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Gasthaus Wickerl - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 16. Oktober 2012
Experte
amarone1977
315
75
30
2Speisen
2Ambiente
1Service
1 Check-In
Gelistet in: Wien - Beisl & Co.

Der Name „Wickerl“ hat was Liebenswertes, vor allem sehr Wienerisches an sich, obwohl mir nicht ganz klar ist, ob damit der Viktor, oder doch der Ludwig gemeint ist ;-))))))

Da ich bei Wienaufenthalten öfters mit dem guten alten D-Wagen unterwegs bin, fahre ich auch durch die irgendwie reizvolle Porzellangasse im 9. Bezirk.
Dabei fiel mir das Gasthaus Wickerl durch sein urtümliches Äußeres auf – und ich ließ mich mal hinreißen, vorbeizuschauen.
Vorweg: meine Erwartungen bezüglich des Liebenswerten sollten nicht erfüllt werden. Doch alles der Reihe nach.

Drinnen kommt richtig Gasthausfeeling auf – hier ist die Zeit stehen geblieben. Allerdings ist das nicht positiv gemeint. Zum Teil richtig alter Fliesenboden, die Holzverkleidung rund um die Tische wäre dringend renovierungsbedürftig. Urig – ja schon irgendwie, aber der Zigarettenrauch der letzten 50 Jahre scheint irgendwie überall förmlich zu „kleben“.
Über der Holzvertäfelung prangen an der Wand überdimensionale Puntigamer-Tafeln mit dem Speisen- und Getränkeangebot.

Apropos Rauch: mir fällt viel zu spät auf, dass es ein eigenes Nichtraucherabteil gibt – allerdings natürlich im hinteren Bereich des Lokals. Durch die Kälte draußen und der Leere im Magen war mir das gar nicht erst aufgefallen.
Der Rauchpegel ist aber noch erträglich.

Service: es befinden sich drei Damen im Lokal.
Eine ist offensichtlich die Chefin, zumeist hinter der Schank, Aktionsradius und –geschwindigkeit lassen darauf schließen. Eine ist flott zwischen Schank und Küche unterwegs. Eine taucht erst beim Servieren der Speisen auf.
Wie genau die Hierarchie zwischen den Damen geregelt ist, ist nicht ganz klar – aber eines ist sonnenklar: das Klima ist frostig, wie die Temperaturen draußen. Der, der es zuerst merkt, ist der Gast. Und das ist gar nicht gut.
Ein großes Nudelholz hängt gleich neben der Tür zum Nichtraucherbereich an einer Schnur von der Wand. Fast möchte man meinen, Damokles hätte es dorthin gehängt, oder eine der drei Damen.

Grüß Gott, wo darf ich Platz nehmen? Ein kurzes Wort und eine Handbewegung von Dame Nr. 2 genügen. „Zu trinken?“ Ein Staro wird sogleich serviert.
Die Karte offeriert traditionelle Wiener Küche inklusive Spezialitäten wie Wiener Backfleisch.
Ich brauche dringend Wärme im Bauch und bestelle eine Frittatensuppe und ein Fiakergulasch – ohne, ja erraten, ohne Gurkerln.

Nach einer Minute kommt Dame Nr. 3 aus der Küche und bringt die Suppe. „Frittatensuppe!“
Ich grüße höflich, da ich die Dame zum ersten Mal sehe und frage mich, warum ich dies zuerst tun muss.
Die Suppe ist aber ordentlich, gute Rindsuppe, tadellose Frittaten, nur ein bisserl zu viel Salz.

Das Fiakergulasch wird von Dame Nr. 2 gebracht. Dame Nr. 3 sitzt währenddessen am Nebentisch und isst ihr Pausenschnitzel.
Gulasch ausreichend würzig und intensiv, zu intensiv. Das Fleisch könnte saftiger sein, bleibt zuhauf zwischen den Zähnen hängen. Problematisch ist aber der Salzgehalt, der auch durch zwei Semmerln nicht neutralisiert wird. Ich bemühe mich zwar, aber es bleibt was stehen.
Als ich das Besteck zusammenlege und noch an der zweiten Semmelhälfte kaue, kommt auch schon Dame Nr. 3 und nimmt den Teller mit.

Eine Gruppe Männer kommt rein und hat nicht reserviert. Der einzig freie, etwas größere Tisch ist jener, an dem Dame Nr. 3 ihr Schnitzel noch nicht fertig gegessen hat. Sie macht also Platz und setzt sich an einen anderen Tisch.
Als ich den letzten Schluck des guten Staro austrinke, bringt sie gerade ihren Teller zurück zur Schank, die letzten Pommes werden dabei husch-husch mit den Fingern vom Teller genascht. Mahlzeit!

Warum erzähle ich das alles?
Ganz einfach: die Stimmung und die „Emotion“ in diesem Lokal waren schier beeindruckend, um es mal diplomatisch auszudrücken. Ebenso der – sagen wir mal – bodenständige Umgang mit Gast und Essgeschirr.
Ich mag urige Beisln. Aber ich kenne Beispiele, wo urig auch ur-leiwand ist. Über den Wiener Grant wird ja viel diskutiert, ob er nun gerechtfertigt ist oder nicht, ob er „typisch“ ist oder nicht, ob er zur Wiener Lokalkultur gehört – oder nicht.
Eines wird hier allerdings deutlich: sollte er eine Rechtfertigung haben, dann wenigstens wortgewaltig, aber nicht wortkarg, damit ich daheim in Nordslowenien wenigstens was Lustiges zu erzählen habe. Denn das würde zumindest die ordentlich versalzene Küche des vielleicht verliebten Kochs aufpeppen. Fragt sich nur, wer die Glückliche ist. Die drei Damen des Wickerl dürften es nicht sein.

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Kommentare (2)

am 21. Jänner 2013 um 17:33

Charly: Keine Ahnung, vielleicht hatten die Damen grad Stunk an jenem Abend. Ich hatte jedenfalls keine gute Stimmung erlebt.
So wie ich's beschrieben habe, so war's auch leider an jenem Abend.

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Experte
315
75
Charly am 21. Jänner 2013 um 16:07

Das Lokal habe ich ganz anders erlebt und zwar liebenswerte Bedienung, ein hervorragender Tafelspitz, eine super Nudelsuppe und und ...
Das Nudelholz ist übrigens die "Speisekarte" für den Nachtisch.

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Charly
Kein Tester
Gasthaus Wickerl
Porzellangasse 24a
1090 Wien
Speisen
Ambiente
Service
33
31
22
8 Bewertungen
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