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Al Fayrooz - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 19. Juli 2012
Experte
bubafant
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3Speisen
3Ambiente
3Service
31 Fotos4 Check-Ins

Speisen wie in 1001 Nacht – Libanesisches 3-Gänge-Menü um EUR 29,90 (71,40)

Der telefonischen Tischreservierung erster Versuch im April scheiterte an Ruhetagen, Veranstaltungen etc. Der zweite Versuch scheiterte fast an massiven Verständigungsproblemen, bis dem armen radebrechenden Menschen der Hörer ohne Vorwarnung aus der Hand genommen wird und eine eloquente tiefe Stimme die Reservierung für einen Dienstagabend perfekt macht. Unsere Gefühle sind gemischt, weil wir den Eingang bereits beim Besuch der Cantinetta am Ring gesehen haben. Da wir noch nie libanesische Küche erlebt haben, kann ich auf Authentizität nicht eingehen, sondern nur wie es uns geschmeckt hat. Also auf in ein neues Abenteuer.

Vor dem Eingangstor steht ein Werbeständer, allerdings in arabischer Sprache, um das Lokalschild ist eine Lichterkette geschlungen. Wir treten ein. Rechter Hand die verschlossene Tür zum Nachbarlokal, ein Bauchtänzerinnen-Bild und der holzverkleidete Abgang in den Keller. Unten angekommen verläuft sich der Raum schlauchartig nach beiden Seiten, links ein paar ziemlich abgenutzte hölzerne Hochtische mit Bänkchen, sowie der Zugang zu den Sanitäranlagen, die ebenfalls schon älter, aber in Ordnung sind.

Nach rechts weisen die vielen Shisha (Wasserpfeifen) in Reih und Glied auf einem Bord, dass wir in diese Richtung gehören und gleich danach öffnet sich auch der Raum und wir stehen vor der kleinen Theke und einem gemütlichen Sitzbereich, der bereits von Einheimischen bevölkert ist. Ein netter Kellner nimmt uns in Empfang, und dann werden wir erst in den Raum gebracht, in den wir essen werden.

Aha. Ein großer Saal, mit Stoffen und Musikinstrumenten als Deko an der Wand, an der Decke nach beiden Seiten hin abfallend Baldachine aus Stoff. Sehr schummrige bis nicht vorhandene Beleuchtung. Am Ende des Raumes Platz für Live-Musik und Tanz, ein paar farbgebende LED-Spots und sehr vorbildlich eine Rettungsgasse bildend, links und rechts an der Wand die Tische.
Wir sind die ersten Gäste und bekommen mitten auf der rechten Seite einen Zweiertisch, der erst von den eng anstehenden Nebentischen etwas weggerückt wird. Gedeckt mit Tischdecke, Menage, Stoffserviette, Ascher und einer Rose. Klassische Kaffeehaus-Stühle.

Wir bekommen die Speisekarte für die Getränkeauswahl, und wenn man diese näher an die Appliken an den Wänden bringt, kann man sogar etwas lesen. Der Kellner empfiehlt beim Bier das libanesische Almaza (0,33l EUR 4,50), das relativ unauffällig und ohne Facetten schmeckt. Das SoZi wird mit Strohhalm serviert, der ständig aufsteigt und fast vom Glas fällt.

Sehr bald nach unseren Getränken kommt der erste Gang in Form einer Vorspeisenplatte, und damit beginnt das Rücken am Tisch. Wieder einmal ist der Tisch für Teller, Platten, Getränke, Servietten und Menage eigentlich zu klein. Wir weichen halt ein bissl auf den linken Nebentisch aus und platzieren dort, was wir derzeit oder überhaupt nicht brauchen.
Auf der Platte sind – nach Erklärung des Kellners, der zugibt, nicht ‚professional‘ zu sein:
Kebbe Meklieh (frittierte Bulgurfrikadelle, gefüllt mit Fleisch und Pinienkernen). Sehr knusprige Hülle, eigentlich zu wenig Fülle, die auch beim Zerteilen gleich rausfällt. Die Nüsse weich, das Fleisch nur leicht gewürzt.
Sambusek (Teigtaschen, gefüllt mit Käse). Die Teigtaschen fast schon etwas weich geworden, gefüllt mit ungewürztem Frischkäse, mit Leinsamen bestreut.
Makdus (eingelegte Melanzani, gefüllt mit Knoblauch, Walnüssen und Paprika). Das erste Gericht mit Würze. Sehr viel sogar, was bei den beiden anderen gefehlt hat, ist hier nun vorhanden. Der eingelegte Melanzani lässt die Speicheldrüsen anspringen, die Nüsse sind noch erkennbar, das restliche Gemüse ist ziemlich klein gehackt.
Zeitoun (Oliven). Keine Offenbarung. Klein, großer Kern, kein guter Geschmack.
Kabbis (eingelegtes Gemüse). Ebenfalls unnötig und viel zu sauer. Ein Stückchen gekostet, der Rest geht zurück.

Mit aufgefächerten Tomatenscheiben sind die restlichen breiigen Speisen abgetrennt, die den Vorspeisenteller komplettieren:
Hummos (Kichererbsen Püree mit Sesampaste), Mutabal (Melanzani Püree mit Sesampaste) und Baba Ghanouge (gegrillte Melanzani, Tomaten und Zwiebel). Geschmacklich gut und lassen sich mit dem ausreichend vorhandenen, aber nicht sehr stilvoll servierten Fladenbrot im Frischhaltebeutel gut aufnehmen. Die noch warmen Brotviertel werden an der Luft relativ bald kalt und zäh.
Ergänzt wird der erste Gang noch mit einem libanesischen Salat (Tomate, Gurke und Eisbergsalat), der sehr dezent aber erfrischend mariniert ist.

Es kommen weitere Gäste, ebenfalls Gutschein-Kunden (die sich sicherlich ebenso wie wir nicht in diesen Keller verirrt hätten). Da wir uns mittlerweile an die Düsternis gewöhnt haben, können wir wiederkehrend das gleiche Schauspiel beobachten. Erstaunen bis Entsetzen, wo sie gelandet sind, verschämtes Grinsen und Hinwegschauspielern, dass sie keine Ahnung haben, was sie erwartet.
Obwohl wir im Untergeschoss sitzen, kommt frische Luft in den Raum, entweder durch die gekippten hübschen Fenster auf der gegenüberliegenden Seite, oder durch die Belüftungsschlitze in der Mitte der Decke. Sehr gut.

Der Hauptgang wird serviert, wieder auf einer Platte, eine Grillvariation mit einem tiefen Teller fast ungesalzenen, sehr fluffigen Reis.
An den Enden der länglichen Platte sind in Eisbergsalatblättern einmal Joghurt-Salat (Gurke, Knoblauch, Karotte – Minze lt. Speisekarte kann ich keine schmecken) und einmal ein Petersilie-Zwiebel-Gemisch.
Unter Fladenbrot-Vierteln, die mit Tomaten, Zwiebeln und Kräutern zubereitet sind, verstecken sich
Khashkhashi Kabab (faschierte Lammspieße), Schisch Taouk (Hühnerfleisch am Spieß), sowie Lammfleisch neben gegrillten Tomaten. Das Faschierte in Form, als auch das Hühnerfleisch hat keine Würze, die ich mir irgendwie unter arabischer Küche vorgestellt habe. Eher mäßig gewürzt, bis fad. Die Menge ist fast nicht bewältigbar.

Als Dessert bekommen wir einen Teller in die Mitte gestellt, auf dem neben frisch aufgeschnittenen Apfel und Nektarine zwei Stück Kuchen sind. Da wir es bei ganzen sechs weiteren Gästen leider nicht mehr erklärt bekommen, gehe ich davon aus, dass es am Boden Namura (arabischer Gries Kuchen) und obenauf Eschalsaraya (Pudding) ist, mit Honig und Nüssen verfeinert. Nichts aufregendes, aber ein netter Abschluss. Die Rechnung wird anschließend in einem kleinen Holzkästchen gebracht.

Fazit: Die Vorspeisen haben noch am ehesten unseren Vorstellungen entsprochen und waren neben dem Dessert in Ordnung, vom Hauptgang waren wir fast enttäuscht. Die Mengen waren ausreichend, ob sie den Normalpreis rechtfertigen, wage ich zu bezweifeln. Das Team im Lokal war ausgesprochen freundlich und man braucht absolut keine Berührungsängste haben. Wir werden wahrscheinlich nicht mehr wiederkommen, weil Küche in dieser mediterranen Art gibt es bessere.

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Kommentare (5)

Ginirid am 9. September 2012 um 08:53

Wenn ihr kein orientalisches Ambiente mögt, so bleibt doch bei der österr. Küche! "Nachwürzen ist besser als zuviel des Guten!"

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Ginirid
Kein Tester
am 22. Juli 2012 um 19:12

SSW,
danke für die Info,
is schon geistig notiert !

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Experte
283
71
am 22. Juli 2012 um 18:33

zum vergleich sicher keine entäuschung!

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Experte
152
83
am 22. Juli 2012 um 18:32

bubafant, für libanesische küche kann ich dir auch das Al-Badawi empfehlen.

Florianigasse 16 | 1080 Wien (8. Bezirk - Josefstadt)
Küche: Libanesisch, Arabisch
Lokaltyp: Restaurant
Tel: 01 4020197
Web: www.albadawi.at
Email: restaurant-albadawi@hotmail.com

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Experte
152
83
am 19. Juli 2012 um 21:43

Scheint ja bis auf die Hohen Preise nicht aufregend zu sein. Trotzdem endet die web Adresse auf .EU nicht at!

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11
2
Al Fayrooz
Dr.-Karl-Lueger-Ring 8
1010 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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