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Vittoria - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 29. Juli 2012
Experte
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28
1Speisen
1Ambiente
2Service
24 Fotos6 Check-Ins

Endlich habe ich auch einmal die Pizzeria Vittoria besucht, die eigentlich schon sehr lange auf meiner „To-Do-Liste“ steht – immerhin gibt es das Lokal schon seit 25 Jahren unter dem gleichen Besitzer, bemerkenswert. Ich wollte aber im Nachhinein, ich hätte mich anders entschieden…

Das Lokal wirkt von außen eigentlich wie so ein typisches Ristorante in Italien, bei dem die gesamte vordere Glasfront bei Bedarf geöffnet werden kann – es fehlt optisch lediglich ein Gastgarten vor dem Lokal. Bereits beim Eintreten „stolpert“ man über einen riesigen und „äußerst attraktiven“ Stapel an Prospekten. Das Interieur ist vorwiegend aus Holz und das Ambiente erinnert sofort an die späten 80er-Jahre. Das Lokal blieb anscheinend in dieser Zeit gefangen. Überall Figuren, Weinflaschen und vor allem zahlreiche Bilder aus vergangenen guten Tagen, als man 2007 & 2008 an der Pizza-Olympiade teilgenommen hatte. Eine Qualitätsauszeichnung stellt das natürlich keineswegs dar, und für mich persönlich ist das Berufen auf bereits lange vergangene Zeiten sowieso immer eher suspekt denn gute Werbung. Auch die „klassischen“ Wandgemälde, natürlich auch mit einer Szenerie aus Venezia, findet man hier vor.

Freundlich empfangen wird man hier nicht, eher gleichgültig. Auch der Chef persönlich sah mich auf mein deutliches und herzliches „Grüß Gott“ bloß stumm an, sah eigentlich eher durch mich hindurch und diskutierte dann lieber weiter mit seinen Angestellten. Die Dame vom Service grüßte mich, aber das war’s auch schon. Ich war übrigens hier über den gesamten Aufenthalt hindurch der einzige Gast im Lokal. Ich suchte mir einen Tisch beim offenen Fenster aus und harrte der Dinge, freute mich aber trotzdem noch immer auf ein lukullisches Mahl.

Die Speisekarte wurde gebracht, und man durfte wieder einige Seiten in der Speisekarte unter dem Motto „Wir waren seinerzeit bei der Pizza-Olympiade!“ lesen bzw. einige Fotos davon zwangsweise bewundern. Die Speisekarte bot keine Ausreißer an, ebenso auch keine besonders hochtrabenden, gekünstelten Speisen - wie ich es mir wünschte und erhoffte. Zuppa, Insalata, Pasta, Pizze, Al Forno, einige Fleisch- und einige Fisch- bzw. Muschelgerichte „e basta!“ - das lobte ich mir. Bei näherer Betrachtung jedoch fand ich auch die typischen „eigenartigen“ Pizzakreationen (Hawaii, Kartoffelpizza, Mexicana,…) und den Hinweis „Jede Pizza mit Knoblauchrand und Oregano“. Spätestens jetzt war es für mich mit der Authentizität bzw. dem „Original Italienisch“ vorbei.

Zu trinken hatte ich übrigens ein Zipfer vom Fass (EUR 3,30 das Krügel / EUR 2,30 das Seidel) – kühl, nicht sehr spritzig (zu wenig Kohlensäure), aber O.K. und im durchaus günstigen Bereich. Zum Abschluss gönnte ich mir noch einen kleinen Espresso (EUR 1,80) der nicht so sehr tollen Marke „Arabica“.

Meine Vorspeise bestand aus einer „Zuppa all pomodoro“ (Tomatensuppe, EUR 3,10) – bereits die durchgängige Schlagobers-Decke und die Menge an geschnittener Petersilie ließen mich ob der Originalität stutzen. Die Suppe wurde sehr heiß serviert und schmeckte überraschend frisch, wenn auch unspektakulär. Die Zuppa war recht gut mediterran abgeschmeckt, also nicht süß nach „Wiener Art“, tatsächlich auch frische Paradeiser als Zutat verwendet, fanden sich auch noch die nussigen Paradeiserkerne und ein paar wenige Paradeiserschalen in der Suppe, was mich persönlich generell nicht stört. Es muss nicht jede Tomatensuppe durch ein Haarsieb passiert werden. In Summe ein völlig „normales“ Gut, wenn auch mit beschriebenen Mankos.

Einmal natürlich die „Pizza originale“ schlechthin, nämlich die „Pizza Napoli originale“ (mittlere Variante 40cm / EUR 7,90) – diese Pizza verzeiht weder Fehler bei der Zubereitung noch bei den Zutaten. Tomatensauce, frische Paradeiser eventuell noch dazu, Büffelmozzarella, frischer Basilikum und sonst nichts. Mein erster Fehler war, die 40cm-Variante zu bestellen, die war einfach zu mächtig – es gibt hier dankenswerter Weise jede Pizza in 34cm-, 40cm- oder 50cm-Durchmesser. Der zweite Fehler war, wie bereits eingangs anklingen lassen, hier überhaupt Pizza zu essen. Optisch machte die Pizza auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Ein schöner gewellter und knuspriger Rand mit den typischen Holzofenspuren, da und dort Blasen auf der Pizza…aber eben auch ein völlig mehlig und noch teigig schmeckender, weicher Teigboden, der noch dazu recht geschmacksneutral war. Die Paradeiser einfach samt Strunk auf die Pizza „geklatscht“ – noch dazu eine besonders wässrige, nicht schmeckende Sorte á la „Gruß aus Holland“. Kein Büffelmozzarella, den gibt es hier nämlich gar nicht, und der frische Basilikum wurde einfach im Holzofen mitgebacken. Eine unglaublich enttäuschende Pizza, besonders nach diesen „Eigenlobeshymnen“, bei der man es nicht einmal schafft, drei ordentliche, hochwertige Zutaten an den Gast zu bringen. Schade auch um die Machart, denn immerhin hätte man hier einen wunderbaren Holzofen, den man aber offensichtlich nicht so richtig beherrscht (Temperatur). Dieses Pizza war einfach NICHT GUT und das auch nur mit Zudrücken beider Augen. Außerdem möchte ich noch bemerken, dass es eine weit verbreitete Unart ist, sehr große Pizze anzubieten, aber keine ebenso großen Teller hierfür zu haben. Nichts ist so unhygienisch, wie eine auf das Tischtuch überhängende Pizza - noch dazu wenn die Tischtücher, wie hier fleckig und nicht gerade ansprechend sind.

Als Gast bemerkt man schnell, dass das Lokal sowieso offensichtlich von der Zustellung lebt, denn es ist ein stetes Kommen und Gehen verschiedenster Pizzaboten. Ebenfalls bemerkt man recht rasch, dass alles im Lokal völlig „abwohnt“ ist, und die „Vittoria“ die beste Zeit wohl schon lange hinter sich hat. Seien es teilweise kaputte „Ziergegenstände“, abgeschlagenes oder völlig ausgebleichtes Holz oder auch durchgewetzte Polsterungen der Sitzbänke und Sessel – das Lokal ist äußerst renovierungsbedürftig. Völlig inakzeptabel sind auch die sanitären Anlagen. Nicht nur, dass man nur durch zahlreiche steile Stufen zu den WC-Anlagen gelangen kann, was sogar für ältere Personen ohne Gebrechen schon eine Herausforderung wäre, so sind diese auch eigentlich desolat und „russisch“. Sie sind zwar nicht verschmutzt, aber völlig abgenutzt und nicht einem „normalen“ Standard entsprechend. Außerdem benötigt man das Gäste-WC sowieso auch noch um Wäsche zu trocknen bzw. als generelle Rumpelkammer. Dieses Ambiente erlaubt in Summe keine bessere Bewertung als ein NICHT GUT, und auch das ist eigentlich schon gnädig.

Der Service ist völlig gleichgültig und praktisch zu keiner Zeit präsent. Pfeffermühle muss man sich durch lautes Rufen durch das Lokal herbeiwünschen, nach einem „Wie hat’s geschmeckt?“ wird man hier sowieso nicht gefragt. Ich bin bei Gott kein Gast, der umhegt und gestreichelt werden will, aber ein Minimum an Gastfreundlichkeit und um den Gast kümmern ist einfach erforderlich. Auch nach weiteren Getränken wurde ich zu keinem Zeitpunkt gefragt. Dabei wäre die Servicedame grundsätzlich gar nicht unhöflich oder unfreundlich gewesen – ein glattes MÄSSIG, und das ist auch wieder eher milde bewertet.

Das Lokal ist bei warmer Witterung brütend heiß, denn es gibt weder eine Klimaanlage noch einen Ventilator und es ist ein Raucherlokal. Das Allerschlimmste aber im Zuge meines Besuches war folgendes Erlebnis: als ich das WC aufsuchte, kam gleichzeitig auch einer der Pizzaboten auf die Toilette – gibt es hier übrigens kein Personal-WC? Er verrichtete seine Notdurft und verschwand wieder OHNE sich die Hände zu waschen. Diese Person liefert Ihnen dann Ihre Pizza mit diesen ungewaschenen Händen – Mahlzeit!

Fazit: ich gebe natürlich keine Empfehlung ab sondern spreche eher sogar eine Warnung für dieses Lokal aus. Qualität oder gepflegtes Ambiente werden Sie hier nicht finden. Für mich hat sich auch eine mögliche Bestellung per Zustellung (siehe Erlebnis am WC) erledigt, wiewohl ich nach heutigem Mahl sowieso kein zweites Mal in Versuchung käme. Man hat einen wunderbaren Holzofen, der über Jahre hinweg auch bestens „eingefahren“ ist und weiß offensichtlich nicht damit umzugehen. Ich habe noch nie ein Lokal so schlecht bewertet und war aber auch noch nie so sicher, dass diese Bewertung völlig gerechtfertigt ist. Ich bin immer im Zweifel für den Angeklagten und drücke schon einmal ein Auge zu bzw. toleriere den einen oder anderen Fauxpas, aber alles hat seine Grenzen. Es ist hier zwar billig, aber definitiv nicht günstig, daran wird auch eine „5+1 gratis“-Aktion bei Pizze nichts ändern – wer will schon insgesamt fünfmal schlecht essen, damit er es das sechste Mal dann gratis tun kann? Man sollte sich hier nicht so sehr auf die vielleicht einmal wirklich „glorreiche“ Vergangenheit berufen, sondern viel mehr um die Gegenwart kümmern, sonst wird es nämlich keine Zukunft mehr geben.

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Kommentare (1)

Tante Ju am 17. April 2013 um 13:08

Ich weiß ja nicht was du von einer Pizzeria erwartest. Aber meine Familie und auch ich sind sehr zufrieden mit diesem Restaurant. Die Kellnerin war zu uns sehr freundlich und auch zuvorkommend. Die Pizza ist eine der besten, die ich je gegessen habe (und es waren schon viele) Auch waren außer mir noch einige Gäste im Lokal. Größtenteils Arbeiter. Und wo Handwerker essen, kann man nur gut fahren. Ein Tipp einer sehr zufriedenen Kundin

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Tante Ju
Kein Tester
Vittoria
Sedlitzkygasse 49
1110 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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6 Bewertungen
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