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PIERRE Café - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 4. Juni 2012
Experte
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4Speisen
4Ambiente
4Service
25 Fotos4 Check-Ins

Wir wollten endlich wieder einmal richtig ordentlich brunchen – also vom Frühstück (= Breakfast) direkt in Richtung Mittagessen (= Lunch) übergehen. Ohne Geschirr, ohne Vorbereitungen, ohne selber kochen müssen, ohne Einkauf, einfach nur gemäß der eigentlichen Beschreibung für „Team“ alles genießen = „Toll, Ein Anderer Macht’s“, eben TEAM. Dann ist man im Café-Bistro Pierre völlig richtig und bestens aufgehoben.

Jeden Samstag und Sonntag wird in diesem Bistro & Café mit französischem Flair von 10:00h-15:00h gebruncht was das Zeug hält. Dass das Café-Bistro Pierre dann eine völlige Nichtraucherzone ist, finde ich schon alleine wegen des offenen Buffets ausgezeichnet. Das Lokal hat schon ab der telefonischen Reservierung („Bon jour, comment ça va?“) alles, was man von einem französischen Bistro erwartet. Ich kenne Bistros aus Paris, Lille und Reims (früher Rheims), und die waren um keinen Deut weniger authentisch als das Café-Bistro Pierre.

Das Interieur überzeugt ebenfalls zu 100%: zahlreiche kleine Schiefertafeln da und dort, hinter der Schank mit zahlreichen Regalen eine riesige Schiefertafel, die verkündet, was eben zu verkünden ist, Bistrosessel, Bistrotische, teilweise Holzboden, hohe Räume, da eine Vitrine mir hausgemachten Patisserie-Schmankerl, dort ein stimmiges Weinregal,… – Vive la France und Urlaub mitten in Wien!

Der Gastgarten ist zwar etwas beengt eingerichtet, aber durchaus lauschig und durch die verkehrsberuhigte Zone völlig ruhig am Wochenende. Man sollte hier unbedingt reservieren, was wir auch taten, denn sonst kann es sowohl im Lokal als auch im Gastgarten sehr problematisch werden, wie oftmalig beobachtet. Das Lokal samt Gastgarten liegt in etwa gegenüber, nein, um Gottes Willen, hier muss man „vis à vis“ sagen, vom Apollo-Kino beziehungsweise vom Haus des Meeres, direkt am „Trottoir“ der Windmühlgasse. Für den Brunch (ohne Getränke oder Säfte) bezahlt man hier übrigens EUR 12,90, was einem zwar etwas teuer erscheint, aber durch das Ambiente und das üppige Angebot beim Brunch wird das wieder mehr als wettgemacht – nie dachte ich, es wäre nicht gerechtfertigt.

Ich will eigentlich nur einmal kürzer, einmal länger auf die Dinge beim Brunch eingehen, die wir wählten, denn sowohl die Fotos als auch die Informationen auf der sehr guten Internetseite informieren über ein Angebot, dass man sowieso niemals bewältigen kann. Das kalte wie auch das warme Buffet haben eine umfangreiche Auswahl und es ist schier unmöglich, hier nicht auf seine Kosten zu kommen. Auch vegetarische Speisen werden angeboten. Was störte mich aber beim ersten Blick auf das Buffet sofort: es werden auch diese billigen Honig-Packerl aus Plastik ebenso wie die original Nutella–Plastik-Packerl angeboten. Das tut optisch weh, und man hat für die hausgemachten Marmeladen, Senfe, Saucen ja auch eine andere Lösung gefunden, die ansprechend und stilecht war.

Weichkäse, Schnittkäse und auch der Mozzarella waren durch die Bank sehr gut. Der geräucherte Lachs mit dem hausgemachten Dill-Senf mehr als nur sehr gut. Auf der Wurst-/Schinkenplatte befanden sich saftige und permanent aufgefüllte Klassiker, die allesamt hauchdünn aufgeschnitten und frisch präsentiert wurden.

Zahlreiche Töpfchen mit Chutneys, Senf-Spezialitäten (Kräutersenf, Feigensenf, etc.) sowie original französischen Marmeladen (besonders die Confiture de fraîses, also Erdbeermarmelade) waren ein Traum. Da ich selber so viel einkoche, einlege, ansetze…kann ich nur sagen: „Chapeau, bien joué!“ – gute Auswahl! Man kann übrigens alles hier auch kaufen, wenn man sich in das eine oder andere Gläschen verliebt.

Für das Frühstücksjoghurt gibt es ausreichend Früchte, Müsli und andere Cerealien, die allesamt frisch waren. Die Eier werden recht flaumig als Rührei zubereitet, und der zusätzlich angebotene Speck ist von sehr guter Qualität, jedoch nicht wirklich knusprig. Die Nachfrage an Melone war offensichtlich überraschend hoch, denn hier gab es schon eine beträchtliche Wartezeit. Eine Hawaii-Ananas hätte man besser auch eher portionieren, denn im Ganzen drapieren sollen – am Buffet gab es keine großen Messer. Die Salate waren alle sehr frisch und appetitlich angerichtet – einfach einladend.

Der frisch gepresste BIO-Orangensaft (EUR 4,20 für 0,3L) ist zwar kein preiswertes Angebot, aber er war ausgezeichnet und hatte einen sehr hohen Fruchtfleischanteil. Besonders schön und stimmig fand ich, dass hier der Kaffee in den für Frankreich so typischen Schälchen serviert wird. Der große Espresso kostete EUR 3,50 je Schale und der Cappuccino, natürlich mit Milchschaum, EUR 3,00 – beides in sehr guter und sehr zufrieden machender Qualität.

Zum Frühstücksgebäck wäre zu erwähnen, dass dieses außer dem obligaten Croissant (sehr flaumig und buttrig), natürlich ausschließlich aus Weißgebäck (Weckerl, Baguette, etc.) besteht. Schwarzbrot ist in Frankreich einfach nicht üblich, und ich würde es auch hier weder erwarten, noch wollen. Aber jegliches Gebäck war frisch und sehr gut.

Die Antipasti – ich hatte Pomodori Secchi, Eiaufstrich, Thunfischaufstrich, Oliven, Kapern und Olivenpaste – waren alle ausgezeichnet, frisch und gut abgeschmeckt. Von den warmen Speisen hatte ich die Fleischbällchen (sehr gut, aber kompakt), gebackene Champignons (teilweise etwas eingetrocknet, aber gut gebacken) mit einer hausgemachten Sauce Tartare (sehr gut). Die Quiche Lorraine (der Klassiker eigentlich) riss mich nicht vom Hocker, die hausgemachte Zwiebelsuppe war handwerklich einfach nicht gut gemacht. Die größte Sünde, die man bei einer Zwiebelsuppe machen kann, ist die Zwiebel nicht ordentlich anzurösten oder gar zu karamellisieren. So war es leider hier auch – völlig blasse und geschmacklose Zwiebel, eine dünne Suppe und kein Baguette mit Käse überbacken. Schade, aber das hatte mit einer „Französischen Zwiebelsuppe“ absolut nichts gemein.

Die süßen Strudel (Kirsche und Apfel hatte ich probiert) waren sehr gut, jedoch ist für mich der Plunderteig etwas zu mehlig und etwas zu wenig süß für diese Fülle. Da hätte ich es gerne süßer gehabt, es ist aber Geschmacksache. Hausgemacht waren alle Strudel. Die Schokolade-Crêpes waren sehr gut, aber leider lud ich mir auch irrtümlich (gleich daneben liegend) eine vermeintlich süße Topfen-Crêpe auf den Teller. Es war ein herzhafter und würziger Crêpe mit Frischkäsefüllung. Schön flaumig die Füllung, aber das neben der süßen Crêpe zu drapieren halte ich für grobe Täuschung. Und somit bin ich gleich beim nächsten echten Manko: es wird hier absolut nichts beschriftet, und für Erklärungen ist de facto kein Personal zur Verfügung. So manche Speise hätte sich nicht nur eine Erklärung verdient, sondern sie wäre auch angebracht gewesen (speziell bei den Quiches mit optisch sehr ähnlicher Füllung).

Als Abschluss gönnte sich meine beste Ehefrau von allen einen Prosecco (EUR 3,30 für 0,1L), der unspektakulär aber durchaus gut war. Ich nahm mir noch eine Limonade, die mich an so manchen Kindheitsurlaub in Italien erinnerte. Dort wird diese Zitronen-Pfefferminzlimonade in jedem Badeort an jeder Ecke offen aus dem Eis-Rühr-Automaten verkauft. Für diese Limonade gilt: entweder heiß lieben oder abgrundtief hassen. Ich liebe sie, und sie nennt sich hier „Diabolo Menthe“, kostete EUR 2,60 für 0,3L und war wirklich giftgrün.

Der Service ist vielleicht manchmal, ob des großen Andranges überfordert, aber es laufen alle Servicekräfte wirklich permanent und fleißig herum. Immer freundlich lächelnd wird auch jede Frage kompetent und nett beantwortet. Die gute Laune des Services überträgt sich auch auf den Gast. Ein glattes SEHR GUT, denn hier will man einen entspannten und nicht angespannten Service haben.

Für die Speisen gebe ich trotz mancher Abstriche oder kleiner Fehler ein SEHR GUT, denn alles kann hier mit großer Auswahl wunderbar „ausgebügelt“ werden. Die Zutaten sind hochwertig, sehr frisch und qualitativ sehr gut. Es ist kein Hauben- oder Sternelokal und genau deswegen ist hier der Brunch so leger einfach und sehr zufriedenstellend. „Versumpern“ für zwei bis drei Stunden…hier kein Problem.

Fazit: es gibt für den Brunch in diesem Lokal eine unbedingte und bedingungslose Empfehlung von mir. Unbedingt einmal herkommen und ausprobieren. Das eine oder andere Schmankerl nimmt man sich dann einfach noch aus dem Shop (original Importware aus Frankreich wie Gewürze, Marmeladen, Schokoladen und Getränke) mit nach Hause. Ja, es gibt da und dort keine Perfektion, aber das macht auch den gewissen Charme aus. Die Sanitäranlagen sind sehr gepflegt, das Lokal jedoch ist leider nicht behindertengerecht. Die Erreichbarkeit mit den Öffis ist natürlich sehr gut. Man sollte hier wirklich einmal einfach am Wochenende die Seele baumeln lassen - sehr hoher Erholungs- und Entspannungswert wie bei einem sehr gelungenem Kurzurlaub unter dem Motto „Ich bin dann mal kurz weg…“ – es muss ja nicht immer gleich der Jakobsweg sein…

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Kommentare (4)

am 5. Juni 2012 um 20:36

Gerne, liebe sakoe, eine echte Empfehlung für die Kurzerholung!

Gerry

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am 5. Juni 2012 um 08:37

wow...das klingt ja AUSGEZEICHNET...danke für die fotos!

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am 4. Juni 2012 um 22:01

Ja, mon cherie...

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215
47
am 4. Juni 2012 um 21:58

Wie sagt man? Merci Cherie .. äh.. Gerry!! ;)

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PIERRE Café
Windmühlgasse 32
1060 Wien
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