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Piccola Italia - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 1. Juni 2012
Experte
uc0gr
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47
28
2Speisen
4Ambiente
2Service
26 Fotos4 Check-Ins

Das „Piccola Italia“ so objektiv wie möglich zu bewerten ist fast schon eine Bürde. Zahlreiche ein- bis zweizeilige Lobeshymnen auf dieses Lokal, gebrieft durch den Lokalbesitzer, wurden hier schon geschrieben. Manche Bewertung wohl auch im Nebel des Alkohols. Nichts desto trotz werde ich versuchen, mehr als nur mein Bestes zu geben und möglichst objektiv zu bleiben. Festhalten möchte ich aber, das ist sehr relevant, es ist ein gehobenes Marktlokal ohne jede Haube oder jeden Stern und genau so werde ich es auch bewerten – nicht als echtes mediterranes oder gar gehobenes italienisches Ristorante.

Trotzdem nicht sehr viel im Lokal los war, wir hatten im Gartenbereich Platz genommen, warteten wir doch einige Zeit, bis wir bedient wurden. Generell hat der Außenbereich durch die umfangreiche Sanierung des Naschmarktes, die in diesem Bereich bereits abgeschlossen ist, sehr gewonnen. Etwas luftiger und großzügiger nun gestaltet und vom Platz her doch jetzt deutlich ansprechender. Kaum hatten wir die Karte in der Hand, wurden wir bereits nach den Getränken gefragt, was zwar häufig passiert aber immer auch absolut unangenehm ist, weil man ja noch nicht weiß, was man essen wird.

Die Speisekarte ist bei Gott recht großzügig gestaltet. Von Pasta über Fisch, Meeresfrüchte, Antipasti, Suppen oder Bruschetta – nein, da gibt es wirklich keinen Grund zur Beschwerde. Auf den zweiten Blick aber fielen mir sofort die recht eigenwilligen Bruschetta-Kreationen auf, die ich so beim besten Willen nicht aus Italien kenne. Weiters bemerkt man sofort die doch für diese Lokalart und in diesem Rahmen sehr gehobenen Preise, die teilweise sogar etwas übertrieben sind. Bereits am Tisch bereit stand eine Menage mit „auf teuer gemachtem alten Balsamico“, also ein Balsamico-Glace, gutes Olivenöl und Salz & Pfeffer aus der Mühle. Das Balsamico-Glace war Massenware, O.K. aber ohne jegliche Raffinesse.

Zu trinken hatte meine beste Ehefrau von allen einen trockenen italienischen Weißwein, einen „Gavi“, der aber durchaus gut und fruchtig war und sommerlich frisch anmutete. Hierfür allerdings EUR 4,00 für 1/8L zu verrechnen ist bereits etwas verwegen und verärgert. Ich hatte ein Moretti, das für ein Spezialbier zu EUR 3,30 für 0,33L völlig in Ordnung war. Genau das aber beschreibt das Preisproblem hier gut. Einerseits passen manche Preise und zu einem größeren Teil sind die Preise recht überzogen - in Summe einfach unnötig inkonsistent und überteuert.

Zu unseren Vorspeisen:
Meine beste Ehefrau von allen bestellte eine „Crema di pomodori alla caprese“ (Tomatencremesuppe mit Büffelmozzarella und Basilikum zu nicht okkasionsverdächtigen EUR 4,80) – die Suppe war brav gemacht, natürlich eher von der mediterranen, denn von der süßen Wiener Sorte, die Garnitur mit verkochten statt frischen Basilikumblättern hätte man sich optisch und geschmacklich sparen können. Der Büffelmozzarella gut in kleine Stücke zerteilt war schlichtweg sauer. Sofort beim netten aber mehr als hilflosen, nicht sattelfesten Kellner reklamiert, kam er aus der Küche wieder retour mit dem Hinweis: „Büffelmozzarella ist leider etwas sauer!“ Da dieser Hinweis inkompetent, inakzeptabel und einfach auch nicht richtig ist, provozierte er förmlich die Entgegnung: „Ja, bei Ihnen schon, überhaupt, wenn er nicht mehr frisch ist.“ Ja, Büffelmozzarella ist deutlich würziger als „Kuhmilch-Gummi-Käse“, aber einen saueren Stich bekommt er nur, wenn er zu wenig Molke-Lake zum Baden hat, zu warm gelagert wird oder eben einfach alt ist. Daher in Summe nicht nur zu teuer sondern auch einfach nicht frisch und nicht gut – so etwas passiert direkt am Naschmarkt.

Ich hatte als Vorspeise eine kleine „Antipasto Misto di Affettato“ (Antipastiplatte mit Aufschnitten, EUR 11,90) – auch hier ein deutlich überzogener Preis, die Antipasti-Bestandteile, in Öl eingelegte mit Frischkäse gefüllte Peperoni, eingelegte getrocknete Tomaten, Oliven, Kapern, bekommt man in dieser Einheitsform und Einheitsqualität gerade in diesem Teil des Naschmarktes bei jedem zweiten Stand. Das ist praktisch Massenware oder „Industrieware“, die mir vom Naschmarkt nie sonderlich gut geschmeckt hat (zu sauer, zu wenig Geschmack, künstlicher Beigeschmack). Die „Pomodori secchi“ und „Cippolle grigliate di balsamico“ mache ich selber auch häufig und kenne daher den Geschmacks- und Qualitätsunterschied sehr genau. Der Parmaschinken war gut und dünn aufgeschnitten, jedoch vom Geschmack keine Überraschung, ein paar Blätter Salami mit Kräuterrand wurden am Teller drapiert – beides im guten Supermarkt zu erhalten. Dazu noch ein Grana sowie ein Manchego (??) mit Rosmarinrand, der ja ein spanischer Schafkäse ist, Pecorino, das italienische Pendant, wäre die bessere und vor allem authentischere Wahl gewesen. Beide Käsesorten waren aber wirklich gut.

Das dazu gereichte Brot (Ciabatta & Olivenbrot) war die am Naschmarkt überall erhältliche Ware und keiner Rede wert. Nur so viel sei noch verraten, ich kaufe niemals am Naschmarkt Ciabatta-, Oliven- oder Fladenbrot, etc., weil es einen völlig faden Einheitsgeschmack hat und stets trocken, nicht flaumig ist und keine ordentliche Kruste hat. Auch preislich durch nichts gerechtfertigt, gibt es deutlich bessere Destinationen abseits des Naschmarktes, mediterrane Brotsorten zu kaufen.

Einmal die kleinen „Gamberoni grigliata“ (kleine Portion gegrillte Garnelen, EUR 19,90) – diesen Preis für fünf Garnelen zu verlangen ist ebenfalls nicht mehr als mutig, sondern eher als rotzfrech einzustufen. Die Garnelen waren absolut lind, um nicht zu sagen nicht gewürzt, keine frischen Kräuter, absolut kein Knoblauch, jedoch ordentlich entdarmt und zum Glück teilweise in der Schale, die den Hauptgeschmack abgibt, gegrillt. Auf einem kleinen Rucolabett angerichtet, dazu bereits erwähntes Brot. Die Normalbeilage ist laut Kellner (musste aber erst fragen gehen): Braterdäpfel oder Reis!? Stattdessen entschied sich meine beste Ehefrau von allen für eben das Brot und einen „Insalata Mista mit Cocktailtomaten“, der sehr frisch und gut war – auch für diesen Tausch aber musste der Kellner erst nachfragen, ob möglich. In Summe abermals eine mäßige Vorstellung zu sehr gehobenem Preis.

Ich bekam zunächst viel zu früh (mit der Vorspeise fast gemeinsam) ein „Hausgemachtes Riesen-Bruschetta mit Mozzarella, Cocktailtomaten & Basilikum“. Glücklicherweise war dieses aber nicht von mir bestellt bzw. falsch zubereitet worden, und ich konnte, wie geplant und auch dementsprechend bestellt, in Ruhe meine Vorspeise fertig essen. Nach nun angemessener Zeit erhielt ich mein „Hausgemachtes Riesen-Bruschetta mit Parmaschinken, Rucola, Cherrytomaten & Grana“ (EUR 9,90) – mich erinnerte die Bruschetta, die auch tatsächlich eine sehr große Weißbrotscheibe war, irgendwie an einen „Pizzaversuch“ ohne Pizzateig im Hause zu haben. Das Brot war nicht sehr schmackhaft, nur sehr hell angeröstet und hatte absolut keinen Knoblauchgeschmack. Die Auflagen waren frisch und O.K., aber eben auch nicht mehr. Italienisches Feeling kam hier nicht auf, denn es hatte mit einer klassischen Bruschetta nicht sehr viel gemein, wiewohl der Begriff „Bruschetta“ sowieso ein sehr dehnbarer ist. Leider auch eine nur mäßige kulinarische Vorstellung seitens der Küche.

Die Wartezeiten waren teilweise (Getränkenachbestellung etc.) sehr unangenehm lange, Der Service war zwar freundlich aber nicht wirklich um den Gast bemüht. Sattelfest bezüglich der Speisen, die hier serviert werden, war er leider ebenfalls nicht.

Vom Ambiente her gefällt es mir hier als „Kind vom Naschmarkt“ sehr gut – man sitzt mitten im Marktgeschehen und dem dazugehörigen Markttrubel, kann aber im „Piccola Italia“ auch heimeligere bzw. ruhigere Ecken aufsuchen. Das Lokal wurde mit einem Stockwerk ausgebaut, von wo man ebenfalls einen sehr guten Ausblick auf das Marktgeschehen hat, trotzdem aber ruhiger und intimer speisen kann.

Fazit: die Küchenleistung und das hier Gebotene können mit den teilweise unverschämten Preisen nicht mithalten. Das Lokal ist leider, wie der Großteil der Lokale am Naschmarkt, preislich abgehoben, und der Gast erhält für diese Preise leider keine angemessene Gegenleistung bzw. Qualität. Ein Novum für mich war auch, dass ein mediterranes Lokal gänzlich auf Knoblauch oder frische Kräuter verzichtet (siehe Speisenbewertung) - Schade...
Die öffentliche Erreichbarkeit ist sehr gut, da direkt am Naschmarkt gelegen, behindertengerecht ist das Lokal absolut nicht. Somit kann ich in Summe keine Empfehlung für das „Piccola Italia“ geben, wenngleich es auch auf meinem geliebten Naschmarkt, meinem „zweiten Wohnzimmer“, liegt.

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Kommentare (8)

am 1. Juni 2012 um 21:45

danke , mein bester...
es war ja auch ironisch gemeint, denn wenn man wirklich was echtes bekommt, lohnt es sich...
Aber eins ist der hammer - es gibt zum Espresso keion leitungswasser, sogar der kaffe wird mit Quellwasser gebrüht... Abgefahren - ok ich zahlte mit wasser 4,50€.
Das ist der teuerste aber auch edelste Espresso denn ich jemals hatte. jedoch kann man fast alles probieren...
ich hatte gestern mal eben ne portion frisch geriebenen Trüffel auf meine Antipasti bekommen... Laechel...

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am 1. Juni 2012 um 21:35

Gute Qualität zu angemessenem Preis, wenn auch etwas teurer = "Schnäppchen".

Danke, liebe(r) Italophil!

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47
am 1. Juni 2012 um 21:17

Ich will ja keine Werbung machen...aber echter italo-zubehör findest du im 7.ten nähe Mariahilferstrasse...
San gusto Boutique, ist kein schnäppchenmarkt, aber es gibt alles, was den gaumen höher schlagen lässt...

netter service und beratung.... aber wie gesagt, wollte keine Werbung machen...laechel

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1
am 1. Juni 2012 um 21:02

@uc0gr - das wäre schade. ich muß zugeben, dass ich schon ewig nicht mehr beim piccini war und zuletzt nur ein panini mit salame gegessen hab. in den 80er jahren hab ich dort immer die zutaten für meine spaghetteria gekauft...

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am 1. Juni 2012 um 20:57

Da kann ich Dir nur zustimmen.
Echter Büffelmozzarella gibt es hier in Österreich fast selten. Und er kostet sicherlich mehr als diese Fakes oder halbfertigen geschichten.
Und Piccini ist ja eigentlich auch so ne Sache, die Kühltheken sind uralte Kuchentheken... Die meisten Produkte sind im Merkur und Billa wiederzufinden. Und Olivenöl, eigens gelabelt, ohne herkunft usw...
Laechel.

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am 1. Juni 2012 um 20:51

Liebe(r) Mandelblick!
Ich hatte in meinem Leben schon viele echte Büffelmozzarelli. Aber wirklich sauer darf er nie sein, würzig-säuerlich ja. Ob dieser Mozzarella je aussen eine Haut hatte, innen cremig war, beim Aufschneiden Wasser rausgelaufen ist, kannst du in einer Suppe nicht mehr nachvollziehen.

Sauer oder säurebetont-würzig ist ein großer Unterschied. Eine Milch die sauer geworden ist, ist noch lange keine "Saure Milch".

Ein "ungeplant" und "unkontrolliert" sauer gewordenes Milchprodukt ist einfach nur verdorben - gut auch erkennbar, an leicht bitterem Geschmack = Milchsäurebakterien, die "außer Kontrolle" sind.

@RolandS3: wenn man sich hier so die Bewertungen über das Piccini durchliest, dann ist es dort mit der besten Zeit auch vorbei. Aber jedem das, was er eben will. Das ist ja das Schöne an der Meinungsvielfalt.

Gerry

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47
am 1. Juni 2012 um 20:39

Naschmarkt und Italiener heißt für mich noch immer Piccini...

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am 1. Juni 2012 um 19:52

Das hat wirklich nichts mehr mit Italien zu tun. Aber das ist nicht verwunderlich - denn in solchen Läden gehts doch nur um Pseudo Image . Aber es funktioniert, denn wer kennt schon echte Antipasti - von den Hauptlaufkunden auf dem Naschmarkt....
Laechel

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