RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Brillantengrund - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 30. Dezember 2012
Experte
bubafant
283
71
29
4Speisen
5Ambiente
3Service
33 Fotos2 Check-Ins

Es war einmal ein junger Mann auf der Suche nach einem Hotel. Marvin Mangalino, Österreicher mit philippinischen Wurzeln. Er findet im Brillantenviertel das Biedermeier-Kleinod. Neben dem Denkmalschutz macht es ihm auch der Verpächter nicht leicht, da kaum etwas verändert werden soll/darf. Trotzdem lässt er sich auf das Abenteuer ein. So in etwa hatte ich die Geschichte im Karriere-Kurier noch im Hinterkopf, als Mitte Dezember ein Deal für ein dreigängiges philippinisches Menü angeboten (und gekauft) wird. Neben dem Hotelbetrieb kocht 'Mama' philippinische Spezialitäten, der Pächter hadert mit dem verstaubten Frühstücksraum, der Innenhof-Gastgarten ist ein Juwel. Flohmärkte, Konzerte und Ausstellungen beleben die Mauern.

Ankunft in der Bandgasse und ungläubiges Staunen: Da ist zwar das Hotel mit Leuchtbuchstaben und nett beleuchteten Fassadendetails, aber kein Hinweis auf ein Lokal. Auf den gassenseitigen Fensterscheiben sind ein Brillant und der Name eingraviert. Wir treten über den Eingang mit dem illuminiertem Hotelnamen ein und befinden uns mitten in der Hotellobby. Kein Mensch zu sehen. Nach rechts weitet sich der Raum und geht in eine Art Lounge-Bereich über. Von dort kommen leise Geräusche und angenehmes Licht. Wir folgen dem Gemurmel und finden eine raumfüllende GlasHolzTrennwand mit geöffneten Türflügeln. Der vom Pächter ungeliebte Frühstücksraum. Ich verliebe mich fast zeitgleich in diese Atmosphäre – ich mag die 50er Jahre. Unsere Mail-Reservierung ist angekommen und wir können uns von den unbesetzten Tischen einen aussuchen. Rund zehn Vierertische, das abgeräumte Frühstückbuffet, eine Theke und der offen einsichtige Eingang zur Küche.

Die Holztische sind 'nackt', keine Tischdecke oder Sets, als Menage Salz- und Pfefferstreuer im Nies-Style, sowie ein Zuckerstreuer. Die jeweils vier Sessel wirken omahaft mit der Tapezierung in ockergold und hoher Lehne, man sitzt aber bequem. Was den unheimlichen Charme allerdings ausmacht, sind die Bogenlampen mit Plissee-Schirmchen. Diese sind nach Information des Kellners neu – aber mit sichtbarem Textilkabel, da hat einer Liebe zum Detail. An den Wänden hängen gut gemachte Fotos/Bilder des Frühstücksraumes. Die Lounge im Vorraum ist ebenfalls mit viel Liebe zum Detail ausgestattet, Sitzgelegenheiten in Leder, alte Möbel, viel warmes Licht. Die Sanitäranlagen sind neu und zweckmäßig ohne SchnickSchnack. Das erste WC, das so gar keinen Geruch hat. Weder negativ, noch duftet es.

Wir bekommen neben der Getränkekarte die rein philippinischen Speisen auf 2 A4-Seiten auf einem Clipboard zum Gustieren und dürfen uns drei Gänge aussuchen. Zum Trinken wird es ein großes Zwettler Zwickel (€ 3,70) und wir geben die Bestellung für alle Speisen auf einmal auf. Das Besteck wird in einem Glas mit Servietten auf den Tisch gebracht, Bierdeckel gibt es keine. Im Hintergrund spielt leise Lounge-Musik, sehr angenehm. Einige Gäste sind mit Kindern da, kein Problem. Hotelgäste holen sich Getränke an der Theke.

Es dauert nun doch einige Zeit bis zur Vorspeise: Chickenlollipop (panierte Hühnerlollipops mit Sojasprossensalat und Sweet-Chilisauce - € 4,50). Eine Vorspeise, die auch einige andere Gäste bestellen. Hühnerbeine paniert, am Knochen etwas Alufolie zum Angreifen. Nicht aufregend, die Chilisauce reißt das Gericht raus, der Salat mit Sesam überstreut eine unauffällige Ergänzung. Da in lockerem Abstand weitere Gäste kommen, dräuen die Bedenken hoch, dass 'Mama' da schon irgendwie ins Trudeln kommen könnte, wenn das Lokal voller wird.

Wir behalten unser Besteck, der Kellner fragt nach, ob er Neues bringen soll, für uns (und auch ihn …) ist es in Ordnung, wenn es bleibt. Fast alle Hauptspeisen kommen jetzt zugleich – bei uns einmal Bistek/Filipino Steak (sauer mariniertes Rindfleisch mit Zwiebeln, Reis und Salat - € 7,80). Hauchdünn geschnittenes, zartes Rindfleisch, leicht säuerlich eingelegt und perfekt gewürzt herausgebraten mit Zwiebel und Lauch überstreut. Ein Gupferl Reis. Sehr gut. Weiters wird Bangos (im Bananenblatt gebratener Milchfisch mit marinierten Tomaten und Zwiebeln, dazu Reis und Sojasprossensalat - € 9,80) serviert. Ich blicke fast neidisch auf das Rindfleisch, denn der Fisch, serviert in Alu-Folie, ist sehr mild, lebt von der dazu servierten Sojasauce, der Reis ist ungesalzen, d.h. ich träufle auch etwas von der Sauce über ihn. Einzig die Fülle mit den Tomaten, Zwiebeln und Gewürzen bringt mir eine Idee von exotischer Würze. Die Tomaten und auch das Eisbergsalatblatt sind unmariniert. Grätenphobiker sollten die Finger von diesem Gericht lassen.

Nach dem Abservieren werden wir gefragt, ob wir gleich das Dessert haben wollen. Kein Problem, und wir sitzen vor dem bestellten Matamis (Süßes) – Leche Plan (Milch Flan - € 2,50). Stilecht auf einem Lilienporzellanteller schaut die Creme Caramell fast etwas verloren aus. Ist aber ein echter Burner. Leicht der Flan und die Karamellsauce von unglaublichem Geschmack, auf den Punkt.

Summasummarum haben wir für die drei Gänge dann doch nur etwas mehr als eine Stunde gegessen – ohne Stress. Nach einem Gang zum WC habe ich einen Abstecher in den Innenhof gemacht. Es war zwar finster, und nur durch die Weihnachtsbeleuchtung bekommt man eine Vorstellung der Konturen, aber im Sommer muss es hier hinreißend sein.
Beim Bezahlen frage ich den Kellner, warum auf der Gasse keine Werbung gemacht wird: der Verpächter erlaubt es nicht … Im Sommer gibt es einerseits einen Schanigarten, der auf das Lokal aufmerksam macht. Dazu wird das große Tor geöffnet und auch – direkt in der Blickachse - der Ausgang in den Innenhof, damit man gleich den vollen 'Durchblick' hat. Der Wunsch ist, dass das Geschäft 'organisch wächst', aggressive Werbung würde zu viele Menschen anlocken. Dieser Winter ist der erste mit Gastronomieangebot und deswegen wurde der Gutschein aufgelegt; und der Umgang mit den Gutscheinkunden ist völlig in Ordnung. Von Montag bis Freitag gibt es ein Tagesmenü, im Sommer einen Sonntagsbrunch.

Fazit: Das Ambiente mag man. Oder man mag es nicht. Ich liebe es. Der Service ist locker, fast jovial, Mama kocht in der Küche. Die Speisen liegen zwischen drei und vier. Die Vorspeise und der Fisch bei 3, das Rind und das Dessert bei 4. Da ich mich so wohl gefühlt habe, tendiere ich zur 4. Wir werden mit Sicherheit im Sommer versuchen, nochmals zu kommen, um den sehenswerten Innenhof und weitere Speisen von 'Mama' zu genießen.

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja13Gefällt mir9Lesenswert8

Kommentare (2)

am 30. Dezember 2012 um 22:09

1 noch! ;-)

Gefällt mir1
11
2
am 30. Dezember 2012 um 18:59

Geht doch! :-)

Gefällt mir3
89
34
Brillantengrund
Bandgasse 4
1070 Wien
Speisen
Ambiente
Service
41
45
36
4 Bewertungen
Brillantengrund - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK