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TIAN Restaurant Wien - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 18. Oktober 2012
Update am 29. Dezember 2012
Experte
amarone1977
315
75
30
3Speisen
4Ambiente
3Service
7 Fotos1 Check-In

Ein vegetarischer Genusstempel.

So könnte man das außergewöhnliche imposant-barocke Innenleben des Lokals vom ehemaligen Superfund-Teilhaber Christian Halper ad hoc beschreiben.
Dazu Holz, Moos, Braun, Grün, Violett bzw. „Malve“, wie es von einer Designerin wahrscheinlich bezeichnet worden wäre. Es fehlen eigentlich nur noch die Ballett tanzenden Bienchen aus der berühmten D‘arbo-Honigwerbung und der "Waltz" vom Balanescu Quartet (man höre: Link).
Das Ambiente ist gewöhnungsbedürftig, aber vor allem mal Geschmacksache (am besten die Bilder auf der Website betrachten), der Sanitärbereich verschwindet fast vor lauter Schlichtheit, wenn man vom mystisch selbstleuchtenden Wasch“becken“ (eher eine Rinne) mal absieht (der Lokalbesitzer selbst hat ein Foto davon reingestellt).

Gut, soviel mal zum Schein, nun zum Sein.
Man wird im Eingangsbereich empfangen, sehr freundlich, Prise Humor. Das passt immer. Da ich heute mal allein bin, krieg ich auch einen dementsprechenden Tisch. Der gehört allerdings wirklich zum kleinstmöglichen gastronomischen Nenner. Entspannt beim Essen Zeitung lesen wird wohl kaum möglich sein.

Die Kellner sind stets bemüht, wenn auch Fragen zur Zubereitung oder zum Wein bzw. das Weineinschenken an sich ein bisserl umständlich wirken (man beugt sich vor mir quer über den Tisch, anstatt einfach von der andern Seite des ohnehin kleinen Tisches bequem einzuschenken).

Getränke: absolut erwähnenswert ist hier die Auswahl an teils biologischen Säften wie etwa verschiedenen Trauben- oder Apfelsäften (letztere sogar reinsortig!), Biobier und Mineralwasser mit Sirup.
Ich entschied mich für letzteres: einen halben Liter Mineralwasser mit Thymian und Zitronengras, serviert in einer großen, schicken Karaffe. 3,70 Euro dafür zu verlangen, ist wahrlich nicht unverschämt.
Nicht zu verachten übrigens auch der Bio-GV vom Zillinger und der BF von dem für mich bis dato unbekannten Weingut Wagentristl (Neusiedlersee Hügelland) um faire 3,70 bzw. 3 Euro.

Ein Gruß aus der Küche – bzw. aus dem Kühlschrank:
eine mit „hauseigenem Joghurtdeckel“ zugedeckte Kaltschale mit Kirschen und roten Rüben.
Rote Rüben sind ja nicht unbedingt mein großes Liebkind, hin und wieder in der Rohkost mit Karotten und Apfel, hier ist der dominante Geschmack doch zu dominant, das mag aber einem Roten-Rüben-Fan in die Karten spielen, der – oder die - hier voll auf seine oder ihre Kosten kommt.
Dezent gewürzt.

Ein Brotkorb kommt.
Mit vier kleinen Schälchen serviert: Kalamata-Olivenöl, Rohmilchbutter, Sprossen mit Walnussöl und australische Salzflocken.
Brot kommt u.a. vom Neo-Retro-Facebook-Bäcker Joseph (auch aus dem 1. Bezirk). Das Ganze für 3,50 auch nicht wirklich übertrieben, vor allem die Sprossen und die Butter haben’s mir angetan, netterweise kassieren die Herrschaften das Gedeck nicht gleich wieder vor der Vorspeise ab, wie dies anderswo allzu oft der Fall ist.

Eine Kokos – Mumbai Curry - Schaumsuppe mit Haselnuss – Tin Sun (6€):
ein cremiges Süppchen, das die Seele wärmt. Mehr als reichliche Portion. Nicht schlecht, allerdings auch ein bisschen süß für meinen Geschmack, das wird bei jedem Löffel „mehr“. Die ungesüßte Kokosmilch wäre hier meiner Meinung nach die bessere Wahl gewesen.

Die Erdäpfelroulade mit Saubohnen und Eierschwammerl (15€):
kunstvoll arrangiert, steht das Ensemble in einer kartoffeligen Sauce, die Dekoration spielt mit Erbsenpüree, allerlei Gepflänz und Geblüh, sowie auch dünn gehobelten Radieschen. Das passt im Grunde genommen auch sehr gut und schmeckt zusammen auch sehr ordentlich, allerdings haben die Röllchen selbst ein Problem mit der Konsistenz: warum? Kartoffel enthalten Stärke, die eingerollten Palatschinkenstücke arbeiten wie ein Schwamm und entziehen Flüssigkeit. Darüber hinaus dürften die Röllchen nochmal kurz angebraten worden sein.
Folge ist eine eher feste, bissi trockene Sache. Schade drum, ich durfte in Salzburg kürzlich erleben, was man mit Crepes und ihrer Füllung so Wunderliches mit dem Gaumen anstellen kann.

Creme Brûlée mit Himbeeren und Zitronen Verbene (8€):
nicht billig, aber auch ein groß dimensioniertes Schüsserl. Sehr gut, wenn auch die typisch französisch-„suppige“ Konsistenz fehlt, es geht eher in Richtung weicher Pudding. Fein aber die Kombination mit dem Himbeermark darunter.

Alles in allem kann man sagen: Erwartungen wurden soweit mehr oder weniger erfüllt, übertroffen allerdings nicht. Die Idee eines außergewöhnlichen, edlen Veggie-Restaurants ist zumindest mal in puncto Aufmachung und Speisenpräsentation gelungen. Das kann man mal einem vegetarischen Landei zeigen.
Das Lokal hat also absolut seine Berechtigung, denn warum sollen vegetarische Restaurants immer nur klein, bescheiden und alternativ ihr Dasein fristen.

Beim Service und bei den Speisen ist allerdings doch noch Luft nach oben, da fehlen die ganz großen Geschmackswunder und eine gewisse Sattelfestigkeit bei der Zubereitung.
Von einem vegetarischen Restaurant der Luxusklasse, wie oft mal beschrieben, ist man aber dann doch noch weit entfernt, die Preise sind alles andere als abgehoben, wie man es vielleicht ob der opulenten Kulisse erwarten oder „befürchten“ würde, da reicht allein schon ein Blick auf die Getränkekarte.

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Kommentare (5)

am 29. November 2012 um 17:34

Wer Granderwasser haben will, soll's haben. Würde mich mal interessieren, wie Blindverkostungen von diesem Wasser ausgehen würden.
Herr Grander selbst kann sich ja vor dieser "Bedrohung" nicht mehr fürchten, weil er ja schon das Zeitliche gesegnet hat.

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Experte
315
75
am 29. November 2012 um 10:32

Im Standard hab ich grad gelesen, dass die dort Granderwasser zu einem Euro den Liter verkaufen. Stimmt das?

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33
15
am 8. November 2012 um 23:23

Unreg: es sei dir vergönnt, zu allem Ja und Amen zu sagen.

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315
75
am 8. November 2012 um 22:11

Was hast denn, die Bewertung war doch gut!

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63
50
Unregistered am 8. November 2012 um 22:01

wer so heikel und kompliziert ist, sollte zuhause bleiben und dort auch essen essen!!!!

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Unregistered
Kein Tester
TIAN Restaurant Wien
Himmelpfortgasse 23
1010 Wien
Speisen
Ambiente
Service
39
42
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9 Bewertungen
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