Als „Exilsteirer“ ist der Frankowitsch für mich immer eine der ersten Anlaufstationen in Graz und ich gebe gerne zu: Ja, ich freue mich immer schon bei der Anreise darauf. Allerdings habe auch ich mir schon die Frage gestellt, ob eine „Brötchenstube“ auf eine Plattform mit Restaurantkritiken passt. Bislang habe ich die Frage für mich eher verneint, sonst hätte ich schon längst eine Review geschrieben. In Anbetracht dessen, dass hier aber schon jede pseudoitalienische Vorstadtpizzeria vorkommt und der Administrator auch schon Kritiken von Kabarettlokalen und bordellähnlichen Betrieben nicht löscht, muss der Frankowitsch hier geradezu einen würdigen Platz finden.
Denn dieser Betrieb ist nicht nur eine Bereicherung für Graz, auch mein unternehmerisches Herz freut sich bei jedem Besuch, was dort in kürzester Zeit über die Gasse verkauft und im Lokal umgesetzt wird. Da werden in wenigen Minuten hunderte Brötchen abgeholt und ganz Graz reiht sich geduldig in die Warteschlange, um die frischen Häppchen aus der Vitrine zu ergattern. Bei diesem raschen „Warenumschlag" kann die Ware natürlich immer nur frisch sein. Das Geheimnis der Frankowitsch-Brötchen ist neben der Frische wohl das Weißbrot, das einen unvergleichbaren leicht süßlichen Geschmack aufweist.
Mein persönlicher Favorit bei den Brötchen ist das Roastbeef-Sandwich, da besteht absolute Suchtgefahr und wenn ich mir vier oder fünf bestelle, müssen immer zwei vom Roastbeef dabei sein. Danach reihen sich für mich Schweinsbraten, Pastete, Shrimpssalat, Forelle und Lachs, von dem es sogar zwei Sorten gibt. Aber auch das Beinschinken-Brötchen und die günstigeren mit Ei und serbischem Aufstrich sind heiß begehrt. Alle Zutaten kommen aus dem angeschlossenen Delikatessengeschäft, wo ich Beinschinken und das unvergleichliche Roastbeef (dagegen kann sich der Urbanek am Naschmarkt verstecken) auch gerne nach Wien exportiere. Auch die Fachkenntnis der Mitarbeiter ist hier exzellent!
Dass das Bier dazu schmeckt ist selbstverständlich, der weibliche Teil der Familie lobt immer den Prosecco, aber auch die Patesserie des angeschlossenen Cafehauses. An glasweisen Weinen gibt es nicht nur den Eigenbau aus dem Weingut Hirschmugl (in den 80er Jahren ein Pionier des trockenen steirischen Weinausbaus und später von den Frankowitsch-Eigentümern übernommen) sowie viele große steirische Winzer. Ich bevorzuge oft einen Gelben Muskateller.
Was hier sonst noch geschrieben und kommentiert wurde, stimmt natürlich: Ja, es gibt dort einen Promifaktor, aber nur unter den Gästen, denn von den Mitarbeitern (freundlich, aber oft ein wenig gestresst und daher drängelnd) werden alle gleich behandelt. Man trifft Schauspieler, Unternehmer und den unvermeidlichen Herrn Kartnig (allein wenn er draußen vorbeigeht ist das ein großes Theater), aber das ist ja - in wechselnder Besetzung - im Schwarzen Kameel auch nicht anders. Gerade in der schönen Jahreszeit sind die Frankowitsch-Tische im Freien eine Art Wohnzimmer der Grazer Gesellschaft. Aber auch meine über ganz Österreich und das benachbarte Ausland verstreute Familie hat dort einen Treffpunkt. Gibt es zu Mittag oder am Abend ein Familientreffen in der Steiermark, treffe ich einen Teil der Verwandtschaft - ganz zufällig - schon am Vormittag beim Frankowitsch.
Ich habe mir schon oft die Frage gestellt, ob der Frankowitsch (könnte man in 1:1 verpflanzen) auch in Wien Erfolg hätte. Von der Qualität her mit Sicherheit, aber das unverwechselbare Flair des immer wieder umgebauten aber irgendwie angestaubt wirkenden Lokals passt wohl nur nach Graz. Dort hat der Franko, wie die Grazer sagen, Patina angesetzt und ist einfach viel, viel mehr als eine „Brötchenstube“ und ein bloßer Schickeria-Treffunkt: Der Frankowitsch ist eine Grazer Institution.Was meinst du zu dieser Bewertung?Hilfreich?Ja6Nein3Gefällt mir4Lesenswert1
Nun ja - ich sehe in ihm so ein Mittelding zwischen Trzesniewski und Schwarzem Kameel. Das Publikum und Gesamtkonzept vom Kameel.... bei den Brötchen irgendwie eine eigene (bessere) Liga ... und vom "schnell zwischendurch ein kleiner Imbiss" eher das Trzesniewski.
Insgesamt ist die Historie und Patina aber unentbehrlich (auch für die beiden Wiener Betriebe), deswegen muss der Frankowitsch wohl in Graz bleiben.Gefällt mir1
Bei jedem Graz-Besuch ist der Samstag mittag dem Frankowitsch vorbehalten. Sicher - man steigt dabei auch den Grazer SchickiMickis auf die Füsse, aber das ist in Wien im Schwarzen Kamel auch nicht anders.
Die Brötchen sind jedenfalls immer ein Genuss, die Auswahl ist sehr umfangreich - bei mir werden es immer Beinschinken&Kren sowie irgend etwas fischiges. Auch Wein und Champagner gibt es in großer Auswahl, weiters sind alle möglichen Branntweine in erlesener Qualität auch nach Hause mitzunehmen.
Die Mitnahmepreise bei den Weinen sind in Ordnung, bei gebranntem (zum Beispiel dem Grappa Bric del Gaian von Berta) schießt man vielleicht auch mal übers Ziel hinaus. Allerdings: wo sonst kriegt man den schon?
Wer also nur eine schnelle Kleinigkeit essen möchte und das auf hohem Niveau und in Seitenblicke-Umgebung, der ist dort bestens aufgehoben. In der Zeit die man für´s Anstellen und Bestellen braucht wird auch sicher irgendwo ein Platz frei...
Wer in Graz lebt, kennt den Frankowitsch. Wer nicht, sollte einen Besuch einplanen. Der Delikatessenladen wurde in den letzten Jahrzehnten mehrmals ausgebaut, hat mehrere Eingänge (Süßigkeiten, Konditorei, Geschenkeladen, Feinkost, - und eben das Abteil mit Brötchentheke).
Die Brötchen sind legendär, heiß begehrt und natürlich nicht zu letzt deswegen immer frisch. Vor allem - es sind nicht einfach nur Brötchen - eben mehr als das. Fisch, Wurstsalat, Beef, Salat, usw. Alles ist liebevoll zubereitet, es gibt keine "Ladenhüter", also Frische ist immer garantiert. Die nächste Überraschung: als heikler Weintrinker findet man hier edelste Tropfen wie etwa von Uwe Schiefer, Tement oder Bründelmayer glasweise (!!) zu insgesamt doch anständigen Preisen.
Sodann nimmt man Platz, entweder an einem der Uralttischchen, den Stehtischchen oder je nach Saison auch draußen. Die Plätze sind aber begehrt wie die Brötchen selbst. Das Personal ist nie gestresst, auch wenn es immer genug zu tun hat. Hier passt einfach alles, einziger Wermutstropfen sind die Öffnungszeiten. Nach halb sieben am Abend ist Schluss. Doch auch hier gibt's ein Extralob: einmal rief ich von der Autobahn kommend an und bat, mir drei bestimmte Brötchen zu "reservieren". Das taten sie auch und so kam ich auch noch um fünf Minuten vor Ladenschluss zu sonst schon längst vergriffenen Brötchen, um die mich meine Sitznachbarn dann lautstark beneideten: "Ja woher haben Sie denn noch ein Lachsbrötchen herbekommen??"
Nun ja - ich sehe in ihm so ein Mittelding zwischen Trzesniewski und Schwarzem Kameel. Das Publikum und Gesamtkonzept vom Kameel.... bei den Brötchen irgendwie eine eigene (bessere) Liga ... und vom "schnell zwischendurch ein kleiner Imbiss" eher das Trzesniewski.
Insgesamt ist die Historie und Patina aber unentbehrlich (auch für die beiden Wiener Betriebe), deswegen muss der Frankowitsch wohl in Graz bleiben. Gefällt mir1