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Mautwirtshaus - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 4. Februar 2013
Experte
bubafant
283
71
29
2Speisen
2Ambiente
3Service
24 Fotos1 Check-In

In der Fußgängerzone nahe der Kirche befindet sich das Mautwirtshaus. Laut Geschichte (© Homepage) besteht es seit Jahrhunderten als Gasthaus (das Gulyas-Rezept soll aus dieser Zeit stammen), teils nur mit Küchenbetrieb für die Bevölkerung (Volksküche) und als Versorger der Häftlinge des Bezirksgerichtes. Seit Jahrzehnten wird eine Kleinkunstbühne betrieben (Kabarett, Konzerte, Vorträge, Tanz und Musik). Mit einem Wort eine Institution.

Nach dem Eingang befindet sich links eine Theke, eher den Stammgästen vorbehalten, weiter in das Hausinnere weiter geht rechts ein Extrazimmer ab. Selbst am 'Gang' stehen Tische. Auf Bitte nach einem NR-Plätzchen bekommen wir quasi die letzten beiden Plätze zugewiesen. Der Tisch wird huschhusch mit den Händen sauberge'wachelt' und wir nehmen im gleichen Mief Platz, der sich durch das ganze Lokal zieht. Küchendunst. Rauch, der sich natürlich überhaupt nicht darum schert, dass er die geöffnete Tür nicht durchziehen darf.

Nach langen 10 Minuten bekommen wir die Speisekarte. Im düster gehaltenen Raum ist es beschwerlich, alles lesen zu können. In Leder gebunden, eine Seite aktuelle Angebote, die zweite Seite schon humorig eine Gebrauchsanweisung nach Karl Valentin, dessen Paragraph 7 besagt: Rauchen ist in allen Räumen erlaubt, ebenso das Nichtrauchen. Aha, deswegen also.
Die restliche Karte besteht aus den üblichen Angeboten eines Gasthauses, ob die Schreibfehler in der Karte und auf der Homepage altösterreichisch sind (laut Homepage wird Altösterreichische und Internationale Küche geboten), bezweifle ich.

Da nach der Bestellung der Getränke viel Zeit vergeht, wird diese für einen Rundumblick genutzt. Wir sitzen in einem Gewölberaum, dessen hinterer Teil erhöht Bücherregale und einen Lehnsessel präsentiert. Ein Stammgast erwähnt später in einem für alle hörbaren Telefonat 'mir sitzn beim Mayer im Kindazimma!'. Der Tisch ist mit Stofftischdecken eingedeckt. Menage und Kerzendeko. Sowie Programme für die Kleinkunstbühne. An den Wänden viele Ehrungen und Mitgliedschaften der Wirtsleute. Die Holzstühle (teilweise mit Sitzpolster) etwas unbequem aufgrund der tief gebogenen Lehne.

Gäste am Nebentisch, die nach uns gekommen sind, bekommen ihr Essen serviert. Auf Nachfrage, wo der bestellte Mayonnaise Salat geblieben ist, kommt 'des steht ned auf mein Zeddl' als Antwort vom Kellner. Toll. Wir haben noch nicht einmal unsere Getränke …
Als unsere Vorspeisen endlich serviert werden, bekommen auch wir eine schnoddrige Antwort auf die Frage, ob unsere Getränke eventuell vergessen wurden – 'ka aunung, i bring nur des essn'. Nachdem endlich die Kellnerin die ausgefallenen Getränke, wie Apfelsaft, Cola und Mineralwasser bringt, kann ihr ihr sagen, dass ich gerne Besteck zu meiner Vorspeise hätte. Der Kellner kommt wieder an unserem Tisch, aber nur um an der Tischkante das in Papierservietten eingewickelte Besteck fallen zu lassen. Für beide. Auch für die Suppe.

Die Frischkäseröllchen im Speckhemd auf Vogerlsalat (EUR 5,80) werden mit einem Brotkörbchen serviert. In dem die armen Gebäckstücke auf dem Kopf liegen müssen, diese werden nicht konsumiert. Optisch und inhaltlich habe ich mir etwas anderes erwartet. Das Speckhemd ist ein Schwarzwälder Schinken, nicht abgebraten. Der Frischkäse extrem geil und kaum gewürzt. Und der Vogerlsalat ist schlecht geputzt, nicht mariniert und schwimmt im Öl der Frischkäseröllchen. Die Cocktailtomaten am Tellerrand retten dieses Gericht nicht mehr.

Meine Hoffnung liegt auf dem nächsten Gang. Tiroler Leber mit Speck und Apfel (EUR 10,20). Die Umbestellung der Braterdäpfel auf einen gemischten Salat ist problemlos.
Drei Stück Leber mit Schmetterlingsschnitt. Leider flachsig. Der darübergelegte Speck hat die Pfanne keine Minute von Ihnen gesehen, nicht knusprig, nur letschert. Die Äpfel sind bis auf verbrannte Bratreste (von was eigentlich?) genießbar. Die Sauce war wahrscheinlich nie eine, ungewürzt, gestreckt und als erstes wird die gestockte Haut entfernt.

Gut, also wende ich mich dem Salat zu. Aber es geht leider in dieser Tonart weiter. Die obenauf liegenden Blattsalate sind nur gewaschen. Ohne Marinade. Auf Nachfrage, ob dem so sein kann, wird uns Essig und Öl zum selberwürzen gebracht. Das Bild der sicherlich im Dauereinsatz befindlichen Essigflasche spricht Bände. Die Flasche klebt nicht nur außen, sondern nimmt beim Hochheben auch gleich den Ständer mit. Und klebt dann am Tischtuch. Die wenigen Tomaten, Gurken und Kartoffelstücke (mit Wellenschnitt …) schwimmen in einer nichtssagenden Flüssigkeit und das mit Sicherheit schon länger. Da hoffentlich kein Koch einen Erdäpfel zur Hälfte mit schwarzen Flecken in einen Salat schneiden würde, unterstelle ich hier mal einiges.

Beim Abservieren wird einfach automatisch gefragt, ob eh alles in Ordnung gewesen ist, obwohl fast die Hälfte des Essens am Teller geblieben ist. Mein persönliches Komik-Highlight sind zwei arme Touristen gewesen, die im 'NR-Bereich' nur warten wollten, bis ein Rauchertisch frei wird. Der wird ihnen dann auch nach fast einer halben Stunde angeboten. Im Extrazimmer. Bei den Trauergästen.

Fazit: Schwierig. Nach ReTeRecherchen war dieses Lokal nach der Urlaubssperre des Favoriten unsere Nummer zwei. Empfehlung kann ich keine abgeben, hat das Lokal aber auch nicht nötig – das Mautwirtshaus scheint immer voll zu sein. Vor allem zu Zeiten des Mittagsmenüs (3 Gänge um ~ EUR 6,-, bis 14:00 Uhr). Die Qualität oder die Preise können es meiner Meinung nach nicht sein. Einziger Lichtblick im Service war die Kellnerin mit ihrem etwas gewöhnungsbedürftigen Humor. Selbst der gepriesene Schanigarten wird uns im Sommer nicht anlocken können. Doch nicht so schwierig.

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Kommentare (11)

am 5. Juli 2013 um 00:38

@bubafant: elider erst heute lese ich Deine Review. Das ist einmalig !!!!! Wenn Du nicht schon dort gewesen wärst, würde ich mit Dir gerne hingehen. Nach diesem Abend das alles noch mit so viel Humor zu beschreiben, ist wirklich bewundernswert ! Allein chon fürs Literarische ein " Lesenswert ". !!! Es ist ein bißchen unfair, aber wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir, daß Du noch öfter solche gastronomischen Erlebnisse hast und sie uns hier genau so ausführlich und mit ebensolchem gelassenen Humor schilderst :-))

Gefällt mir1
58
15
am 7. Juni 2013 um 12:30

Unregistered: was soll man glauben - deine Beschimpfung oder eine lückenlose Beschreibung der Mängel?

Gefällt mir2
Experte
315
75
Unregistered am 20. Mai 2013 um 23:09

was bist du für ein schnösel? das mautswirtshaus ist das beste wirtshaus. ich empfehle es absolut jedem, der gutes essen zu schätzen weiß!

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Unregistered
Kein Tester
am 4. Februar 2013 um 18:11

Was wäre eigentlich dein Favorit gewesen?

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Experte
98
50
am 4. Februar 2013 um 17:56

Ach so, verstehe. Dass mir eine Urlaubssperre vom Mauts entgangen wäre, hätte mich wirklich schwer gewundert.

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Experte
98
50
am 4. Februar 2013 um 17:51

Unser Favorit hat(te) Urlaub.
Das Mautwirtshaus war die Nummer zwei unserer Recherche !

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Experte
283
71
am 4. Februar 2013 um 17:25

Es würde mich interessieren, woher du das mit der Urlaubssperre hast. Ich bin praktisch wöchentlich im Mautswirtshaus und in all den Jahren gab es so etwas hier nicht. Das Mauts hat lediglich am 24. und am 31. Dezember zu. Am 24. glaub ich haben die zu Mittag offen, bin da aber nicht sicher.

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Experte
98
50
am 4. Februar 2013 um 11:26

Die Skrupel bei einer 1 für die Speisen hätte ich bei den beschriebenen Mängeln wahrscheinlich nicht gehabt...

Gefällt mir1
Experte
258
31
am 4. Februar 2013 um 11:09

Für eine 1 hatte ich doch noch Skrupel …

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Experte
283
71
am 4. Februar 2013 um 11:03

amarone1977 - wie recht du hast

Gefällt mir3
Experte
301
58
am 4. Februar 2013 um 10:55

bubafant: dafür war aber die 2 für's Essen aber eh human!

Gefällt mir4
Experte
315
75
Mautwirtshaus
Kaiserin Elisabeth Str. 22
2340 Mödling
Niederösterreich
Speisen
Ambiente
Service
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