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Kornhäuslturm - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 8. Juli 2012
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bubafant
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3Ambiente
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1. Sommer FINE DINING FESTIVAL (Juni – September 2012)
7-Gänge Gourmetmenü um Euro 58,- pro Person

Freitagabend, 18:00 Uhr, ein Gewitter hat Wien gerade passiert – der vorgelagerte Gastgarten fällt demzufolge schon mal flach. Das Lokal befindet sich gleich neben dem namengebenden Kornhäuslturm und ist im Parterre des Hotels Mercure eingegliedert, gegenüber dem Cine-Center.
Wir betreten durch einen kleinen Windfang das Lokal und werden direkt vor der geschwungenen Theke von einer jungen Kellnerin sehr herzlich begrüßt und zu unserem reservierten Tisch gebracht. Das Lokal ist sehr modern in den Hauptfarben creme und brombeer gehalten, die Deko beschränkt sich auf ovale Deckenlampen, großen Spiegeln an den Wänden und Kunststoff-Gräser-Gebinde auf Sideboards. Tische gibt es für zwei, vier oder sechs Personen, teilweise ist mit Paarläufern, Platzteller und Deko eingedeckt. Aber unser Tisch ist (ganz objektiv) der schönste. Ein Vierertisch, Tischdecke, eine Hälfte mit Deko in Grün und der Rest für die vielen Gänge samt Stoffserviette eingedeckt. Sehr angenehm empfinde ich die Sitzbank mit Rücken zu der Trennwand zur Küche. Die Stühle sind aus Holz und haben wie die Bänke Ledersitzflächen. Einzig ein paar Zweiertische stehen extrem knapp beieinander, jeder Quadratmeter wird genutzt.

Wir bekommen eine gebundene Getränkekarte und eine reine Weinkarte als folierter Dreierbogen. Die Weinkarte ist nicht nur in Rot und Weiß, sondern in sich nach Weinsorten gegliedert und dann noch mittels einer 'Farbpalette' kategorisiert. Zuerst wollen wir wegen der Schwüle einen Krug Leitungswasser, das kann nicht erfüllt werden, weil das Lokal 'nur Flaschen hat'. Die servierte ¾ Liter Flasche Gasteiner natur schlägt sich mit schlanken EUR 5,90 zu Buche. Wir beginnen mit einem gemischten Satz (Zahel, Mauer, 2010, 1/8 EUR 4,10), der beim Einschenken mittels kleinen Glaskännchen eine fruchtige Note um die Nase schickt und die Vorstellung beginnt mit den Worten der Kellnerin: Die Küche weiß Bescheid.

Der Gruß aus der Küche besteht aus gleich zwei Teilen/Tellerchen.
Gebratene Jakobsmuschel im Speckmantel mit Wildsalat.
Der Salat kaum mariniert, die Jakobsmuschel perfekt gebraten mit gutem Biss und in einen knusprigen Speckmäntelchen mit sehr guten Aromen verpackt.
Vegetarische Asiatische Speise.
Eine knusprig herausgebackene Mini-Frühlingsrolle mit Gemüsefüllung, schräg in zwei Teile geschnitten, serviert auf klein geschnittenen, mit einigem Chili gebratenen Gemüse. Sehr gute Schärfe etwas im Nachhinein.
Sehr gut. So kann’s weiter gehen.

Basilikum Panna cotta mit Erdbeeren, Balsamico und Sisho-Kresse.
Die kleine Portion wird in einem riesigen Teller serviert, das Schlichten von Gläsern und Besteck beginnt. Die Panna cotta ist zwar gut in der Konsistenz, aber leider etwas geschmacklos geraten. Traumhaft allerdings die dazu gereichten, marinierten Erdbeeren. O-Ton meiner Begleitung: das wird kein Ganzes mehr. Genauso ist es. Wir verbuchen es als Löschgang nach dem asiatischen Opener.

Die gut geschulte Kellnerin fragt, ob wir eine kleine Pause machen wollen. Ja. Sie meint etwa fünf Minuten. Währenddessen denke ich mir schon, dass der gemischte Satz, obwohl nur daran genippt, schon wirkt, dabei dreht sich der Tisch wirklich. Die Fuß Säule scheint so konzipiert zu sein, dass man die Tischplatte drehen kann, aber da muss es doch auch noch eine Arretierung geben. Kurz unter den Tisch getaucht, wir finden nichts. Und die Klimaanlage läuft auch auf Hochtouren, mir ist es gelinde gesagt, Zehen kalt, was fast nie vorkommt.

Mango-Kokosschaumsüppchen mit gegrilltem Garnelenspieß.
Serviert im doppelwandigen Thermo-Glas mit Henkel und die Garnele auf einem Holzspieß drauf platziert. Der Schaum bedeckt nicht nur die Suppe, sondern auch die Garnele. Diese ist knusprig und wieder mit leichter (Chili)Schärfe verfeinert, dass es eine Freude ist. Die Suppe schmeckt hauptsächlich nach Mango, was ich sehr erfrischend finde und sie bleibt bis zum letzten Löffel heiß.
Bei diesem Gang hat es die Küche der Kellnerin mit dem Servieren nicht leicht gemacht. Teller, Serviette, Porzellanteller, Metallteller und darauf das Glas. Das hat Hoppala-Potential.

Das Lokal füllt sich etwas, es wird aber auch klar, dass es keinesfalls ausgebucht ist. Einige Gäste sind vom Hotel, wenig Laufkundschaft. Insgesamt ist der Schall sehr gut unterwegs, da ich vom Tisch am anderen Ende des Lokals immer wieder Gesprächsfetzen empfange. Die Hintergrundmusik ist sehr dezent und bleibt nicht im Gedächtnis. Nach jedem Gang werden wir gefragt, ob es uns geschmeckt hat, alles in Ordnung ist und ob wir wieder eine kleine Pause machen wollen.
Die sauberen, aber schon etwas mitgenommen Sanitäranlagen befinden sich im Hotel-Bereich und sind über mehrere Stufen im Keller zu erreichen.

Knuspriger Neusiedler See-Zander auf sautiertem Lauch-Zitrusspinat und Speckschäumchen.
Zwei knusprig gebratene Stück Fisch auf leicht zitronig schmeckendem Spinat, der Lauch tritt für mich nicht in Erscheinung. Originell auf einem 'Wisch' vom Fond gebettet. Aber jetzt kommt's. Das Schäumchen. Ja, es ist vom Speck, schmeckt für mich aber, als hätte ich Bratlfettn am Fisch.
Gäste nebenan, die diese Kreation etwas größer als Hauptspeise bestellten, meinen beim Zahlen, dass sie sich das ganze etwas anders vorgestellt haben. Das trifft es eigentlich sehr gut.

Für den zweiten Teil des Abends bestellen wir einen Cuvée (Pasler, Jois, 2007, 1/8 EUR 4,70), der fruchtig-samt daherkommt.
Dazu gesellt sich
Sorbet von Erdbeer mit Aperol und Prosecco.
Serviert wiederum auf zwei Porzellantellern und hohem Stielglas, allerdings kleinen Dessertlöffel. Für mich der schwächste Gang, das Sorbet hat gut geschmeckt, aber ich mag Prosecco nicht so sehr. Das halbe Glas geht zurück und voller Entsetzen erkundigt sich die Kellnerin, ob etwas nicht in Ordnung gewesen sei.

Es folgt wieder die Frage nach einer Pause und nachdem bisher die fünf Minuten meist die dreifache Zeit waren, nicken wir nur ab. Plötzlich erscheint sie nochmals hinter der Trennwand zur Küche und meint 'fnudn ?' Zumindest haben wir das hören wollen oder so. Auf unser Fragezeichen im Blick hin wiederholt sie: fünf Minuten ? Mein Komikzentrum war getroffen. Das aber für eine lange Zeit.

Rosa gebratenes Rinderfilet auf Erdäpfel-Spargelgröstl mit Schalottenconfit und Portweinjus.
Nettes, großes Stück Rind, scharf angebraten, innen babyrosa, leicht fest im Biss, das Gröstl sehr gut gebraten und gewürzt, hauptsächlich Spargelköpfe. Vom Portweinjus hätte etwas mehr am Teller sein können, es ist sehr stimmig zum Fleisch, sehr gut das Confit. Eine gelungene Kombination.

Und noch ein Gruß aus der Küche – Erdbeeren getunkt in weißer Schokolade.
Vielleicht übrig geblieben von unserer folgenden Nachspeise, uns freut’s, weil die Erdbeeren sind ausgereift und süß. Nette Geste mit wenig Aufwand und großem Effekt.

Der letzte Gang:
Erdbeerknödel mit Nussbrösel, Erdbeer-Minzsalat und Eierliköreis.
Da sind sie wieder die köstlichen Erdbeeren. Serviert auf drei Tellerchen mit schwarzem Holzbrettchen. Der Knödel lockerflaumig, die Erdbeeren in altbewährter Manier gut mariniert und mit Minze versehen. Das Eierliköreis mit kleinem Kern und rundherum schaumig cremig. Schmatz.
Der Cappuccino (serviert mit Zucker und Süßstoff) und Wasserglas kommt auf EUR 3,50.

Fazit: Die Kellnerin hat uns drei Stunden umhegt und sich perfekt um uns gekümmert. Das Menü war von perfekter Qualität und kann bei so vielen Gängen nicht immer unseren Geschmack hundertprozentig treffen, bescherte uns allerdings spannende neue Geschmackserfahrungen. Die Speisen finden sich zum Großteil natürlich in der Speisekarte wieder, die Portionen sind mit Sicherheit nicht die gleiche Größe. Bei der nächsten (Sommer)Aktion sind wir wieder dabei.

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Kommentare (2)

am 9. Juli 2012 um 10:41

das klingt ja mal alles sehr, sehr verlockend!!!

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am 8. Juli 2012 um 20:40

Mahlzeit!

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Kornhäuslturm
Fleischmarkt 1A
1010 Wien
Speisen
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