Das Lokal liegt am Südrand des OK-Platzes, erreichbar durch den Eingangsbereich der Atrium-City.
Große Fensterfront, Blick auf den Platz.
Das Interieur des Lokals : gewöhnungsbedürftig. Gut, der Anspruch ist „modern“, also glitzernde Eidaxl-Tapete hier, geometrische Rillen auf gleichfarbigem Grund in der Wand, übergroße weiße Krabbeltiere auf der weißen Wand, von oben punktuell beleuchtet.
Interessante Ideen, ansonsten geradlinig schlicht und recht angenehm zu sitzen. Was aber wirklich stört: zwar ist der Nichtraucherbereich der größere, man muss aber zuerst durch den rauchenden Barbereich samt offener Küche.
Während man dort auf eventuelle Platzzuweisung wartet (ich bin nicht gern der, der sich einfach wo hinsetzt, ohne zu fragen), kann man Mann und Frau beim gemeinsamen Anrichten bereits fertiger Speisen zuschauen: Tagliatelle werden z.B. gerade auf einen ansehnlichen Turm gewickelt.
Sieht interessant aus, dauert aber auch ewig, bis der Turm ausreichend turmähnlich aussieht, in der Zwischenzeit mache ich mir um Nudelkonsistenz und Esstemperatur Sorgen: bleibt das al dente oder wird’s dann schon „al ponte“ (für die Brücke….)?
Service: meistens ein junges Mädl und ein junger Herr um die 35-40. Letzterer ist bemüht, allerdings sind gewisse Handgriffe nicht wirklich fachgerecht. Dazu kommt, dass sich die beiden nicht so richtig miteinander koordinieren (der eine bringt die Karte, die andere fragt nach, dann kommt wieder der Herr und fragt auch nochmal, usw.). Was aber besonders ärgerlich ist: das Mädl ist seit Monaten das selbe, aber jedes Mal kommt bei Fragen zur Zubereitung sehr schnell „Äh, da muss ich mal fragen…“.
Ich versteh, dass sie jung ist, aber wenn ich in einem Lokal mit Anspruch arbeiten will, dann sollte ich mal zu Dienstbeginn in die Küche begeben und fragen, a) was es heute so gibt, b) wie es zubereitet wird, um bei Fragen wie „Wird das Fleisch geschmort?“ auch prompt eine Antwort liefern zu können. Ich sollte nach Monaten nicht das Gefühl aufkommen lassen, ich würde den ersten Tag hier arbeiten.
Es spricht allerdings auch nicht unbedingt für das Lokal, wenn das Interieur detailverliebt ist, edlen Anspruch immer wieder betont, aber das Personal eher verloren wirkt. Warum investiert die Gastro in diesem Punkt viel zu selten?
Das Essen:
Ein Gruß aus der Küche: zuerst kommt ein schönes Schieferbrett mit einer Halbkugel Butter, einem noch „lebenden“ Pölsterchen mit Kresse und – ja – einer Schere!
Gleich nachgereicht: eine gut gebratene Garnele mit einem Paprikastreifen, schön süßlich und gummig zugleich. Avocadocreme rundet das Gesamtbild ab.
Vielleicht ist es meine Abneigung gegenüber Meeresgetier im Allgemeinen, aber aufgrund meiner späteren Speisenwahl sind Garnelen zu Beginn nicht wirklich meine Wahl – recht zäh, süßlich und irgendwie fragt man sich, wie die ganze Sache geschmacklich zusammenpassen soll – und die nachfolgenden Gerichte einleiten will.
Wir leben im Luxus und können uns so ziemlich alles importieren lassen, was wir wollen. Ich kann ganz gern darauf verzichten. Heimische Produkte haben meiner Meinung nach genug zu bieten.
Karfiolcremesuppe mit Walnussöl und Gorgonzola. Die Suppe und das Öl harmonieren perfekt. Die feine würzige Süße vom Karfiol kommt exzellent rüber, ein bissi weniger Salz kann nicht schaden, aber es passt – bis auf eine Kleinigkeit: am Tellerboden wurden Gorgonzolawürfel versteckt. Das ist jetzt wirklich Geschmacksache: ich für mich muss sagen, dass genau das zu viel ist. Der Gorgonzola ist extrem dominant und erschlägt den Karfiol gnadenlos.
Also: Gorgonzola ersaufen lassen und die Suppe möglichst so essen, dass der immer mehr schmelzende Käse die Suppe nicht „stört“. Schade. Aber die Suppe hat’s in sich, die hat mich wirklich überzeugt.
Hascheeknödel mit Kartoffeln und Champagnerkraut. Thymianjus.
Auch hier konkurrieren starke Aromen: die Knödel sind ordentlich, fast ein bisschen zu sehr „geselcht“, die Kartoffeln sind recht neutral und spielen nicht schlecht dagegen, der Thymianjus ist allerdings ein bisschen bitter. Das Kraut ist in kleine Quadrate geschnitten und überzeugt mich aufgrund der Konsistenz nicht so wirklich. Da ist mir die saftig-traditionelle Variante lieber. Habe ständig das Gefühl, als müsste ich Krautstrünke beißen. Zu kompakt.
Aus Neugierde bestelle ich noch Buchenpilze extra dazu, eine kleine Portion, allerdings kommt das auf der Karte erwähnte Pürée nicht. Also trockene Pilze, aus der Pfanne. Ein Fehler, der geht aber auf mich. Das nächste Mal, dass ich Pilze bestelle, ist erst wieder in der Pilzsaison. Die Buchenraslinge kann ich beim Interspar selber kaufen, wenn mir danach ist.
Wein: geht in Ordnung. Auswahl so la la, Präsentation und Temperatur passen aber.
Kürbisspaghetti. Edel angerichtet, fein sämig, Nudeln etwas zu weich, aber trotzdem ordentliches Beißerlebnis. Sauce fein süßlich, aber auch etwas zu salzig. Aufgrund der Konsistenz erinnere ich mich an die zu Beginn erwähnte Detailverliebtheit beim Anrichten.
Fazit: weniger ist mehr. Die Küche ist jung, modern, versucht aber irgendwie noch, durch das Gesamtkonzept um jeden Preis einen Platz in den Feinschmeckerfibeln zu ergattern.
Wenn man das Pi-pa-po weglassen würde und sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren würde, so käme ich wahrscheinlich gerne wieder.
Nach drei Besuchen: der Punkt Service entspricht bei weitem nicht den hohen Ansprüchen, die in puncto Küchenkreativität und „Food Design“ den Gast zu überzeugen versuchen.
Also: einfache Küche, kreativ umgesetzt, ohne Schnickschnack und erkaltende Nudeltürme, dafür aber ein Serviceteam, das alle Stückeln spielt und das Gebotene in der Küche verbal aus dem Ärmel schütteln kann. Wenn das passen würde, könnte das was werden. So aber (noch) nicht.