. Viele gute Köche arbeiteten in diversen Kantinen. Ein Portion weisser Reis dazu ist genau richtig.

Paar Worte zu "Yu-Xiang". Bedeutet "Fisch-duftend", ist aber kein Fisch. Man verwendet Zutaten, die in der chinesischen Küche auch für die Fischzubereitung verwendet wird z.B. Lauch, Ingwer, Knoblauch und verleiht dem Gericht ein Aroma wie vom Fisch. Der Geschmack ist eine Kombination aus salzig, sauer, süß, scharf und nicht nur scharf. Sie ist eine Vorbezeichnung für viele Gerichte die auf diese Weise gemacht werden.

Die pochierten Nieren wurden im Chiliöl schwimmend in einer großen Schale serviert. Nur Chiliöl zu sagen ist eigentlich nicht richtig, weil "Shui Zhu" beinhaltet neben Chili auch sehr viel chinesichen Pfeffer, wo der Geschmack noch deftiger wird. Über den Nieren war geschnittenen Ingwer und Lauch, darunter konnte man Chinakohl rausfischen. Niere hat meiner Meinung nach nicht viel Eigenschmack, riechen auch noch ein bisschen. Aber gut geschnitten und kräftig gewürzt ist sie was Feines. Dieses Gericht war sehr zufriedenstellend, der Geschmack des Fonds drang gut durch die Niere durch und war auch recht scharf.

Der Fisch ist in Scheiben geschnitten auch in einer großen Schale serviert aber der Fond war anders als bei den Nieren milchig, schmeckte dementsprechend auch nicht so scharf sonder mehr sauer. Ich vermute der Sauerkraut war selbstgemacht, zumindestens kenne ich diese Art noch nicht. In Nordchina macht man mit Chinakohl Sauerkraut, aber diese waren aus einem Kraut gemacht, den man auch in den Chinageschäften bekommt. Das Aroma ist wirklich interessant. Der Karpfen ist ein bisschen zu fett für dieses Gericht bzw. das Fleisch ist nicht fest genug, aber das ist auch nicht wirklich einen Mangel.

Zum Schluss servierte man uns etwas Honigmelone als Geschenk, nett.

Fazit: Gute SiChuan-Küche und sehr authentisch. Für die Art wie Chinesen essen (mehrere Gerichte) ist es bisschen teuer, aber auf pro Gericht gesehen ist der Preis vernünftig. Ich möchte eher was zur SiChuan-Küche schreiben, die Bewertung steht eh schon da.

Anscheinend kommen einige wegen der Schärfe, aber man soll beachten, dass Schärfe nicht gleich Schärfe ist. Chili kam erst im 16/17. Jahrhundert nach China, die SiChuan-Küche existierte aber seit 2000 Jahren. Deshalb ist die Schärfe durch Chili vergleichsweise nicht so unbedingt traditionell und es gibt durchaus viele nicht-scharfe Gerichte. Vor dem Chili würzte man mit andere Sachen die Schärfe, besonders der chinesischer Pfeffer ist nach historischen Angaben in 30% aller Gerichte vorhanden. Außerdem muss man beachten, je nach Geographie und Klima verändern Pflanzen ihre Eigenschaften. Ein typischer SiChuan-Koch nimmt lieber Gewürze aus der Heimat und die Chilisorten aus SiChuan haben eine besodere Note. Die Schärfe aus der SiChuan-Küche ist auch nicht nur scharf, sonder in Verbindung mit dem chinesischen Pfeffer eher "kribbelnd-scharf", auf chinesisch "Ma-La". Nach dem Verzehr des chinesischen Pfeffers gibt es in Mund und an den Lippen ein leichtes Taubheitsgefühl, und manche westliche Leute die zum ersten Mal SiChuan-Küche probierten beschwerten sich deshalb über eine "Lebensmittelvergiftung".
Scharf sollte man auch mit Bedacht essen, denn eine regionale Küche hat auch viel mit Ernährungswissenschaft und Medizin zu tun. Bestimmte Zutaten und Gewürze wirken heilend und unterstützend für diejenigen, die dort leben. Mit SiChuan als Beispiel (natürlich ist SiChuan groß, fünf mal größer als Österreich und das Klima ist wechselhaft), fast das ganze Jahr ist schwül, feucht, nebelig und besonders im Sommer unerträglich. Scharf zu essen hilft gegen diese Feuchtigkeit und Schwüle anzukämpfen, man fühlt sich frischer danach. Ich war noch nicht in SiChuan, aber kenne viele SiChuan-Chinesen, die nach Peking kommen und weiter viel scharf essen. Mit der Zeit kriegen sie gesundheitliche Probleme oder zumindestens Pickeln. Der Grund Peking ist ein trockener Ort, hier braucht der Körper nicht gegen Feuchtigkeit zu kämpfen. Bei Überkonsum von Schärfe gerät der Körper außer Gleichgewicht. Außerdem wirkt Schärfe sich sehr auf das Temperament aus, nicht unbedingt immer günstig. Deshalb rate ich ab blind scharf zu essen um nur Geschmacksknospen zu bombardieren.

Bei Dim-Sum sollte man wissen, dass jede chinesische Provinz ihre eigene "Häppchen" hat. Die meisten kennen aber nur Dim-Sum von der kantonesische Küche. Dieses Restaurant ist nicht auf Dim-Sum ausgelegt. Auch die kantonesischen Dim-Sum schmecken am Besten frisch gemacht und hier in Wien, wo die chinesische Kultur allgemein noch ungenügend vertreten ist, muss man sich wohl meistens mit gefrorenen Massenprodukte zufriedengeben.

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Kommentare (11)

Anita47 am 20. November 2013 um 14:43

@langnan ich war am Samstag im Lokal und gestern Abend gleich nochmals, das Essen hat uns hervorragend geschmeckt und war wirklich interessant, ich habe unter anderem die Kutteln in Chiliöl gegessen, gebratene Wantan, doppelt gebratenen Schweinebauch und noch ein paar andere köstliche Gerichte. Das Service ist sehr bemüht und freundlich, sogar ein ganz guter Wein wird angeboten. Dim Sum sind jetzt nicht die besten die ich je gegessen habe aber auch nicht schlecht!

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Anita47
Kein Tester
am 15. November 2013 um 14:37

Bin in der letzten Zeit nicht ins Restaurant gegangen. Der wichtigster Grund ist, ich probiere die vegetarische Ernährung nach dem chinesischen Buddhismus, das heißt nicht nur keine tierische Produkte, sondern auch keine scharfe Sachen wie Knoblauch, Lauch, Chili, Zwiebeln usw.. Werde diese Ernährungsweise noch für die nächste Zeit weiter fortführen.
@Anita47: Hallo! Vielleicht findest du trotzdem unter meinen Beiträgen ein chinesisches Restaurant, dass dich interessiert.
@schlitzaugeseiwachsam: Da ich mich sehr für die chinesische Kultur interessiere, kenne ich paar Sachen aus der chinesischen Medizin.

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Experte
58
16
am 14. November 2013 um 12:20

Langnan, praktizierst du traditionelle chinesische Medizin? :)

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Experte
152
83
am 14. November 2013 um 12:18

siehe oben :)

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83
Anita47 am 14. November 2013 um 12:12

Ich bitte um eine Empfehlung für ein gutes authentisches chinesisches Restaurant!

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Anita47
Kein Tester
am 14. November 2013 um 12:06

Ich folge ganz deiner Empfehlung! Du bist der China(food)experte

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Experte
152
83
am 14. November 2013 um 10:49

Wäre ganz nett wenn wir einmal zusammen essen gehen könnten. Da sollten wir uns ein gutes chinesisches Restaurant aussuchen. ~_~

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Experte
58
16
am 14. November 2013 um 08:59

Lasst uns zusammen chinesisch essen gehen! ;)

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83
am 13. November 2013 um 23:49

danke für diese kritik und vor allem danke für die tolle "Yu-Xiang" erklärung. ich liebe diesen geschmack einfach und wollte schon immer wissen, was das genau ist. :) ich würde auch sehr gerne mit dir essen gehen!!! :D

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Experte
85
16
am 11. September 2013 um 13:09

Mit Dir möchte ich mal chinesisch essen gehen. ;)

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Experte
152
83
am 10. Mai 2013 um 18:00

Darf ich vorstellen? Meisterbewerter der chinesischen Küche Lang-Nan.

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Experte
152
83
Chinarestaurant No. 27
Ungargasse 27
1030 Wien
Speisen
Ambiente
Service
40
28
38
16 Bewertungen
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