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Sperl - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 4. Dezember 2012
Experte
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4Speisen
4Ambiente
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Das „Restaurant Karl Sperl“ ist wahrlich eine echte Institution „auf der Wieden“. Seit schon 1925 ist das „Sperl“ im Familienbesitz und es wird derzeit in bereits dritter Generation geführt. Hier fuhr bis 1961 in der Karolinengasse auch noch die berühmte Straßenbahnlinie 13 vorbei, die wegen des Einsatzes sehr altersschwacher Schienenfahrzeuge bewusst und völlig absichtlich „eliminiert“ wurde. Diese Vorgehensweise sollte die Umstellung auf eine Buslinie (anfangs auch Doppeldeckerbusse), die auch bei der Bevölkerung akzeptiert wird, „geschönt“ erleichtern (13A). Heute ist die Diskussion, ob der übervollen Busse trotz kurzer Intervalle, über die Wiedereinführung einer Straßenbahnlinie 13 wieder sehr aktuell.

Das „Sperl“ ist eine so typisch wienerische Gastwirtschaft und die Vergangenheit holt einem bereits beim Lokaleingang ein. Rechts vom Eingang eine wunderschöne alte Schank, die einen schon 100jährigen Eisschrank integriert, alte Gasträume mit schweren und massiven Holzmöbeln, großteils aus Zirbenholz, da und dort eine Nische, hie und da ein Gewölbe und überall Utensilien aus der „guten alten Zeit“ – sei es die alte Schreibmaschine oder die alte Registrierkasse. Ein von Beginn an heimeliger, gemütlicher und gepflegter Ort zum Wohlfühlen.

Für Feiern bis zu 20 Personen gibt es ein Extra-Stüberl (Wintergarten), und bei mehr Gästen lässt sich der Saal auch mit einer Bühne für diese Veranstaltungen nutzen. Auch die Belüftung wurde um gutes Geld erneuert, und man kann nur sagen, keinerlei Essensdüfte werden mit nach Hause genommen – toll gelungen. Das „Sperl“ steht für sehr gutbürgerliche Küche mit Schwerpunkt auf die Wiener und Österreichische Küche, jedoch werden auch immer wieder internationale oder mediterrane Speisen angeboten. Zusätzlich hat man hier aus meiner Sicht einen der schönsten wenn auch kleinen Innenhofgarten, die Wien zu bieten hat. Unter den Lauben, völlig verkehrsberuhigt und trotzdem mitten in Wien kann man hier verweilen.

Das „Sperl“ hat keinerlei Hauben oder Sterne und wird auch im „Tafelspitz“ sträflicherweise nicht einmal erwähnt, wiewohl man es mit so manchem Restaurant / Gasthaus „locker“ aufnehmen könnte. Daher findet aber meine Bewertung in genau diesem Rahmen und auf diesem Lokalniveau statt. Ich berichte in dieser Bewertung zusammengefasst von zwei unabhängigen Besuchen beim „Sperl“.

Zu trinken hatten wir ein wunderbares und bestens gekühltes „Weihenstephan Dunkel“ (EUR 3,90 für die Flasche 0,5l) sowie einen grandios guten und hausgemachten „Holler-Birnensaft“ (EUR 3,10 ohne Verrechnung mit Leitungswasser auf 0,5l „aufgespritzt“) sowie ein tadelloses „Gösser Spezial“ vom Fass (EUR 3,70 das Krügel).

Einmal die „Grießnockerlsuppe“ (EUR 2,90) – die Suppe war eine dunkle, sehr kräftige und bestens geklärte hausgemachte Bouillon und einfach so, wie sein muss / soll. Das Grießnockerl war flaumig zart und natürlich auch hausgemacht. Ein glattes SEHR GUT mit Hang zum Ausgezeichnet.

Einmal die „Kürbiscremesuppe mit Obershäubchen und Kernöl“ (EUR 3,80) – die Suppe war leider etwas zu kalt und wurde auch noch dazu auf einem abgeschlagenen Teller serviert, wofür ich keinerlei Verständnis habe. Sie war aber sehr cremig und nicht pappig, der Kürbisgeschmack jedoch war nicht sehr intensiv – ich tippe auf den „Langen von Neapel“ statt „Hokkaido“ oder „Muskatkürbis“, die bedeutend nussiger schmecken. Das Kernöl war von sehr guter Qualität und großzügig serviert, die Kresse sowie die gerösteten Kürbiskerne passten ausgezeichnet als Abrundung zur Suppe – ein wohlgemeintes GUT.

Einmal die „Gebackenen Hühnerstreifen auf Erdäpfel-Vogerlsalat mit Steirischem Kernöl“ (EUR 8,90) – wunderbar knusprig gebackene Hühnerfiletstreifen wurden noch saftig und absolut nicht trocken serviert. Die Salatmarinade war nach klassischer „Wiener Art“ und wirklich sehr gut. Der Vogerlsalat wurde peinlichst genau geputzt und war sehr frisch. Etwas mehr vom guten Kernöl und roter Zwiebel im Erdäpfelsalat hätten dem Gericht jedoch gut gestanden. Für diesen Gang, bedingt durch das erstklassige Huhn und die sehr gute Marinade, gebe ich ein gerade noch SEHR GUT.

Einmal das „Spanferkel-Filet rosa gebraten auf Edelpilz Soße mit Erdäpfelkroketten“ (EUR 12,90) – das Fleisch war wunderbar zart und absolut toll, mit rosa Kern, gebraten. Saftig und zart, zerging es auf der Zunge. Die Pilzsoße war sehr gut, sehr „g’schmackig“, aber fast schon etwas zu würzig eingekocht. Die Erdäpfelkroketten waren in Ordnung und von der guten Sorte, aber eben nicht hausgemacht (leider wieder einmal). Gerne gebe ich dieser sehr wohlschmeckenden Speise aber noch ein SEHR GUT in diesem Rahmen und auf diesem Lokalniveau – das Fleisch war TOP!

Einmal die „Schokolade-Nuss Palatschinken mit Schlagobers“ (EUR 4,90) – zwei Stück hausgemachte Palatschinken mit sehr schmackhafter nussiger Fülle, Schokoladensauce aus der Flasche sowie Schlagobers wurden serviert. Keine Sensation, kein Highlight aber ein durchaus guter und warm servierter Abschluss – daher auch ein glattes GUT.

Einmal eine „Legierte Gansel-Creme-Suppe mit Bröselknöderl“ (EUR 3,80) – diese Suppe kann man kaum besser machen. Eine sämige, nicht zu stark abgebundene Ganselsuppe mit viel gutem Fleisch von der Gans und etwas Suppengemüse wurde serviert. Der Bröselknödel war flaumig und wunderbar – ein glattes AUSGEZEICHNET.

Fünfmal das „Ofenfrische Martini Gansel mit gefülltem Erdäpfelknödel, Apfel-Rotkraut oder warmem Speck-Kraut-Salat“ (EUR 18,90 pro Person) – die Gans war von vorzüglicher Qualität, völlig weich und zart wurde sie gekonnt über Stunden bei nicht zu hoher Temperatur gegart. Wunderbar gewürzt, hätte lediglich die Haut etwas knuspriger sein dürfen. Der mit Speck und Semmelwürfel gefüllte Erdäpfelknödel war ausgezeichnet, das Apfel-Rotkraut ebenso, jedoch mit heutzutage üblicher Zimtnote, was nicht jedermanns Sache ist. Der warme Speck-Kraut-Salat hätte etwas wärmer sein dürfen, war jedoch gut mariniert und knackig. Alle Gemüsebeilagen sowie die Preiselbeeren wurden in ausreichendem Maß (für insgesamt fünf Personen) „à part“ serviert. Ein glattes SEHR GUT.

Einmal die „Gebackene Hühnerleber mit Erdäpfelsalat“ (EUR 9,80) – die Hühnerleber wurde sehr knusprig paniert und nahezu fettfrei serviert. Innen noch ein saftiger leicht rosa Kern, wie ich es liebe, war die Hühnerleber absolut nicht trocken und hatte einen wunderbaren Geschmack. Der Erdäpfelsalat dazu war gut, nach „Wiener Art“, jedoch fehlte es auch hier an roter Zwiebel. Ein glattes SEHR GUT aber wegen der Leber.

Einmal den „Mohr im Hemd mit Schlagobers“ (EUR 5,40) – ein wunderbar hausgemachter „Mohr“ mit sehr schokoladigem und nussigem Geschmack wurde kredenzt. Einfach wunderbar flaumig, heiß und in sehr guter bis ausgezeichneter Qualität zubereitet. Ein glattes SEHR GUT bis fast zu einem Ausgezeichnet, da die Schokoladensauce leider eben aus der Flasche war.

Summa summarum gebe ich für die Speisen gerne und wohlverdient ein glattes SEHR GUT. Man versteht hier das Kochhandwerk durchaus auf Restaurant-Niveau und bemüht sich, möglichst viel selbst zu machen. Bei den Erdäpfel-Kroketten würde ich noch einmal den Zukauf überlegen – man kann sie sehr gut vorfertigen und einfrieren. In einem Lokal aber ohne Hauben oder Sterne ist man beim „Sperl“ sehr gut aufgehoben.

Für das Ambiente gebe ich ebenfalls gerne ein SEHR GUT, da hier alles so stimmig ist, und man es nicht anders von einem „Restaurant-Urgestein“ in Wien zu erwarten hat. Die Sanitäranlagen sind auf höchstem Niveau, der Charme des Lokals und der des Gastgartens sind einnehmend – hoher Wohlfühlfaktor. Die Trennung Raucher – Nichtraucher ist optimal gelungen und wurde wunderbar in das Ambiente integriert. Lediglich der Lokaleingang sowie der Gang zu den Sanitäranlagen finden durch den Raucherbereich statt.

Dem Service hätte ich ebenfalls gerne ein Sehr Gut gegeben, jedoch ist man hier trotz zahlreicher Servicekräfte, nicht immer rasch beim Gast – egal ob Bestellaufnahme oder Abräumen des Tisches. In Summe ist man aber doch immer bemüht, höflich, freundlich und informationsbereit. Daher gibt es von mir hierfür ein glattes GUT.

Fazit: ich empfehle den „Sperl“ unbedingt, denn es gibt hier tatsächlich sehr gute, gutbürgerliche Küche, wenn auch zu etwas gehobeneren Preisen, die jedoch durch die Qualität völlig gerechtfertigt werden. Die Weinkarte ist mehr als ausreichend, und es befinden sich Weinvitrinen am Gang, um zu stöbern. Zahlreiche Brände aus dem Hause Zeindler (Link) werden ebenfalls angeboten. Die Homepage ist sehr gut und informativ, die Speisekarten sehr üppig – hier findet jeder „seine“ Speise. Man hat dankenswerterweise täglich geöffnet und akzeptiert auch Kreditkarten. Die Wochenkarten gehen hier nach der jeweiligen Saison und den Jahreszeiten, was absolut löblich ist. Unbedingt einmal ausprobieren, aber in jedem Fall vorher reservieren.

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Kommentare (9)

am 6. Dezember 2012 um 06:25

H-G-L und wie immer ein Genuss zu lesen! Lokal kommt auf meine To-do-Liste. Lg 😄

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Experte
107
33
am 5. Dezember 2012 um 18:01

Gerry, adn: lasst doch die geistig Armen klicken. Weder können die
a) genießen b) lesen noch c) verstehen.
Sie können aber eins: dich darum beneiden, dass du es kannst! Viel Feind, viel Ehr. Mahlzeit!

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Experte
315
75
am 5. Dezember 2012 um 17:48

Danke, lieber adn1966, ich will es auch gar nicht wissen, wer das ist, denn mehr als "Öh, Ähm, Ah,..." würde sowieso nicht rauskommen.

Du weißt, dass du ebenso zur Zunft der "Gutschreiber" gehörst, und daher freue ich mich schon auf deinen Bericht!

Gerry

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Experte
215
47
am 4. Dezember 2012 um 22:54

Tadellos, Gerry, wie immer. Ich hab selbst grad einen kulinarisch bemerkenswerten Abend hinter mir und geniesse jetzt noch einen Digestiv, denkend, dass es wirklich Spass macht, Reviews wie diese oder vom geschätzten Amarone zu lesen.

Gut, dass es Leute gibt, die Gutes geniessen können und gut davon erzählen wollen und können.

Weniger gut, dass 3 Leute meinen, dieser Bericht wäre nicht hilfreich gewesen. Warum? Wir werden's nie erfahren.

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Experte
80
48
am 4. Dezember 2012 um 20:17

Na ja, liebe magic, eine „Gebackene Hühnerleber mit Erdäpfelsalat“ um EUR 9,80 oder ein „Mohr im Hemd mit Schlagobers“ um EUR 5,40 sind nicht wirklich günstig aber für diese Qualität eben dann doch preiswert.

Gerry

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Experte
215
47
am 4. Dezember 2012 um 19:06

Ich hab mir die wirklich gut zu lesende Speisekarte angesehen: gehobenere Preise sind das nicht; ich finde sie als "normal" bis tw. sogar günstig.

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Experte
63
50
am 4. Dezember 2012 um 18:43

Werd wohl bald öfters zwischen 4. und 6. zu tun haben! ;-)

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Experte
315
75
am 4. Dezember 2012 um 18:41

Wünsche ich dir auch! Immer und ewig, lieber amarone1977!
Gerry

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Experte
215
47
am 4. Dezember 2012 um 18:40

Mahlzeit!

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Experte
315
75
Sperl
Karolinengasse 13
1040 Wien
Speisen
Ambiente
Service
41
37
37
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