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SPEISESAAL - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 11. April 2012
Experte
amarone1977
315
75
30
3Speisen
4Ambiente
4Service
8 Fotos1 Check-In
Gelistet in: Lokale in Graz

Endlich wieder mal Graz. Ich liebe diese Stadt wie meine zweite Heimat, obwohl ich nie dort gelebt habe. Sehr wohl allerdings meine „Vorfahren“ und so kommt es einfach, dass durch die vielen Besuche vor allem vor langer Zeit immer wieder so etwas aufkommt wie Nostalgie, sei es beim Fahren durch die scheinbar banale Münzgrabenstraße, das Würstelessen am Hauptlatz, Filmfrühstücke im Geidorfkino, das Frühstücken allgemein in der Unigegend, das Sterzessen im Glöcklbräu, Verweilen am Franziskanerplatz oder Spaziergänge um den Hilmteich, durch die Spor- oder Stempfergasse. Nicht zu vergessen natürlich das Brötchenessen in der Stempfergasse. Siehe dort!

Doch gestern sollte alles ganz anders kommen. Der Pharaonentempel sollte es werden, doch der ist zu. Warum eigentlich? Osterpause? Der Gehweg vorm Lokal ist voller Kieselsteine, keine Info auf der Türe. Labrouche, weißt du mehr?

Also ab in’s Zentrum, der Hunger ist enorm. Weil ich geschäftlich noch in der Annenstraße zu tun hatte, bot sich „Der Steirer“ ganz in der Nähe als unkomplizierter, allerdings auch heißbegehrter Frühabendfüller an. Doch eine Reservierung wäre natürlich hier mehr als empfehlenswert gewesen. Für einen Hungrigen ist kein Platz mehr, also wird’s nur ein Aperitiv.
Die Empfehlung vom Haus ist der „Speisesaal“ ganz in der Nähe, kein Wunder: er gehört zum Hause „Steirer“ dazu.

Doch gleich vorweg: ich bin im Nachhinein nicht beleidigt über das volle Haus zuvor. „Schicker“ und „angesagter“ möge der „Steirer“ sein, was ich aber dann im „Speisesaal“ geboten bekam, war wirklich sehr erfreulich.

Das Lokal direkt am Grieskai empfängt den Gast schon mit einem netten Türschild:
„Offen. Komm rein“.
Tat ich auch. Zuvor hatte ich aber schon durch’s Fenster „g’luagt“: zum Teil Zweiertische mit einer Art Zeitungspapier gedeckt, ein riesenhaftes Glamourgemälde an der Wand, geschäftiger Betrieb, aber nicht übervoll. Drinnen ein hoher Raum mit allerlei Kuriositäten, die bereits die Schreiber zuvor ausgiebig gelobt oder belächelt haben. Also auch die Berichte zuvor lesen, lohnt sich, da merkt man, dass die Geschmäcker eben verschieden sind.

Ich lasse mir vom zum Teil auffällig jungen Personal einen Tisch empfehlen und nehme Platz. Ja, auffällig jung sind die Mädels und Jungs hier. Aber auch auffällig bemüht und vom Haus gut auf die Philosophie des Hauses eingeschworen. Nicht überall ist das so, allzu oft merkt man in der Gastronomie, dass Personal nebensächlich ist, und einfach nur „da sein“ muss. Falsch.
Hier ist man schnell, bemüht, fragt nach, und hätte wohl auch für eventuelle Reklamationen ein Ohr gehabt, zumindest hatte ich keinen Zweifel daran, dass das hier sehr ernst genommen werden würde.

Die Speisekarte ist nicht übertrieben umfangreich, aber sehr vielseitig.
Hier gibt’s Burger genauso wie Steaks, Döner (aber nicht das einfach gestrickte im Gummilaberl!), Djuvec-Reis, Wienerschnitzel mit Sardellen (WTF??), Fischcurry (angeblich nur scharf, hatte aber an jenem Abend ohnehin andere Präferenzen) und so manches andere.
Lustig: Original „Nuri“-Sardinen gibt’s mit der leeren Dose als Dekoration serviert mit Brot.
Nicht nur daran merkt man, dass man in einer Studentenstadt ist und sich dieses lustige Detail mit so manch anderem in der Grazer Gastrowelt deckt.

Interessant auch die Getränkeauswahl, neben gängigen Weinen der Region und darüber hinaus gibt es zum Beispiel auch ein gut gezapftes Staro, das koffeinlastige Kiez-Gebräu „fritz-kola“ für die Nachtschwärmer unter den Grazern (laut Karte), das leicht salzige Ayran und so einiges mehr, darunter auch einen herrlich erfrischenden Durstlöscher: „Kardamint“: ein Sirup aus Kardamom und Minze. Entweder als Kardamint „Leitung“ um 2 Euronen oder Kardamint mit Mineralwasser um 2,80.
Halber Liter, versteht sich, serviert mit Zitrusspeideln und (nicht zuviel) Eis. Sehr großzügig.
Das nenne ich mal mehr als fair und zeigt, dass die Gastronomie in puncto Leitungswasserverrechnung auch anders kann. Hier hat sie es verstanden und beweist, dass Lokale auch ohne unverschämten Leitungswasser-Aufpreis trotzdem gut verdienen kann.

Beim Essen tat ich mir schwer beim Auswählen. Schlussendlich wurde es zuerst mal eine Karotten-Ingwersuppe, schön batzert-cremig, fruchtig aber nicht verschlagoberst, mit dezentem aber nicht übetriebenem Ingwer-Touch. Ein wenig (weißer!) Pfeffer aus der Mühle tat der Suppe gut, das war schon mal ein ordentlicher Beginn.

Döner Kebap. Vom Lamm. Ich wurde vorgewarnt, das Fleisch hätte ordentlich Flachsen.
Ich selbst würde mal sagen es ist gut durchzogen, gehört aber zu so manchem Fleisch dazu, weil es auch den Geschmack während der Zubereitung beeinflusst, man denke nur an einen guten Rostbraten. Wer das nicht will, der soll Faschiertes oder Formfleisch essen.

Kurz gesagt, die Portion kam in biblischen Ausmaßen daher. Wer bitte soll so viel essen? Gut, die Portion liegt mit 12 Euro sicher weit über Kebap-Standl-Niveau, wir reden aber hier auch über Qualität und Zubereitung, sowie Präsentation, die nicht mit Take-away vergleichbar ist. Nur, ich hätte mich auch über eine etwas kleinere Portion gefreut. Ich schmeiß Essen nicht gern weg, hier dürfte das aber ständig passieren.

Das Fleisch, gegrillte Pfefferoni, Tomatenspeideln roh (nicht für mich), Djuvec-Reis (sehr gut) und ein fein abgemachter Salat: feine, würzige Marinade, zarter Salat, Rotkraut mit feinem Biss und sogar ein paar kernlose Tomatenwürferl, die ich im Zusammenspiel mit dem Salat sogar mitessen konnte. Gut!

Das Fleisch selbst war mehr als ordentlich, kräftig gewürzt, aber nicht industriell, was aber sicher zu viel des Guten war, war der Salzgrad. Gut, Reis, Salat und der fabelhafte Kardamint-Saft gleichen es wiederum gut aus, aber trotzdem, es darf weniger sein.
Schmackhaft ist die Sache allemal, nur nach 2/3 der Portion muss ich streiken. Die beigestellten, wohl selbst gebackenen Brötchen-Vierteln lasse ich bis auf einen Biss liegen, bei der Beilagenkombi wäre das Brot wohl zu viel gewesen.

Über Nachspeisen hätte ich mich gern unterhalten, gebackene Apfelringe klingen verlockend, aber es geht kein Bissen mehr.
Was aber dann doch noch sein musste: Türkischer Kaffee (für faire 3,50). In der guten Karte werden bei der einen oder anderen Spezialität Anmerkungen zur Zubereitung präsentiert, hier wird die korrekte Zubereitung des Kaffees beschrieben.
Gut drei Mal muss der Kaffee aufkochen, bis ein schöner Schaum entsteht. Bleibt am Löffel kein Kaffee mehr kleben, so ist er fertig. Natürlich im Messingkandl bereitet, so wie ich es auch gern zuhause mache.
Den Türkischen Honig dazu verschmähe ich ausnahmsweise nicht, die Plomben werden durch die gute Konsistenz geschont und die Mandeln sind reichlich vorhanden.

Ein feiner Abschluss für ein gelungenes Abendessen. Der in den Berichten beschriebene DJ Soul ist mir nicht aufgefallen, die Musik im Hintergrund ist aber angenehm und nicht übertrieben laut. Für ein geschäftiges Lokal wie dieses ist die Atmosphäre aber echt lässig.
Wenn ich mir einen (meiner Meinung nach nicht ganz unberechtigten) Vergleich erlauben darf: Speisenauswahl – Atmospähre – Musik – „In“-Faktor: der „Speisesaal“ wird mir sicher eher in Erinnerung bleiben als das von mir erst vor kurzem besuchte Wiener „Flatschers“.
Das und das gebotene Gesamtbild hier ist mir allemal eine Empfehlung des Monats wert.

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Kommentare (16)

am 21. Juli 2012 um 13:10

SSW: also ich wär mir da nicht so sicher, vielleicht ist das aber genauso der Streitpunkt, ob die cotoletta milanese vor dem Wiener Schnitzel existierte.
Die Wiener Garnitur besteht, gemäß mehrerer Quellen, aus Sardellen, Kapern und Zitrone.

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am 21. Juli 2012 um 12:27

Garniturmaessig meine ich.

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am 21. Juli 2012 um 12:26

Sardellen und Kapern auf einer Zitronenscheibe ist uebrigens die Hamburger Version eines Schnitzels nach Wiener Art, wie ich neulich festgestellt habe.

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am 21. Juli 2012 um 12:24

Robert, wir heissen euch alle willkommen.

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am 20. Juli 2012 um 23:48

PPS: für den Robert haben wir hier ein paar super Lokalberichte, die seiner Meinung nach sicher keine Themenverfehlung sind, viel Spaß beim Lesen: Link

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am 20. Juli 2012 um 21:00

Robert: da du "alle anderen" bist, heiße ich deine multiple Persönlichkeit herzlich willkommen.
Ps: wenn du es nicht schaffst, mehr als drei Zeilen zu lesen, dann sollltest du dir überlegen, ob du verfehlt bist, oder das Forum. Am besten auf krone.at einchecken, da sind mehr Bilder als Text, sollst ja schließlich nicht überfordert werden.

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am 20. Juli 2012 um 20:27

Ich fand es nicht langweilig, sondern interessant!

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Robert am 20. Juli 2012 um 19:55

Da war aber ein verhinderter Schriftstellet am Werk. Für deine Mutti sicher ineressant, für alle Anderen langweilig. Thema verfehlt

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Robert
Kein Tester
am 30. Mai 2012 um 13:33

mutti: Tschuldige, ich hätte wohl auch Scheiberln sagen können ;-)

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muttikochtambesten am 30. Mai 2012 um 11:11

danke magic, das wort ist im steirischen nicht gebräuchlich, wieder was dazu gelernt!

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muttikochtambes.
Kein Tester
am 30. Mai 2012 um 09:14

Das bedeutet in etwa Scheiben, Stückchen.

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muttikochtambesten am 30. Mai 2012 um 08:55

was bitte sind speideln?

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muttikochtambes.
Kein Tester
am 11. April 2012 um 23:06

Ein Vergnügen, diesen Bericht zu lesen. Und schon hatte ich das Gefühl, grad im Speisesaal in Graz gewesen zu sein. Complimenti i auguri.

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80
48
am 11. April 2012 um 14:31

Ah, stimmt, die "Wiener Garnitur" war glaub ich einmal in der Sendung "Was gibt es Neues" eine der Fragen für Resetarits, Gernot & Co.

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75
am 11. April 2012 um 14:02

*LOL* Gern!
Ich muss gestehen, das ist dann eine wahre Bildungslücke. Oder ich bin für die Altwiener Traditionen einfach zu selten in der Hauptstadt. Immerhin, ein Gurkerl war noch bei keinem meiner Kalbsschnitzerl dabei ;-)

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am 11. April 2012 um 13:50

Lieber Amarone1977, wieder ein wunderbar zu lesender und H-G-L Bericht.

Zum Thema "WTF" - "Wienerschnitzel mit Sardellen" muss ich dich leider insofern enttäuschen, als dass dies die ursprünglichste Garnitur zum Wiener Schitzel war - es kam nur völlig aus der "Mode". Sei froh, dass du kein Gurkerl bekamst ;-)

Auch viele Saucen in der ursprünglichen Wiener Küche wurden mit Sardellen gewürzt und danach durch ein Haarsieb passiert.

Danke für den Super-Bericht!

Gerry

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