RestaurantTester.at
Home Mein Profil Lokal Guides Events Lokal eintragen

Neubauschenke - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 4. Juli 2012
Experte
bubafant
283
71
29
3Speisen
3Ambiente
4Service
21 Fotos3 Check-Ins

Ein traditioneller Hochgenuss – ein 3-Gänge-Menü im Restaurant Neubauschenke inklusive eines Glases Prosecco.
Telefonische Reservierung für einen Mittwoch-Abend bei einem sehr netten Herrn. NR.

Das Restaurant liegt an der Ecke eines Häuserblockes. Deutlich sichtbar, dass es schon länger besteht, allerdings sehr gepflegt. Über eine Stufe betritt man durch ein holzdominiertes Portal das Lokal und hat sofort links die hölzerne Schank. Geradeaus in schlauchförmiger Raumordnung rustikale Tische und Sessel, schon sehr tief im Raum blitzt eine silberne Ritterrüstung und am Ende beschließt ein Spiegel die Raumflucht.

Der Kellner fragt uns, ob wir bei dem schönen Wetter vielleicht doch draußen im Gastgarten sitzen wollen. Ja wollen wir. Er bittet uns, vorzugehen, er kommt gleich nach.
An der Theke beginnt's, dann fast im regelmässigen ZickZack links und rechts, vorbei an der Küche mit Durchreiche und an den Toiletten und nach der letzten Kurve ein paar Stufen in einen riesigen Wiener Innenhof, der von vier Zinshäusern begrenzt wird.
Der Gastgarten ist sehr gerecht in dem zum eigentlichen Haus gehörenden Teil mit mannhohen Holzbrettern und außen Schilfrohrmatten eingezäunt und bietet auf einer leicht schräg ansteigenden Fläche, gepflastert mit Waschbetonplatten, Platz für ca. 30 Personen und ist zu einem guten Drittel besetzt. Außerdem noch eine eher schmuddelige Hollywoodschaukel, viel Deko und Pflanzen. Die Tische sind mit Stofftischdecken in weiß und grün eingedeckt, die Stühle in der RattanAltversion mit dünnen Polsterln.

Der Kellner ist stimmvolumsmässig jene Person, mit der ich telefoniert habe und kommt, wie versprochen, zu uns in den Gastgarten. Wir besprechen, ob wir den Prosecco sofort wollen oder etwas später und dass es leider eine der ausgeschriebenen Vorspeisen nicht gibt, weil bei der tropischen Hitze eine Ei-Terrine doch etwas gefährlich wäre. Dafür habe ich vollstes Verständnis, ich möchte auf keinen Fall von meinen RotJackenKollegen abtransportiert werden. Allerdings können wir aus vier Suppen aussuchen und entscheiden uns für Leberknödel und Fleischstrudel (alternativ noch Nudel und Frittate).
Der Leberknödel ist für mich perfekt in der Konsistenz, gut gewürzt und einer der Riesigsten, die ich seit langem gesehen habe. Aus der Masse machen andere zwei Knödel. Der Fleischstrudel ebenfalls gut gewürzt und auch keine kleine Portion. Die Suppe eher die linde Variante, was aber nicht gestört hat.

Nach der Suppe ist Zeit, sich mal im Hof umzuschauen – wahrscheinlich einige Augenpaare hinter den vielen Stockwerken und Fenstern mit Gardinen ;-). Und seit Anbeginn habe ich irgendwie so eine Art Mottenkugelduft in der Nase. Tatsächlich stehen einige Anwohner am Fenster und rauchen (Gangfenster). Jeden Tag ein anderes Schauspiel. Gratis. Erste Reihe fußfrei.
Noch etwas irritiert. Am Ende des Gastgartens, gleich neben unserem Tisch ist eine Tür in die Umzäunung eingelassen. In regelmäßigen Abständen kommen Personen aus dem Lokal, gehen durch den Gastgarten und bei dieser besagten Tür hinaus. Hier wird jeder unterhalten :-p

Weiter geht es mit dem Hauptgang: Jungfernfilet-Spieß und Hühner-Bergbaron-Spieß, Braterdäpfelscheiben, Kräuterbutter, Pilafreis und Grillsauce.
Serviert auf einem riesigen Holzbrett neben einem Teller mit Vorlegebesteck. Wie schief der Gastgarten ist, zeigt sich jetzt, weil sich die Marinade des Salates gerade noch in der tiefen Saftrinne sammeln kann, ohne darüber hinaus zu laufen. Ein Spieß durchbohrt zwei Hühnchenrollen, gefüllt mit Bergbaron und Schinken, ergänzt durch hauchdünne Speckscheiben, Zwiebel und Paprika. Alle Beteiligten lassen sich problemlos vom Spieß schieben. Das Huhn ist zart und hat die richtige Stärke. Der Käse würzig, außen knusprig und innen noch leicht flüssig. Das Gemüse gut durchgegrillt. Den zweiten Spieß erobern zwei enorm große und dicke Schweinsfiletstücke, mit der gleichen Gemüseergänzung. Subjektiv gesehen, sind mir die Stücke zu groß und fast nicht bewältigbar, sparsam gewürzt und für mich das schwächste Glied in der Kette.
Als Unterstützung: der Krautsalat ist gut, kleingehobelt, mit viel Kümmel. Zwiebelringe in feinster Auffächerung. Eine Sauce, schwer zu beschreiben, sehr orangefarben, fein geschnittenes Gemüse, geschmacklich wie 'kaltes Letscho'. Perfekt knusprige Erdäpfelstücke und eine Portion ungesalzener, gestürzter Reis.

Im weiteren Verlauf schweben immer wieder diese vorgenannten Duftwölkchen vorbei. Bis ich es definitiv lokalisieren kann. Das sind WC-Steine. Viele WC-Fenster schauen auf den Innenhof. Eher weniger prickelnd. Das lokaleigene WC ist schon etwas älter, allerdings sehr sauber und mit einer zu knapp bemessenen Zeitschaltuhr versehen.

Den Prosecco canceln wir jetzt, weil es einfach viel zu heiß ist. Beim Dessert besteht wieder Wahlmöglichkeit. Den Maroni-Reis ziehen wir überhaupt nicht in Erwägung, wir freuen uns auf den selbstgemachten Apfelstrudel. Dieser wird auf einem großen Teller heiß serviert, mit einer Portion ungezuckertem Schlagobers mit Minzeblatt und Schokoverzierung. Dieser Strudel ist der perfekte Abschluss eines guten Essens: warm, locker im Inneren, nicht zu süß und mit vielen prallen (eingelegten ?) Rosinen.

Der Kellner bringt den ganzen Abend über eine gute Vorstellung, immer zur Stelle, wenn man an ihn denkt, entschuldigt sich, dass er den nicht konsumierten Prosecco leider nicht mit dem Cappuccino gegenverrechnen kann, plaudert angenehm von den Erfahrungen mit den Gutscheinen (schon die dritte Aktion) und hat den von uns so geschätzten Schmäh drauf.

Fazit: Gutes Essen, olfaktorisch gewöhnungsbedürftige Umgebung, eloquenter Kellner. Die EUR 14,90 für die Speisen für Zwei waren gut investiert, wir haben wieder ein nettes Lokal kennen gelernt.

Was meinst du zu dieser Bewertung?
Hilfreich?Ja10Gefällt mir8Lesenswert6

Kommentare (3)

am 5. Juli 2012 um 12:16

PS: man fragt sich ja wirklich - WC-Geruch ist ja schon mal unsexy. WC-Stein-Geruch allerdings auch.
Wer also wird die/der Erste sein, die/der einen WC-Stein erfindet, der nicht nach WC-Stein riecht? ;-)

Gefällt mir1
Experte
315
75
am 5. Juli 2012 um 11:24

bubafantine: es soll schon Gäste gegeben haben, die ihre eigenen WC-Steine mitbrachten! *ggg*

Gefällt mir1
Experte
315
75
am 4. Juli 2012 um 22:57

So schreibt man eine Lokalbewertung, what else?
"H", ja, "G" sowieso und "L", was sonst...
Gerry

Gefällt mir1
Experte
215
47
Neubauschenke
Zieglergasse 25
1070 Wien
Speisen
Ambiente
Service
37
33
41
5 Bewertungen
Neubauschenke - Karte
Zum Lokal »
Zum Lokal »
Home|Sitemap|Neue Lokaleinträge|Neu anmelden|Lokal eintragen|Hilfe|AGB & Datenschutz

Copyright © 2008-2016 RestaurantTester.at
Cookies helfen uns, Ihnen eine bessere Erfahrung auf dieser Website zu bieten.
Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Info
OK