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Zum Inder - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 21. November 2012
Experte
bubafant
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3Speisen
2Ambiente
2Service
30 Fotos1 Check-In

Indisches 4-Gänge-Menü für Zwei in Wiens ältestem indischen Restaurant um € 28,0 (€ 57,50).
Telefonische Reservierung für einen Montag, 18:00 Uhr, das gesamte Lokal ist NR.
Auf der Homepage findet sich der Begrüßungstext, dass "Herr Pal Sachar an die Idee glaubte, authentische indische Speisen zu servieren. Das Ambiente des Restaurants erinnert an Indiens reiche Geschichte und die Atmosphäre hat einen Hauch von Nostalgie, welche in den Gedanken ihrer Besitzer fortlebt." Die Vergangenheitsform und der Nostalgiehauch sollte sich noch durch unseren gesamten Aufenthalt ziehen.

Wir sind etwas zu früh vor Ort und das Lokal ist noch geschlossen und stockfinster. Ein Eckhaus auf der Praterstraße, das keinen sehr einladenden Eindruck vermittelt. Ein mit einem kleinen Baldachin überdachter Eingang, eine Stufe. Die Fenster mit eingeätztem Logo, davor die Ständer für den Schanigarten zu wärmeren Zeiten. Wenn der Aushangkasten beleuchtet ist, kann man die Speisekarte studieren, Steher mit dem Angebot eines Mittagsmenüs ab € 5,90 und dass auf Speisen, die man mitnimmt ein Nachlass von 25 % gewährt wird.

Kurz vor dem Aufsperren werden in konzertierter Reihenfolge sämtliche Beleuchtungen aktiviert und jetzt kann man durchaus schon das Innere erkennen, ein erster Blick durch die Fenster in den Innenraum beruhigt wieder etwas und wir betreten das Lokal. Dieses besteht aus einem einzigen rechteckigen Raum mit einer großen Theke in der Mitte und kleinen Tischen mit weißen Tischdecken an den Wänden mit einer umlaufenden Bank rundherum. Viel Holz, etwas düster, schon abgenutzt und die auf der Homepage erwähnten mehr als 20 Jahre, die das Lokal am Buckel hat, werden erstmals greifbar. Die Wand am Ende des Raumes ist eigentlich recht hübsch, mit Spiegel, Zierleisten und Deko. Ich könnte jetzt gar nicht sagen, ob wir begrüßt wurden, auf alle Fälle deutet der wortkarge Wirt mit Turban (wie man sich das so vorstellt) auf einen Tisch in der Ecke, einmal begrenzt von der Spiegelwand und einmal von einem tiefen Fenster, mit Deko vollgeräumt, im Rücken. Die Lederbank dürfte noch vom Eröffnungstag stammen, an einigen Stellen komplett aufgerissen – sehr unappetitlich (eine schnelle, billige Lösung wären Sitzkissen oder Überwürfe). Die weißen Tischdecken offenbaren bei näherer Betrachtung auch Flecken und der Tisch ist für die durchgesessene Bank zu hoch. Die Tische sind eingedeckt mit Stoffservietten, Besteck und Pulvermenage.

Ein dringendes Bedürfnis lässt mich die Sanitärräume aufsuchen. Nachdem der Bereich links um die Theke ganz offensichtlich dem Küchenbereich zugeordnet werden kann, bleibt nur mehr außen rechts um die Theke. Dort ist ein kleiner Zwischenraum mit einem Tisch, offenbar privatem Schreibkram und ähnlichem vorbehalten und von dort erhascht man einen Blick hinter der Thekenwand entlang in die Küche. In meinem Fall nicht ganz, denn die Frau des Hauses steht im Türrahmen. Ihr Blick ist nicht wirklich nett, irgendwie fühlt man sich hier nur bedingt willkommen. Die Toiletten sind alt, aber in Ordnung. Der Gastraum wirkt durch die Gewölbebögen, die in dunklerer Farbe herausgestrichen sind, gefällig, an den Wänden hängen Bilder und diverse Dekorgegenstände

Kurz nachdem wir Platz genommen haben bekommen wir wortlos den Aperitif serviert. Und gleich danach der 1. Gang - Papadam (Linsenfladenbrot, € 1,0 lt. Speisekarte).
Das Linsenbrot in reiner Kultur ist sehr gut, die dazu gereichten 2 Saucen – einmal Lal Piaj (eingelegte saure Zwiebel) und einmal eine Kräutersauce mit Knoblauch sind auch in Ordnung, die Zwiebel ziemlich sauer.
Wir sind noch nicht ganz fertig, als schon der zweite Gang aufgetragen wird: Paneer Pakora (gebackener indischer Käse in Teigmantel, € 6,10 lt. Speisekarte). Das Körbchen mit dem noch übrigen Linsenbrot wird auf dem Nebentisch zwischengeparkt und auf meine Nachfrage, was uns da gerade serviert wird lautet die knappe Antwort: 'Käse'.
Drei Stück Käse im maisgelben Backteig, dazu nochmals die zwei Saucen, die sowieso schon auf dem Tisch stehen und etwas Rohkost. Kein besonders aufregendes Gericht, aber auch nicht unangenehm. Der Käse und der Backteig kaum gewürzt, es lebt mit den Saucen.

Aufgrund des Gutscheins bekommen wir leider keine Speisekarte gezeigt und wir schaffen es gerade beim Abservieren, Mango-Lassi (€ 2,50) zu bestellen. Hier kann man nichts falsch machen, außer das Gebinde fallen zu lassen, das Getränk schmeckt (mir) immer. Zwischenzeitlich kommen doch noch andere Gäste und werden auf diverse Tische verteilt. Es liegt nicht am Deal, dass man mit uns (fast) nichts spricht, auch bei den anderen Tischen ist der Wirt keine Plaudertasche. Nachfragen werden so knapp als möglich beantwortet, eine Nachfrage, ob in einem Gericht Rosinen enthalten seien, wird mit 'in meiner Küche gibt es keine Rosinen' beantwortet. :-)

Beim Servieren des 3. Ganges, erinnert sich der Wirt offensichtlich daran, dass ich gerne erklärt bekomme, was serviert wird und nach dem Aufstellen einer Warmhalteplatte und neuen Tellern betitelt er beim Bringen der Kupferschüsselchen die Inhalte mit
Murgh Saag (Hühnerfleisch in Knoblauchspinat) und Murgh Makhani (Hühnerfleisch in Buttersauce), Safranreis, Nan (Fladenbrot). Wieder einmal ist so ein kleiner quadratischer Tisch keine gute Plattform für so viel Geschirr, gerade, dass die Getränke auf unserem Tisch bleiben können. Der Safranreis ist ordentlich gegart und wird mit Mandelsplitter serviert, von Nan ist sowieso immer zu wenig da ;-) …, das Huhn in Knoblauchspinat ist nicht sehr stark gewürzt, zwar nicht fad, aber ich habe es schon g’schmackiger erlebt. Das Highlight ist das Huhn in Buttersauce. Leider nur vier Stückchen Fleisch für zwei Personen und die Sauce ist auch nicht unendlich. Egal wie kalorienreich, das schmeckt wirklich. Es ist auch nicht so, dass im (wahrscheinlich) knapp kalkulierten Deal die Menge kleiner ist – am Nebentisch wird a la carte die gleiche Schüssel serviert, in der Speisekarte mit € 10,90 (Reis mit € 2,80 extra, Huhn in Knoblauchspinat € 11,30) – keine Mezzie.
Beim Abservieren der Warmhalteplatte wischt der Wirt die gesamten Zahnstocher vom Tisch und nimmt dann gleich alle mit hinter die Theke …, allerdings werden beim Neueindecken mit Messer und Gabel diese nur mit einer Stoffserviette angegriffen und auch am Tisch noch einmal kurz nachpoliert.

Nach dem Abservieren, wir werden nicht gefragt, ob es geschmeckt hat, oder ob wir noch etwas trinken möchten, kommt nach kurzer Zeit der 4. Gang, das Dessert: Mango-Cream.
Das ist ein Mango-Lassi als Dessertcreme, wahrscheinlich mit Schlagobers verfeinert und mit Pistazienstückchen und Mandelsplitter verziert. Eine Sünde.
Von diesem Mangozeugs, egal in welchem Aggregatzustand, könnte man mir eine Direktpipeline nach Hause legen.

Fazit: Das Essen ist in Ordnung, das Ambiente schreit nach Sanierung, die irgendwann leider nicht mehr sanft sein wird, der Service ist gewöhnungsbedürftig, weil eigentlich wird nur serviert und abgeräumt, ohne spürbares Interesse am Gast. Komischerweise ist drei Tage nach unserem Aufenthalt eine Nachfrage von der Plattform gekommen, ob wir das Lokal weiterempfehlen würden. Da dies das erste Mal in fast 1 ½ Jahren vorkommt, kommt das meiner Meinung nach vom Wirt, den es vielleicht doch interessiert, ob sich der Gast wohl gefühlt hat. Laut Online-Speisekarte können die Gerichte mild, scharf und extra scharf zubereitet werden. Wir sind nicht gefragt worden und haben demzufolge auch keine Wünsche geäußert, und haben die Speisen eher als mild empfunden. Zu Hause umwehte uns ein leichter Küchendunst. Wir werden hier maximal wiederkommen, wenn wir zufällig in der Nähe sind.

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Kommentare (2)

scirocco am 20. August 2013 um 14:43

I don't think that this was a fair analysis. It seems like that the person had some argument with the restaurant owner and then decided to bad mouth restaurant on the web.

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scirocco
Kein Tester
am 21. November 2012 um 10:08

Ausgezeichnete Review, vielen Dank dafür!

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Experte
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48
Zum Inder
Praterstraße 57
1020 WIEN
Speisen
Ambiente
Service
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