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Mraz & Sohn - Bewertung

Diese Bewertung wurde von anderen Testern empfohlen.
am 15. Jänner 2012
Experte
Evba
69
27
22
5Speisen
5Ambiente
5Service
28 Fotos1 Check-In

Mein erster Besuch (13.1.2012) beim Mraz und ich kann nur sagen: Wow… eines der besten Essen seit längerer Zeit.
Das klare und stilvolle Ambiente in grau und Weiß gehalten, trotzdem gemütlich, setzt einen schönen Kontrapunkt zur Verspieltheit und Kreativität der Präsentation des Essens.
Die Eingangstür an der man Läuten muss um Einlass zu finden und die Wasserkarte lasse ich aus, da in den Vorreviews schon hinreichend beschrieben. Aber jede Kleinigkeit ist bis ins Detail durchdacht und gestylt. Das beginnt schon bei den aus grauem Ton gemachten Besteckhaltern (eine Art Kubus mit Löchern), in die vor jedem Gang das dazu benötigte Besteck gesteckt wird.
Als Aperitif wurden uns Cava, Champagner oder Prosecco angeboten (das einzige kleine Manko des Abends war, dass die Sommeliere den Unterschied zwischen Prosecco Frizzante und Spumante nicht kannte).
Dann kam die Speisekarte in einer Plexiglasrolle, in der gleich die ersten Amuse Gueule steckten: essbares Kokospapier mit Curry und ein kleines Stück Maiskolben umhüllt mit Schweinskrusteln auf Guacamole.

Das 5-gängige Wintermenü (die Homepage ist leider nicht upgedated, dort sind noch das Herbstmenü und Bilder vor dem Umbau drinnen) - es gibt Varianten von 3, 5 oder 9 Gängen, mit oder ohne Weinbegleitung, bestand aus:
• Makrele Quinoa –Wurzelspeck – Fenchelgrün – Mandeln
• Erbse, flüssig Aal – Passionsfrucht – Curry Cashmir
• Schwein Hals über Kopf grüner Kohl – Kren – Datteln
• Käse vom Wagen Trüffelhonig – Marillenchutney – Rosinensalat – Essignüsse – Oliven – Pesto
• Mohr im Hemd weiße Erdbeere

Einige von uns wählten das 5-Gang Menü und waren alle begeistert davon, ich lieber a la Carte mit Weinbegleitung (die hervorragend passte und mich der Mühe enthob zu jedem Gang den passenden Wein suchen zu müssen):

Dann kam das "Gebäck" – Nuss- und andere Cracker, Kornspitz, Mohnöl und Bauernbutter (klingt normal und durchschnittlich, aber man muss sich das Foto anschauen um zu sehen, was wirklich gemeint ist). Dazu auf Steinen mit Moos servierte Bergkäsecracker.

Das nächste Amuse Gueule lag auf einem Löffel, der in einem altmodischen Nussknacker steckte und sich „unsere Interpretation der Walnuss“ nannte: eine Walnussform aus Walnusscreme gefüllt mit Langustinotartare – ein Gedicht.

Mein erstes Gericht nannte sich "1,2,3…Eierlei", eine Eierspeis, eine Art Eierkuchen und ein bei 60 Grad 60 Minuten lang pochierter Dotter über die Specksuppe gegossen wird und ein durch Frosten gegartes Wachtelei mit einem Kaviartopping. Für eine Ei-Liebhaberin wie mich das Paradies; ich wusste gar nicht, dass Ei so viele verschiedene Geschmäcker haben kann. Wein dazu ein Weißburgunder om Jamek.

Mein nächstes Gericht: "Gänseleber Maroni-Rotkraut" (Sämling Spätlese aus Illmitz): Gansleber rosa gebraten mit geröstetem Brioche, darunter, so dass der Dampf sich hinauf zieht, eine Schale in der Maroni räuchern und dazu etwas, dass sich "unser Maronireis" nannte, aber als Gansleber mit kleinen Sprossen in Form von Maronireis entpuppte – die beste Gansleber, die ich je gegessen habe.

Der nächste Gang "Brust & Keule von der niederösterreichischen Ente Topinambur – Kohlrabi – schwarzer Trüffel" (Blaufränkisch vom Prieler): Vier verschiedene Stücke von der Ente in 4 verschiedenen Garungszuständen (rosa Brust, ein durchgebratenes Stück, ein Stück mit kleingehacktem Entenfleisch, das auf einem Knöchelchen zur Keule geformt und dann paniert wurde und eine Entenmousse) mit kleinen Tröpfchen aus Topinamburpüree und Kohlrabistückchen. Bei Tisch wurde dann Zitronenschale einer seltsam aussehenden Zitrone (ich glaube es war eine Zitronatzitrone oder „Buddhas Hand“ genannte Zitrone) darüber gerieben, was dem Gericht eine frische Raffinesse gab.

Dann kam der Käsewagen, auf dem sicher ca. 40-50 Sorten Käse in schöner Präsentation aufgereiht waren, jeder den wir kosteten war gepflegt und auch die Beratung war perfekt. Dazu selbstgemachtes Nuss-, Tomaten-, Grammel-, Laugen-, Pfefferoni-, Artischockenbrot (und noch einige mehr) und noch 2 Kästchen die 6 verschiedene Sößchen oder Nüsse (s.o.) enthielten. Ich hatte Livarot, Epoisses, Vacherin und ?, alle perfekt gereift, dazu ein Glas Syrah von Falesco aus Latio – himmlisch.

Bei mir war für eine Nachspeise kein Platz mehr, aber sie sahen sehr gut aus: Mohr im Hemd mit Milcheisparfait und einem Salat aus weißen Erdbeeren in einer Hülle, über die bei Tisch eine Art Schokosauce darüber geschüttet wurde, so dass die Hülle zusammenschrumpelte und die Erdbeeren freigab – dazu Portwein. Und: "Sonne & Mond Passionsfrucht – Kokos – Sonnenblumenkernmus & Mohn – Banane" (Grüner Veltliner Auslese von Schloss Gobelsburg).

Den Abschluss bildeten ein Ristretto und 2 kleine Brände (da ich mich nicht für eine Sorte entscheiden konnte): Banane und Erdbeere vom Schosser – mich interessieren immer außergewöhnliche Sorten – und die waren vom Feinsten (bei der Erdbeere war ich doch sehr verwundert, was die für ein Aroma hatte, da es kaum Erdbeer-Edelbrand gibt, weil die aromen zu flüchtig sind). Natürlich gibt es auch alle Sorten von Grappae (fast das ganze Sortiment von Poli, Nonino, etc., diverse Cognacs und viele sonstige Brände).

Das Service ist extrem freundlich und fürsorglich, erklärt jede Speise bis ins Detail und liest einem fast jeden Wunsch von den Augen ab. Da das Lokal Nichtraucher ist, kann man nur im Garten rauchen, wo ein gemütliches Feuer angezündet ist und es liegen Wollponchos bereit, damit man dabei ja nicht friert. Überhaupt sieht der Garten sehr nett aus – genauso bis ins Detail gestylt wie der Rest – wobei sich auch ein Besuch im Sommer wieder empfiehlt.
Die Toiletten sind zwar ebenerdig erreichbar und einigermaßen geräumig, aber leider verwinkelt und die Türen zu schmal als dass ein Rollstuhl hindurch passen würde.

Natürlich war das Essen nicht billig und man geht ja nicht jeden Tag dorthin, aber ich finde – vor allem im internationalen Vergleich - ist dieses Erlebnis für alle Sinne im Vergleich mit ähnlichen Restaurants günstig.

PS: Falls sich wieder einmal irgendwer über die "Puppenküche" mokieren will: ich liebe Puppenküche.

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Kommentare (3)

am 15. Jänner 2012 um 19:34

Liebe RETE-Leser,
kann wie gesagt nur zustimmen. Freu mich schon auf meinen nächsten Besuch, aber ich muss noch ein bissi sparen.
@Walt: danke für die Blumen :-)

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55
11
am 15. Jänner 2012 um 18:29

@Evba, danke für die Mühe, ein lesenswerter Bericht, gefällt mir.

Gefällt mir
29
15
am 15. Jänner 2012 um 18:00

Danke lieber walt.
ich finde aber auch ein so gutes Lokal hat eine ausführliche Beschreibung verdient

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Experte
69
27
Mraz & Sohn
Wallensteinstraße 59
1200 Wien
Speisen
Ambiente
Service
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