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Das Turm - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
Diese Review zählt nicht für die Gesamtwertung des Lokals, da dieser Tester dieses Lokal bereits neuerlich bewertet hat.
am 28. Jänner 2013
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
4Ambiente
4Service
62 Fotos6 Check-Ins

Exklusiv-Genuss über den Dächern Wiens.
Genieße ein kulinarisches Sinnesfest, dein 6-Gänge-Dinner "Durch den Wind" in luftiger Höhe im 22. Stock mit einem atemberaubenden Blick auf Wien.
Der Deal um EUR 49,- (statt EUR 102,-) pro Person.
Da ich immer schon mal ins Restaurant Das Turm wollte – eine perfekte Gelegenheit. Auch wenn es im Winter ist. Problemlose Online-Reservierung über die Restaurant-Plattform mit professioneller mail-Bestätigung.

Das/Der Turm thront prominent am Wienerberg und gehört schon von weitem zu einem vertrauten Anblick, wenn man sich Wien vom Süden nähert. Vier Stunden Parken in der Tiefgarage gehören dazu (bei jedem Restaurantbesuch, mittags zwei Stunden) und deswegen reisen wir ohne Stress an. Ab der Einfahrt in die Garage, über die Rampe hinauf, das Geschlängel innerhalb des Turmes – immer wird man von perfekten Hinweisen auf Boden und Wand geleitet. Bis zum Lift und damit direkt in den 22. Stock.

Nach dem Ausstieg aus dem Lift befindet man sich in einem kleinen Vorraum, durch die Schwingtür anschließend betritt man das Lokal. Die Jacken werden abgenommen und verstaut. Linker Hand der Platz mit dem Reservierungsbuch in elektronischer Form und meinem Wunsch nach einem Platz am Fenster wird Folge geleistet und wir werden zum Tisch gebracht. Rechts schmiegt sich eine elegante Bar ins Rund. Dahinter befindet sich die Küche. Die geätzten Schiebetüren lassen hin und wieder einen Blick hinein werfen. Die Tische an der Fensterfront entlang sind jeweils für zwei Personen gedeckt, der zweite Tisch ins Innere dient nur der Dekoration. Daran anschließend noch ein kleines Tischchen mit Kerzendeko und die Getränkeflaschen werden darauf abgestellt.

Die Aussicht im Dunkeln ist natürlich nur halb so atemberaubend. Man sollte Wien schon etwas kennen, um im Dunkeln Zuordnungen treffen zu können. Einzig der Wasserturm wird noch etwas beleuchtet und ist gut erkennbar. Ein Grund, in der helleren Jahreszeit nochmals zu kommen.

Obwohl im Deal steht, dass das Menü nicht für Allergiker geeignet ist und für eine rein vegetarische Variante ein Unkostenbeitrag erhoben wird, fragt der Kellner nach, ob wir Unverträglichkeiten oder Ekel gegenüber Speisen haben. Die Tiroler Kellnerin fragt nach Getränkewünschen und rasselt auf die Nachfrage nach offenen Weinen erstmals die Weißweine runter. Der Hauswein/Cuvèe aus dem Burgenland (EUR 5,-) ist leider keine Offenbarung und bringt für den nächsten Tag Kopfschmerzen. Die Flasche Römerquelle (EUR 5,50) ist quasi fast eine Zwangsbeglückung.

Der Tisch ist eigenwillig eingedeckt. Weiße Stofftischdecke und –serviette. Die Gläser liegen auf dem Tisch, zum Teil übereinander. Ob das etwas mit dem Motto zu tun hat erschließt sich mir nicht. Am DekoTisch liegen weiße Styroporschnipsel und ein paar silberne Irgendwas. Schön ist anders. Auf einigen anderen Tischen ist mit roten Blüten ein Herz gelegt. Aber bei uns ist offensichtlich alles ‚durch den Wind‘. Auch das Besteck. Die wechselnde Richtungsabfolge ist noch ok. Allerdings liegt es Seitenverkehrt.

Das Couvert wird gebracht.
In einem großen Glas stapelt sich das Brot in den Sorten Weiß, Roggen, Oliven und Kürbiskern und auf einem Extrateller etwas leicht gesalzene französische Butter in Stangenform. Das Roggenbrot erinnert optisch an einen Schokokuchen und ist das fadeste. Die anderen Sorten sind sehr gut und allesamt frisch.

Der Gruß aus der Küche wird im Duo serviert.
In einer Art 'Sardinendose', umnebelt von Watte auf Schieferteller hat sich die Küche eine Gänseleberespuma auf Toastbrot an Blutorange und Gel von Cola ausgedacht. Wirklich nur ein Minihappen, aber sehr gut. Jede einzelne Geschmackskomponente zerschmilzt auf der Zunge.

Weiter geht es mit dem ersten Gang und zwar dem "Geheimnisvoller Nebel im 22. Stock". Recht routiniert werden von der Kellnerin die Zutaten der einzelnen Gänge beschrieben. Nach dem Hinstellen der Teller (Servieren funktioniert eben nur bei ausreichend Platz) wird zwischen den Tellern der Nebel aus dem Trockeneis herausgeholt. Nette Idee. Nach dem Verwabbern der Wolken können wir uns dem Hühnerfarcenockerl mit Kürbis und lila Senf widmen. Die drei Verarbeitungsarten des Kürbisses bringen jeweils neue Geschmacksrichtungen hervor, das Nockerl ist ein Highlight auf dem Teller. Die 'Brösel'des lila Senfs hätte ich niemals zuordnen können.

Das Menü setzt sich mit der "Suppe aus der Wolke" fort.
Wieder eine ausgefallene Serviermethode. Der tiefe Teller fast leer, darauf eine Plastikkugel (wie die Verschlusskappe eines Weichspülers), darin befindet sich offensichtlich die Suppe. Man überlegt schon, wie man das essen soll, hört kaum hin, was da kommen wird und schon wird vom Servierpersonal die Kugel angehoben und weggetragen. Im Teller bleibt eine Mirabellencremesuppe mit Zitronenschaum. Die Suppe von perfekter Konsistenz und ziemlich säuerlich. Nicht nur vom Zitronenschaum, sondern von der Frucht. Sehr gut. Die Brocken am Rand kann ich nicht zuordnen, unter die Suppe gemischt zergehen sie fast komplett.

Wir wollen zum Rotwein übergehen und Frau Tirol 'ratscht' das Repertoire wieder runter. Diesmal treffe ich besser und zwar einen Zweigelt/Reumann (EUR 4,70). Vom Mineral wird laufend aus der Flasche nachgeschenkt. Das Lokal hat sich mittlerweile etwas mehr gefüllt, zumindest sind alles Tische an der Außenfront entlang besetzt. Niemand isst a al carte, und die Küche liefert routiniert die jeweiligen Speisenfolgen aus. Beim Abservieren wird jedes Mal gefragt, ob alles in Ordnung ist, bzw. ob die 'Wolke' geschmeckt hat. Der Geräuschpegel hält sich in Grenzen, da vermutlich die schräg nach außen verbauten Gläser den Schall nach oben reflektieren. Ein leichter Zug weht fast den ganzen Abend, meiner Meinung nach aber aus der Lüftung.

Weiter geht es mit "Das KlimaEi". Ein Stundenei mit Quinoa, Zuckererbsenschoten, Käsechips und einer Blüte. Das Ei war eine neue Erfahrung, außen weich und der Dotter perfekt. Aber wer würde sich das zu Hause antun, eine Stunde bei einer bestimmten Temperatur pochieren? Die Zuckererbsen sind perfekt, gemeinsam mit dem Käsechips. Allerdings ist die/der Quinoa gar nicht, bzw. stellenweise versalzen. Oder später gesalzen und schlecht verrührt?

Als nächster Zwischengang folgt "Der sTurm-Zwerg macht was er will"
Vorgestellt als 'Fruchtzwerg' zur Erfrischung im kleinen Gläschen mit Aludeckel :-) darin ein Grapefruitschaum mit Cranberries. Wirklich nur ein Schaum. Die Grapefruit passt dafür perfekt. Für mich ist es zu viel gezuckert.
Nach so vielem Schaum, Espuma und Wolken hat man wirklich Lust mal etwas zum Beißen zwischen die Zähne zu bekommen und wir schließen eine kleine Wette ab, ob ein Vogel oder ein Paarhufer daherkommen wird.

Zumindest kommt es auf "Auf Wolke 22".
Ein gebratenes Maishendl auf Graupen und Pak Choi. Eindeutig der schwächste Gang. Das Fleisch ist kaum gewürzt und kaum gebraten. Die Graupen fad. Die Gemüsestücke sehr englisch. Der Schaum und Pak Choi können da nicht mehr viel retten.

Das Service fragt nach, ob wir mit dem Dessert warten wollen, oder ob es weitergehen kann. Wir wollen weitermachen (man ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht 'angepampft') und es folgt die Frage nach Kaffee und ob wir es zu oder nach dem Dessert haben wollen. Sehr gut. Bitte einen Cappuccino (EUR 3,50 mit Milchschaum).
Und es folgen die "Schneebrocken". Ein Potpourri aus kleinen Dessertleins, wie Mousse von weißer Schokolade, Kokosbaiser, Weißbier Nocke, Schokoladekuchen, Beeren-Spiegel und Beeren in Reinkultur. Der Schokoladekuchen ist mächtig und geil und obwohl er nur die Größe eines Ildefonsos hat, überlasse ich die Hälfte meiner Begleitung. Die Mousse von weißer Schokolade und die Kokosbaiser sind zusammen ein Traum, der im Mund zergeht. Die Weißbier Nocke bleibt sicher ein einmaliges Vergnügen, denn diesen Geschmack mag ich nicht in einem Dessert haben.

Die Rechnung wird in einem Weinglas mit Wattewolken und den unsäglichen Styroporteilen gebracht. Gleichzeitig mit einem Gutschein für Cocktails, den wir einen Stock tiefer in der Bar einlösen können, was wir aber ausfallen lassen. Und unser Parkticket wird noch entwertet. Beim Gehen bekommen wir unsere Jacken wieder ausgehändigt und mit dem Lift entschweben wir den Wolken.

Fazit: Meine Neugier war berechtigt. Einzelne Teile des Menüs haben sensationell geschmeckt. Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Küche neben der Perfektion der Molekularküche vergisst, die einfachen Dinge mit wirklich guten Grundzutaten ordentlich auf den Teller zu bringen. Auf alle Fälle ist es ein Erlebnis gewesen. Vielleicht ergibt sich wieder einmal eine Gelegenheit. Ausprobieren lohnt sich auf jeden Fall.

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Kommentare (3)

muttikochtambesten am 7. März 2013 um 16:06

Am Montag das gleiche Menü, mit kleinen Abweichungen, wie Bubafant genossen. War schön Ihre Review nachzulesen, da kam die Erinnerung wieder, mein kulinarisches Gedächtnis ist leider nicht sehr dauerhaft. Was am Klima-Ei so besonderes sein soll haben wir nicht verstanden. Kommt wie ein pochiertes Ei daher bei uns mit cremiger Kräuterpolenta (sehr gut), aber Eier EINE Stunde zu garen ist fürs Klima sicher nicht förderlich. Die Tischdeco mit Styropor-Verpackungsfuzerln und kitischen Silberblümchen fanden wir unnötig, schaut nach Sparmaßnahme aus. Watte gehört ins Badezimmer und net unter den Teller, ist zumindest meine Meinung. Alles in allem ein nettes Menü mit kreativen Anflügen zum wohlfeilen Preis. Weißweinbegleitung war stimmig, Service höflich und stets zur Hand, und die Aussicht ist halt wunderbar.

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muttikochtambes.
Kein Tester
am 28. Jänner 2013 um 11:25

L'amouse gueule à la bubafant. Merci!

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Experte
315
75
am 28. Jänner 2013 um 11:18

Sehr guter Bericht, danke!

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Experte
80
48
Das Turm
Wienerbergstraße 7
1100 Wien
Business Park Vienna
Speisen
Ambiente
Service
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