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Marchtrenkerhof - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 5. Dezember 2012
Update am 21. Jänner 2013
Experte
amarone1977
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75
30
4Speisen
3Ambiente
4Service
5 Fotos1 Check-In

In Marchtrenk ist die Hölle los.

„Des woa jetz g’logn“ – würde Josef Hader wohl sagen. Die Stadt Marchtrenk ist vom Stadtbild her eher ein durch Zuzug gewachsenes Straßendorf, nicht zu vergleichen mit der nahe gelegenen historischen Stadt Wels, oder gar mit der Landeshauptstadt Linz in östlicher Richtung.

Man kennt das ja – in Kukuruzpotschn ist der Kukuruzpotschnerhof das gastronomische Zentrum des Dorfes, in St. Anton am Schilift ist es der Antoniwirt usw.
In Marchtrenk ist es – Sie haben es erraten – der Marchtrenkerhof, an einem der wenigen neuralgischen Punkte direkt am Kreisverkehr gelegen.

Ein wirklich stattliches Gebäude, werden ja auch hier Zimmer vermietet (Einzelzimmer um die 50 Euro). Schade nur, dass das Innenleben schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist, auch ein wenig traurig: die Fotogalerie samt Haubenauszeichnungen und Falstaff-Kritiken gehen noch auf die Jahre vor der Jahrtausendwende zurück.

Die Einrichtung im Gastzimmer ist in zwei „Bereiche“ zu teilen, allerdings nur, was die Gäste betrifft, die nur mal kurz ein Bier rund um die Schank konsumieren wollen – und jene, die auch wirklich zu Abend gepflegt essen möchten.
Zugegeben, die Einrichtung ist wirklich nicht mein Geschmack, und die laut surrende Kaffeemaschine lässt nicht wirklich große Stimmung aufkommen.
Die Tische selbst sind aber sehr anständig gedeckt, samt Stoffservietten.

Ich werde begrüßt – von Chefin und Chef, hier gibt man sich die Hand. Sieh an, das könnte sich so mancher Gastronom auch mal überlegen! Er, ein ehemaliger Schiffskoch, weit herumgekommen, sie eine gebürtige Philippinin.

Das ist spannend – weil sich das natürlich auch in der Karte niederschlägt: Klassiker gibt’s hier also natürlich schon, aber es finden sich Satés genauso wie Zürcher Geschnetzeltes. Und dann ist da noch eine wahrlich überbordende Wild-Karte und eine ebenso immens umfangreiche Dessertkarte, die sogar ein „Extra“-Album gewidmet bekommt.

Die Bestellung wird gemacht – und Herr Chef, der sich gerade noch mit einem Gast unterhalten hatte, verschwindet in elegant geknöpfter Kochuniform in der Küche.

Es kommt: eine Fasanensuppe, legiert mit einem Wachtelei. Die Schale wird als Deko am Tellerchen gelassen. Eine fast mickrige Tasse, doch das Süppchen ist enorm üppig, trotz der scheinbar federleichten Zubereitung, also schön bissfestes, und trotzdem zartes Fleisch, bisserl Gemüse, dünnes, aber nicht fades Süppchen – und eben das Eierl.

Der Fasan „fliegt“ daher, und wie: zweimal im Riess-Reindl, denn auch der zweite Gast zwei Tische weiter hat ebenso in das Wildgeflügel investiert.
Eine lohnende Investition. Zwar finden sich im Vogerl zwei Bleikügelchen, aber das ist schon fast das Einzige, was ich nebst Knochen am Teller gelassen habe. Schließlich kann das scheue Federvieh ja nicht totgestreichelt werden.

Zartes Fleisch, sehr schön würzig, aber nicht verkünstelt, „a feines Safterl“, ganz natur und ohne verdächtiges Tuning, ein paar Speckscheiben sind auch dabei, die zwar zur Würze beitragen „dürfen“, aber fast gänzlich am Teller bleiben.

Ein Rotkraut, das sicher nicht von Helmuth Misak empfohlen wurde: schöne Säure, a bissl knackig ist es sogar noch, also kein violetter Matsch. Dazu ein paar fast zu bissfeste Maroni.

„Pommes croquettes“ – hausgemacht, sehr schön, kein verdächtiger Fritösengestank. Man schaut auf Qualität, sogar der Kompottapfel dürfte selbst gemacht sein, so kenne ich ihn eigentlich nur von zuhause.

Feiner Begleiter im etwas altmodischen (wenig grazilen) Glas: Blaufränkisch Hochäcker vom Weninger Franz.

Dessert: nach zweimal Fasan, fest wie flüssig, eigentlich ungeniert. Aber es gibt ja ein hausgemachtes Nougat-Obers-Eis. Mit buntem Obst – also eh „fast xund“!
Das Eis kommt als großer fester Zylinder daher – und das ist sein Problem. Die Konsistenz ist eher fest, zu fest, da habe ich schon feinere Parfaits gegessen, ohne Eiskristalle. Schade drum. Dabei wäre die Kombination Nougat-Obers ja eine himmelschreiende. Zumindest für mich.

Fazit: Chefleute mit Handschlag und Humor, eine etwas in die Jahre gekommene Einrichtung (sympathisch aber trotzdem: der Vorlegetisch mit Besteck und Speisenglocke) – aber die Stärken sind geblieben, hier lässt man sich nicht lumpen, man steht zu dem, was man macht.
Und genau deshalb lohnt es sich hier auch essen zu gehen – und vielleicht sogar am besten gleich danach ins gut gemachte Bett zu fallen.

PS: warum die Haubenverteiler von GaultMillau hier nicht mehr einkehren, weiß der Teufel. Aber vielleicht hat es der Marchtrenkerhof erst gar nicht nötig.

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Kommentare (6)

am 6. Februar 2013 um 22:48

Nicorros: lohnt sich!

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Experte
315
75
am 6. Februar 2013 um 17:23

bin selbst aus der Gegend und habe mich bis dato noch nie "reingewagt". werde ich aber nach o.a. Bewertungschmankerl definitv tun. thx

Gefällt mir1
7
1
am 6. Dezember 2012 um 10:28

Well done - and yet, rare? :-P

Gefällt mir2
Experte
315
75
am 6. Dezember 2012 um 08:15

Schön, wenn nicht nur die Wirtsleut', sondern auch der Bewertende über Humor verfügt. Der differenzierte Bericht läßt doch ein ganz anderes Bild entstehen als "Alles war super" und reflexartig 3 x 5. Wie würde der Captain schreiben: "Well done"!

Gefällt mir3
89
34
am 5. Dezember 2012 um 23:52

Amarone, "you're on a roll" könnte man jetzt sagen (und wieder werd ich mir Kritiken ob meines oft verwendeten Englisch einhandeln)

Gestern drei vom Feinsten, heute wieder zwei Schmankerl, - keep 'em coming, man wird nicht müde, derart gute Berichte zu lesen.

Gefällt mir2
Experte
80
48
am 5. Dezember 2012 um 20:20

Wie so oft, "Profibewerter" ignorieren ein tolles Lokal.

Du hast es auf den Punkt getroffen - abgehobenes Berufskritikervolk, die auch noch zu 95% gratis dort essen dürfen!

Super Bericht mit bestem Dank vom Gerry!

Gefällt mir2
Experte
215
47
Marchtrenkerhof
Linzer Straße 41
4614 Marchtrenk
Oberösterreich
Speisen
Ambiente
Service
40
32
42
3 Bewertungen
Marchtrenkerhof - Karte
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