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Green Cottage - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 16. September 2012
Update am 21. September 2012
Experte
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4Speisen
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3Service
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Man kann im „Green Cottage“ eigentlich nur einen fatalen Fehler begehen, nämlich die klassische panasiatische Küche oder gar ein billiges, auch von den Zutaten her, "All-You-Can-Eat-Buffet" beziehungsweise „Süß-Saures-Schweinefleisch“ gepaart mit „Acht Schätze“ bis zum Platzen erwarten. Dann ist man definitiv in diesem Lokal falsch. Hier wird chinesische Küche mit regionalen Einschlägen aus dem Südosten Chinas auf hohem Niveau und mit erstklassigen Zutaten geboten.

Der Besitzer und gleichzeitig auch der Küchenchef, Meister Li Ming Wu, kommt aus Hangzhou. Und diese Region zählt zu den acht bekanntesten Küchen Chinas, sie wird oft auch die Wiege der chinesischen Kochkunst genannt, und hat als Besonderheit eine besondere Vielfalt an Produkten – die Hafenstadt Wenzhou trägt dazu besonders bei. Eine Vielfalt an Gewürzen, Gemüsen, Obstsorten etc. stehen in dieser Küche zur Verfügung, und sie wird für die besonders knackige, leichte und frische Zubereitung geschätzt. Daher sind die Spezialgebiete von Meister Wu zum einen eben die Hangzhou-Küche aber auch die besonders würzige, teilweise auch scharfe Shanghai-Küche. Wichtig ist dem Meister jedoch, dass die Speisen und Zutaten ihren eigenen Geschmack beibehalten – gedämpft, gedünstet, gebraten oder geschmort und mit wenig Öl und wenig Stärke.

Der Meister Wu, der sich bis zum Kochmeister in einem 5-Sterne-Hotel in Hangzhou hochgearbeitet hat, beherrscht aber auch überraschenderweise die österreichische Küche, daher steht auch einer teilweisen Fusion mit der chinesischen Küche nichts mehr im Wege und spannende Geschmackskombinationen sind vom Meister aus der Küche zu erwarten. So kann man mit Kombinationen wie „Chrysanthemen-Heilbutt mit süß-sauer-scharfem Ingwer-Knoblauch-Fond“, „Hirschfleisch süß-sauer“, „Knödel aus Rinderfaschiertem mit Fischgeschmack“, „Garnelen in knuspriger Kartoffelspirale“, „Hühnerfleischwürfel mit Bärlauchstangen“, „Rehmedaillons über Teeblätter geräuchert gegrillt“ oder auch einer „Kürbiscremesuppe mit Kokosmilch und Minze“ überraschen und den Gast in eine neue Welt der Fusionsküche einladen. Ein besonders erwähnenswerter Punkt ist auch, dass der Meister Wu wirklich permanent an der Weiterentwicklung seiner Karte arbeitet und somit für stete Abwechslung sorgt. Und offensichtlich ist seine Kreativität nahezu unerschöpflich.

Das Lokal „Green Cottage“ hat zahlreiche Auszeichnungen:
(1) Á la Carte - 60 Punkte, ein Stern
(2) Falstaff - 83 Punkte, eine Gabel
(3) Gault Millau - 13 Punkte, eine Haube

In diesem Sinne werde ich das „Green Cottage“ auch unter diesem Aspekt und in diesem Rahmen bzw. auf diesem Niveau etwas strenger bewerten. Lediglich der „Tafelspitz“ ignorierte bisher dieses Lokal hartnäckig, was eigentlich eine Schande ist!

Ich war alleine unterwegs und hatte nicht reserviert. Im Lokal waren bereits fast alle Plätze besetzt, ein Nichtraucherlokal übrigens, jedoch wurde ich gleich nett in Empfang genommen und von der Chefin in den Garten geleitet, wo ich sowieso sitzen wollte. Das Lokal ist relativ klein und auch recht schlicht eingerichtet. Keine Lampions, kein Schnickschnack wie goldene Drachen oder ähnlich kitschige Ziergegenstände, aber durchaus bequem und gemütlich wirkend, bis auf die hintere kleine Stube – dort würde ich nicht gerne sitzen. Der Gastgarten liegt direkt an der Kettenbrückengasse und ist etwas wackelig aufgebaut – die Gartenmöbel sind nicht die besten und bequemsten jedoch noch im Rahmen, wenn auch eher billig wirkend, wie der Plastik-Efeu, der sich um den Windfang rankt.

Die Karte wurde mir rasch gereicht und diese liest sich sehr interessant und auch sehr „überkomplett“ – die Auswahl fällt einem sehr schwer. Es gibt Speisen auch für den kleinen Hunger, ein sehr reichliches Angebot an kalten und warmen Vorspeisen, einige Suppen und zahlreiche Spezialitäten, die die Handschrift des Meisters Wu tragen. Auch ein günstiges Mittagsmenü (EUR 7,50 für Suppe und Hauptspeise) sowie ein „Peking-Entenmenü“ ab vier Personen (gegen Voranmeldung, á EUR 36,00) sowie üppig ausgestattete „Wochenkarten“ werden offeriert.

Zu trinken hatte ich das „Trumer Pils“ (EUR 3,80 für das Krügel bzw. EUR 3,10 für das Seidel), das sehr gut gekühlt in der Flasche serviert wurde - tadellos.

Die Eindeckung des Tisches war unerwartet schlicht, aber völlig in Ordnung. Als Gruß aus der Küche gab es vorab ein „Kaltes Garnelenröllchen mit scharfer Erdbeersauce“ – das Röllchen natürlich hausgemacht, die Fülle sehr gut und würzig, leicht scharf abgeschmeckt. Die Erdbeersauce wurde mir etwas Schärfe zu einem „halben Chutney“ aufgewertet, dem allerdings keine Säure zugesetzt wurde, und daher war es eben kein vollwertiges Chutney. Die Kombination war nicht nur sehr interessant, sie schmeckte auch vorzüglich.

Als Vorspeise bestellte ich einmal das „Hühnerfleisch mit Sesamöl mariniert in Ma La Sauce“ (EUR 5,00), das kalt serviert wird. „Ma La“ ist eine recht populäre, ölige Marinade mit Szechuan-Pfeffer, Chili und anderen Gewürzen – in der Karte wird diese Speise auch mit „scharf“ angegeben. Bereits beim Servieren dachte ich, dass diese Portion als Vorspeise doch recht groß war. Das Hühnerfleisch war auf den Punkt gegart und zart, jedoch wie bei kaltem Hühnerfleisch normal, etwas fasrig. Das dunkle Sesamöl, natürlich von hoher Güte aus gerösteten Sesamkörnern hergestellt, harmonierte perfekt mit der würzigen und mit frischen Chilischoten sowie frischem Knoblauch geschärften Marinade. Dass hier das Huhn (nicht authentisch) bereits ausgelöst serviert wurde, kam mir persönlich sehr entgegen. Eine echte Geschmacksexplosion und ein echtes Genusserlebnis der anderen asiatischen Art – SEHR GUT.

Die Hauptspeise bestand aus den „Yuxiang-Bonbonstückerl (Rindsbeiried frittiert, süß-sauer-scharf knusprig)“ (EUR 16,50) – Yuxiang ist eine in China besondere Art der Würzung, bei der in jedem Fall Zucker, Salz , Sojabohnenpaste, Sojasauce und Chili verwendet wird. Wichtig hierfür ist aber auch den Fleischsaft vom Braten des Fleisches sowie Knoblauch, Ingwer und etwas feingehackte Frühlingszwiebel zu verwenden. Das Fleisch wurde, wie für ein Beef Tartare, per Hand klein geschnitten, dann daraus Bällchen geformt, und diese wurden knusprig gebraten. Die Fleischbällchen waren derart zart und kurzfaserig, dass ich nicht an Beiried glauben konnte, und Meister Wu persönlich bestätigte mir später in einem Gespräch, es war Rindsfilet. Die Sauce war, wie bereits bei der Vorspeise, eine einzige würzige Geschmacksexplosion mit sehr schöner Schärfe, die nicht alles erschlug. Ingwer, Knoblauch, frischer Chili, all das konnte man trotz der Sojabohnenpaste, die durch das Fermentieren ja besonders würzig ist, noch schmecken. Ein einziger Traum mit dem kleinen Manko, dass für mich die Sauce zu stark abgebunden wurde (Stärke) – trotzdem gerne ein SEHR GUT für einen außergewöhnlichen Genuss - die Portion war noch dazu sehr großzügig. Der Reis zur Hauptspeise, endlich wieder einmal vernünftigerweise inkludiert, war sehr gut körnig und bestens gegart.

Extra bestellte ich noch zur Hauptspeise, auf Empfehlung der Chefin, einmal ein „Gemischtes Wok-Gemüse“ (EUR 5,00) – das Gemüse bestand aus Pak-Choi, Karotten, Schlangenbohnen, Zucchini und Lauch. Trotzdem die Gemüsesorten so unterschiedliche Garzeiten haben, war alles auf den Punkt, knackig frisch, gebraten – ich hatte überdies bisher noch nie besseren Pak-Choi. Die Nähe zum Naschmarkt macht sich gerade bei Gemüse offensichtlich sehr bezahlt. Nicht notwendig wäre das Aufgießen mit Sauce gewesen, da dadurch das Gemüse unten am Teller relativ lasch wurde. Aus diesem Grund daher leider nur ein GUT, obwohl sich das Gemüse selbst durchraus eine sehr gute Benotung verdient hätte.

Die Nachspeise bestand aus dem „Eis-Ei im gebackenen Eiernudel-Nest“ (EUR 4,00) – die süßen Eiernudeln wurden natürlich hausgemacht und schmeckten wie eine Mischung aus süßem Hippen- bzw. Waffelteig. Durch den feinen aber doch sehr guten Buttergeschmack waren die Eiernudeln einfach ein Gedicht, wenn auch nicht ganz leicht zu essen, da sehr knusprig. Das Walnusseis war nicht hausgemacht, aber von sehr gutem Geschmack mit Nusskrokant. Eine Erdbeersauce rundete den Genuss des Desserts ab, das von mir ein sehr gutes GUT, da das Eis leider nicht hausgemacht war, bekommt. Auch der „kleine Espresso“ (EUR 2,70) dazu war sehr gut.

Summa summarum gebe ich den Speisen in diesem Rahmen und auf diesem Lokalniveau gerne ein ehrlich verdientes SEHR GUT. Alle Produkte waren TOP-Frisch und wunderbar und sehr schmackhaft zubereitet. Durch die Nähe des Naschmarktes wird die Frische auch Tag für Tag garantiert. Auch die Nudeln werden hier hausgemacht.

Für das Ambiente gebe ich in Summe für den Gastgarten und das Lokal gemeinsam gerade noch ein GUT. Geradlinig eingerichtet, aber freundlich und absolut nicht ungemütlich. An den Gartenmöbeln sollte man aber unbedingt noch arbeiten, ebenso wie am wackeligen Untergrund. In der Außenvitrine würde ich persönlich zurzeit auch nicht unbedingt das Sylvestermenü des letzten Jahres anpreisen und die Sanitäranlagen, die sauber sind, haben die besten Jahre auch schon hinter sich.

Für den Service (Chefin), der am Anfang sehr reserviert agierte, gebe ich gerne ein GUT, weil die Chefin mit fortlaufendem Besuch immer mehr auftaute und zu keinem Zeitpunkt unkorrekt oder gar unfreundlich war. Da ich mich immer sehr für Hintergründe und Informationen über die Küchen und Menschen ferner Länder interessiere, kamen wir schnell in ein ausgesprochen informatives und nettes Gespräch, wenn es sich auch etwas mühsam gestaltete, da man leider nur sehr holprig deutsch spricht. Auch mit dem Chef persönlich konnte ich mich noch länger unterhalten und über „Gott und die Küche“ fast schon freundschaftlich philosophieren. Die Geschäfte gehen im Moment nicht, wie gewünscht. Besonders die „All-You-Can-Eat“-Philosophie der Konkurrenz mache zu schaffen, wenngleich die Qualität natürlich unter den dortigen Buffet-Dumping-Preisen leiden muss…aber den Kunden scheint es egal zu sein.

Fazit: erwarten Sie keine Warmhalteplatten, keinen Pflaumenwein, keine Glückskekse und keinen Kitsch. Hier stehen eindeutig die chinesische Küche im Vordergrund und die hochwertigen Zutaten. Teppanyaki? Buffet? Menü um EUR 5,90? Sushi-Set? Nudel-Box? Gibt es hier nicht, und das ist gut so. Die Preise sind etwas gehoben, aber die Qualität und die Kochkunst von Meister Wu machen alles mehr als wett. Daher sind die Preise sehr angemessen und völlig gerechtfertigt. Zahlreiche Auszeichnungen an der Eingangstüre Jahr für Jahr bezeugen, dass man hier das gute und überdurchschnittliche Küchenniveau über Jahre hinweg schon halten kann. Für mich eine der besten Adressen für chinesische Küche in Wien und eine echte Empfehlung. Auch die Internetseite ist sehr informativ und aussagekräftig. Unbedingt einmal ausprobieren!

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Kommentare (9)

am 16. September 2012 um 22:44

Ein Besuch im Green Cottage lohnt sich immer!

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am 16. September 2012 um 21:20

Hab ich mir gedacht. Sowas spricht schon für ein Lokal. Werde sicher demnächsts hingehen.

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am 16. September 2012 um 20:43

Lieber wolf, der Besitzer betreibt das Lokal schon seit mehr als 20 Jahren!
Gerry

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am 16. September 2012 um 20:06

@magic
danke, ich habs auch schon in meinen neuen China Guide aufgenommen :)

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am 16. September 2012 um 19:50

@wolf:ja

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am 16. September 2012 um 18:43

Ich war da einmal vor 10-15 Jahren dort. Soweit ich mich erinnere war das Essen echt gut. Sind das immer noch die selben Betreiber?

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98
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am 16. September 2012 um 18:01

Wir gehen auch gerne hin, die Speisen passen eigentlich immer und es gibt sehr gute Weine, was bei Asiaten nicht selbstverständlich ist.

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63
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am 16. September 2012 um 17:37

Danke, lieber amarone1977, mich erinnert die Philosophie vom Meister Wu sehr an die vom Simon im nahen "ON".

Beide Lokale sind meine echten Favoriten derzeit für Asiatische / Chinesische Fusions-Küche.
Gerry

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215
47
am 16. September 2012 um 17:34

Lässig! Warum nicht mal Tafelspitz mit Bambus und Pilzen? ;-)

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Green Cottage
Kettenbrückengasse 3
1050 Wien
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